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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

die eigentliche Aufschrift) beginnt mit der Erschaffung der Welt, gehtzu den Assyrern, Medern, Persern und Ägyptern über und setzt die ägyp-tische Geschichte bis zu Cleopatra fort; dieser ganze erste Teil (c. 185) istfast ganz aus der Chronik des Hieronymus genommen. Dann beginntdie römische Geschichte, die zuerst aus Florus l ) und Eufius Festus ent-lehnt ist (c. 87249) und die römische Kaiserzeit bis auf Theodosius nachHieronymus, Orosius und Eutrop erzählt; von Theodosius an berichtetJordanis fast ausschließlich nach Marcellinus Comes und Fortsetzung, sowienach seinem eigenen Auszug von Cassiodors Getica.

Ueber die Quellen s. die Ausgabe von Mommsen p. XXIII XXX. Die Schrift ge-nügt nur den bescheidensten Ansprüchen, und es ist für ihren Verfasser sehr bezeichnend,daß er im Vorwort p. 1, 18 f. die Parther mit den Persern verwechselt. Und doch hat einso tüchtiger Schriftsteller wie Paulus diaconus größere Stücke aus dem Werk für seineHistoria Romana abgeschrieben (vgl. Mommsen p. LVII). Sehr stark benutzt wurde dasWerk von Frechulph von Lisieux, s. E. Grünauer, Dissert. de fontibus historiae Frechulphiep. Lixov. 1864; zu erkennen ist es auch im Chron. Vedastinum, bei Hermannus Contractus, 2 )Marianus Scotus, Bernold, Ekkehard von Aura, 3 ) Sigebert und Otto von Freising. Man siehtalso, daß die Schrift bei den großen Weltchronisten lange Zeit in Ansehen gestanden hat,und das erklärt sich nur aus dem engen Anschluß an Hieronymus und Florus, sowie ausder exzerptenhaften Dürftigkeit des Inhalts. Haupthss.: Heidelberg. 921 s. VIII; Vat. Pal.920 s. IX (aus Lorsch = Becker 37, 88); Valentian. 88 s. IX (aus St. Amand = Delisle,Le cab. des mscr. 2, 449, 32); Laurent, plut. 65, 35 s. XI; exzerpiert wurde das Werk schons. IX z. B. im Berol. Meerm. 136137, einer Hs., die aus Verona stammt und wohl vomBischof Deodericus nach Metz gebracht worden ist (spätere Veroneser Exzerpte aus J. 1181im Vat. Palat. 927, s. Mommsen p. LV; sie beziehen sich aber nur auf die Getica). Inalten Katalogen wird das Werk erwähnt s. IX zu Reichenau, Murbach, Lorsch, St. Riquier,s. XI in Lobbes, Toul, Monte Cassino, s. XII in Weihenstephaa, Bamberg und St. Amand usw.,s. Neues Archiv 32, 651 f.

Getica. Das zweite Werk des Jordanis ist bedeutend wichtiger alsdie Romana, denn aus den Getica hat die lateinische Welt im nächstenJahrtausend ihre Kenntnisse über die Geschichte der Goten entnehmenmüssen und heute noch bilden sie trotz der ganz unkünstlerischen Gestalteine sehr wertvolle Stoffsammlung.

Über Zeit und Ort der Abfassung s. oben. In der Vorrede wendetsich Jordanis an seinen und des Vigilius Freund Castalius; 4 ) sie ist aller-dings großenteils abgeschrieben aus der Vorrede ßufins zu seiner Über-setzung von Origenes' Kommentar zum Kömerbrief (Sybel, Schmidts Ztschr.f. Geschwiss. 7, 288); p. 53, 3 (Mommsen) relictoque opusculo quod intra manushabeo, id est de adbreviatione chronicorum, suades, ut nostris rerbis duo-decem Senatoris volumina de origine actusque Getarum ab olim et usque nuncper generationes regesque descendentem in uno et hoc parvo libello choartem . . .super omne autem pondus quod nee facultas eorundem librorum nobis datur,quatenus eins sensui inserviamus, sed ut non mentiar ad triduanani lectionemdispensatoris eius beneficio libros ipsos antehac relegi. quorum quamvis verbanon recolo, sensus tarnen et res aetas credo nie integre retinere. ad quos etex nonnullis historiis Grecis ac Latinis addedi convenientia, initium finemque

') In einer dem Bambergensis sehr ähn-lichen Ueberlieferung, s. Mommsen p. XXIV.

2 ) Vgl. Mommsen p. LH adn. 94. Her-mann benutzte Reginberts Reichenauer Exem-plar, das ist die berühmte Sammlung vonChroniken Becker 10, 3. Dasselbe Exem-plar ist von Bernold benutzt worden. Ab-

schrift der Reichenauer Hs. ist der Paris. 4860ca. 940 aus Mainz, der von Marianus Scotuseingesehen wurde.

3 ) Vgl. Mommsen p. LV.

4 ) Jordanis nennt ihn p. 54, 8 ut vieinusgenti, was zu dessen Aufenthalt in Konstanti-nopel durchaus paßt.