Theodofrid von Corbie.
201
Amiens; gestorben ist er zu unbekannter Zeit. Höchst wahrscheinlich ist
er der Verfasser eines rhythmischen Gedichts über die sechs Weltalter
und den Anfang der Welt. Vielleicht hat er aber noch ein zweites Gedicht
De Asia et de universi mundi rota verfaßt, das gleichfalls iu Rhythmen
geschrieben ist.
Zeugnisse. Vita S. Balthildis 7 (Mabillon, Acta SS. saec. 2, 779) monasterium quodvocatur Corbegia . . . ubi venerabilis vir domniis Teudofredus nunc enim episcopus tum veroalba ■ . . praefuit: quem de Luxovia monasterio praefata domna Balthildis . . . expetit. MG.Diplom, imperii 1, 37, 14 Corbeia . . . übt praeest venerabilis vir Theodefridus abba (J. 662);ib. 1, 47, 13 quem apostolicus vir domnus et pater noster Theudefredus episcopus . . . pernostram voluntatem . . . ad regendum . . . constituit; also zur Zeit Theuderichs III. Bischof,und zwar wahrscheinlich von Amiens, s. Mabillon a. a. 0. S. 1041; daselbst VII Id. Oct.Corbeia monasterio depositio Theodefridi abbatis.
1. Versus de sex etatis et mundi principio. In Vs. 2, 2 nenntder Dichter sich und sein Werk quos Theodofridus condidit versicidos Desex etutis et mundi principio. Das Gedicht ist ein abecedarischer Rhythmus,dessen fünfundzwanzig vierzeilige Strophen der Reihe nach das erste Wortmit dem Buchstaben des Alphabets beginnen lassen (K in Kaus = chaos,X in XPistus, Fin Yesus). Den Grundgedanken und das Gerippe zu seinemGedicht entnahm Theodofrid dem Isidor, der Et. 5, 38, 5 kurz von den sechsWeltaltern spricht; die Daten für die eigentliche Darstellung aber sind derBibel ohne weitere Quellenbenutzung entlehnt. 1 ) Das Gedicht schließt mitder Hoffnung der Juden auf einen andern Messias und mit der TätigkeitChristi beim jüngsten Gericht. Die Sprache ist biblisch mit stark barbarischerFärbung (2, 3 de sex etatis. 7, 2 cum. omni genus, 3 cum nuris. 18 diripitthesauribus; zeitgemäß 18, 3 und 19, 2 pälacium). Die Form sind die Rhyth-men nach dem jambischen Trimeter (W. Meyer, Münch. Sitzber. 1882. 1, 85)mit ziemlicher Verwilderung, die allerdings auf der Verdorbenheit desTextes beruhen kann (manche Zeilen mehr oder weniger als zwölf Silben, 2 )viel Hiat, auch Taktwechsel, s. Meyer a. a. 0. S. 88); Reim zweier Versenicht selten, s. 17, lf. 3f., aber auch abba, s. 16 itur-o-o-itur. — Das Gedichtsteht im Leid. Voss. Q.s) 69 s. IX f. 9 a, Sangall. 2 p. 563 s. VIII (von derHand des Winitharius) wie auch die Versus de Asia etc.; danach heraus-gegeben von E. Dümmler,*) Ztschr. f. dtsch. Altert.22,423ff., daselbst 23,280 f.über den Verfasser. Aus jetzt unbekannter Fulder Hs. gab Brower (HrabaniMauri poemata p. 83) die ersten vier Strophen heraus.
2. Die Versus de Asia et de universi mundi rota sind vielleicht vondemselben Theodofrid gedichtet, s. Dümmler, Ztschr. f. dtsch. Altert. 23, 281,was von Traube, Karolingische Dichtungen.S. 115 n. 4 allerdings nicht zu-gegeben wird. Die beiden Parisini (s. unten) geben nach Pertz (Abhdl. d.Kgl. Ak. d. Wiss. zu Berlin 1845) S. 253 die Aufschrift Versus de provinciispartium mundi, der Wirziburg. hat De globo mundi et coniectur$ orbis versus,der Leid. Versus de Asia et de universi mundi rota, Sangall. und Palat. wie
') Nur 12, 1 Anlehnung an Sedul. Pasch,carm. 1,105, wie Dümmler S. 424 bemerkte.Das Gedicht ist wohl für die Schule bestimmtgewesen, obwohl sich kein unmittelbarer Hin-weis darauf zeigt.
2 ) Siehe Dümmler S. 427.
Luxeuil, s. Strecker, Neues Archiv 34, 638.4 ) Derselbe gab im Anhang S. 426 einkomputistisches Gedicht eines Iren aus Matrit.A16 s. X Versus de annis a principio heraus,das Vs. 30 den Tod des Irenkönigs Domnalusauf 618 berechnet und nach Vs. 31 im Jahr
Diese Hs. ist Teil einer Sammlung aus ; 718 geschrieben ist.