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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Victor Tonnennensis. Johannes Biclarensis. 215

und besonders über die von Jordanis benutzten Quellen gab C. Cipolla, Mein, della R. Accad.di Torino, Ser. II, tom. 43,116132, doch sind die gewonnenen Resultate sehr anfechtbar. Kri-tische Beiträge: W. Pröhner, Philologus, Supplbd. 5, 55. Bergmüller (s. unten) S. 4047.

Sprache. Erst durch Mommsens Ausgabe ist es jetzt möglich, dieeigentliche Sprache des Jordanis näher kennen zu lernen. Obwohl sie imallgemeinen reiner ist und mehr grammatische Schulung verrät als dieGregors von Tours, so bezeichnet sie doch deutlich den allgemeinen Nieder-gang. Hierfür sind die Zusammenstellungen bei Mommsen p. 176200maßgebend, wo auch p. 167175 die orthographischen Eigentümlichkeitender Hss. zu bequemem Gebrauche zusammengestellt sind. Eine interessanteArbeit über die Sprache des Jordanis in großen Zügen gab E. Wölfflin,Arch. f. lat. Lex. 11, 361 ff. Eine genaue Scheidung der dem Jordanis eigen-tümlichen Stellen seiner Arbeit, wo dieser von Quellen unabhängig ist,machte J. Bergmüller (Einige Bemerkungen zur Latinität des Jordanes,Augsburg 1903) S. 4, um hieran lexikalische und grammatische Unter-suchungen anzuschließen, die das Material gründlicher behandeln. DieHauptarbeit auf diesem Gebiete aber lieferte kürzlich Fr. Werner (DieLatinität der Geüca des Jordanis, Diss. Halle 1908), der in seiner tüchtigenUntersuchung von den lautlichen Dingen ausgeht und dann die Flexion, dieWortbildung, die Syntax und endlich das wichtige Kapitel der Wortbedeutungbehandelt; die Arbeit ist nicht nur wegen des behandelten Stoffes wichtig,sondern auch deshalb, weil sie die Sprache von Prosa und Poesie der Zeit-genossen des Jordanis unausgesetzt in Vergleich zieht.

33. Victor Tonnennensis. Johannes Biclarensis.

Wie die Chronisten des 5. Jahrhunderts den Eusebius-Hieronymus alsGrundlage benutzten, so wurde in der späteren Zeit die schon früh starkverbreitete Chronik des Prosper fortgesetzt. Dabei gerät das Reichsinteresseimmer mehr in Verfall, der geistliche Rahmen, in welchen die kurze Er-zählung hineingepaßt wird, gewinnt an Bedeutung.

Über Victor von Tonnenna (so nach Mommsen S. 179) sagt Isidor vir.ill. 49 , Victor Tunnunensis ecclesiae Africanae episcopus. Hie a prineipiomundi usque ad primum lustini iunioris imperii atinum brevem per consulesannuos bellicarum ecclesiasticarumque verum nobilissimam promulgavit historiamlaude et notatione illustrem ac memoria dignam.' 1 ) Er wurde in dem Streitüber die Doppelwesenheit Christi verurteilt und zwischen 555565 anmehrere Orte verbannt. In dieser Zeit hat er wohl seine Chronik ge-schrieben, die er mit dem Jahre 444 begann, indem er sich an eine 443herausgegebene Rezension von Prosper 2 ) angelehnt zu haben scheint, dieverloren ist. Er folgt in der Berechnung der Incarnationsjahre aber nichtdieser Vorlage, sondern schließt sich dem Dionysius an. Die Erzählungist oft sehr dürftig, sie beschränkt sich meist auf kirchliche Ereignisseund geht nur wenig auf weltliche Dinge ein. 3 )

') So nach Mommsens Rezension S. 178. I 3 ) Kritik seiner Nachrichten s. Holder-

Vgl. übrigens Isidori chron. Egger, Neues Archiv 1,298 ff.

2 ) So Mommsen S. 180.