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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

nee repperire possit quisquam peritus dialectica in arte grammaticus qui haec ant stilo pro.saico aut metrico depingeret versu: ingemescebant saepius plerigue dicentes Vae diebus nostrkquin periit Studium litterarum a nobis nee repperiretur in populis qui gesta praesentia pro-mulgare piossit in paginis ... 14 quia philosophantem rhetorem intellegunt pauei, loquentemrusticum multi' und In glor. conf. p. 747, 24 ,Sed timeo ne eum scribere coepero quia sumsine Utteris rhetoricis et arte grammatica dicaturque mihi a litteratis: 1 ) 0 rustice et idiokut quid nomen tuum inter scriptores indi aestimas? . . . Qui nulluni argumentum utile inUtteris habes, qui nomina discernere nescis, saepius pro masculinis feminea, pro femineisneutra et pro neutris masculina conmutas; qui ipsas quoque praepositiones, quas hobüivddietatorum 1 ) observari sanxit auetoritas, loco debito plerumque non locas. Nam ablativis ac-cusatira et rursum aecusativis ablativa praeponis.' Auch die Ansprüche, welche Gregor anliterarische Bildung bei seinen Zeitgenossen macht, sind höchst bescheiden. So sagt er vonAndarchius p. 180, 9, daß er gut unterrichtet gewesen sei ,nam de operibus Virgilii, legisTheodosianae libris artemque calculi aplene eruditus est', von Sulpicius von Bourges p. 278,27 ,Est enim vir valde nobilis . . . in Utteris bene eruditus rhetoricis, in metricis vero arti-bus nulli seeundus', von Ferreolus von Uzes p. 253 ,qui libros aliquos epistolarum quasi Si-donium secutus eomposuiV.

Literarische Kenntnisse. Sie sind im allgemeinen sehr gering,und G. Kurth (Rev. des quest. hist. 24, 592) hatte nachweisen wollen, daßGregor die Aeneis Vergils und Sallusts Catilina nur aus einem Exzerpten-schulbuch gekannt habe. Hiergegen erklärten sich B. Krusch (Greg. Tur.op. p. 459, vgl. Neues.Archiv 16, 432ff.), M. Bonnet (Le latin de Gregoirede Tours p. 52) und besonders M. Manitius, Neues Archiv 21, 549557.Letzterer wies Benutzung 3 ) auch der Georgica und Bucolica und des Serviussowie einige Anklänge an Horaz nach und suchte mit Krusch die Kenntnisdes Gellius und außerdem des Plinius bei Gregor zu halten. 4 ) Es wäreauch zu verwundern, wenn einer der ersten Kirchenfürsten Galliens garso ungelehrt hätte bleiben sollen; denn die Möglichkeit, klassische Literaturkennen zu lernen, mußte dem Bischof von Tours und dem Freunde Fortunatsleicht genug sein. Freilich weiß Gregor, daß sein Stil durch solche Lektüregar nichts gewonnen hat, und nur an vereinzelten Stellen zeigt sich einereinere und höhere Ausdrucksvveise. Diese fallen meist mit solchen Stellenzusammen, in denen Gregor sich im poetischen Ausdruck ergeht, 5 ) wieauch Fortunat Carm. 5, 86, 1 f. von ihm zu rühmen weiß, daß er sowohlGedichte kirchlichen Stoffes gelesen als auch selbst verfertigt habe (Carmiiuidiva legens proprioque e pectore condens Participans aliis). Jedenfalls warenGregors Kenntnisse in der christlichen Literatur etwas ausgebreitetere. Sonennt er im Eingange seiner Frankengeschichte p. 34, 23 die Chronik desEusebius-Hieronimus, 25 Horosius und 26 Victurius (Acaiitanus), und erverwendet sachlich wie stilistisch die Vita Martini und die Dialoge desSulpicius Severus (s. Bonnet a. a. 0. S. 65 ff., Manitius S. 557). Und auseinem Briefe Fortunats an ihn (Fort. op. poetica ed. Leo p. 293, 11 cumiusseritis ut opus .. . quod de suis virtutibus explieuistis versibus debeat digeri,id agite ut mihi ipsum relatum iubeaüs transmitti) geht hervor, daß Gregor

') Also gab es doch jedenfalls solcheLeute noch in Gallien. Die vorhergehendeStelle zeigt deutlich das Ueberwuchern derUmgangssprache über die frühere Kunst-sprache.

2 ) Das Wort steht also hier in einemvom späteren mittelalterlichen Gebraucheziemlich entfernten Sinn; entweder bedeutetes hier den Grammatiker oder den Schrift-

steller. Die letztere Bedeutung würde demspäteren Wortsinn noch am meisten ent-sprechen.

3 ) In dem Buche De cursu stellaiump. 861, 23 führt Gregor fünf Verse aus derAeneis an.

4 ) M. Roger S. 107 scheint sich hiervonnicht überzeugen zu können.

5 ) Siehe Manitius a. a. 0. S.551.