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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
S. 246 ff.). Die Form des Gedichts sind Rhythmen in der Art des jambischen Senars vonzwölf Silben mit teilweise unreinem Ausgang und mit Taktwechsel; Hiat ist häufig. Vgl.W. Meyer, Münch. SB. 1882, 1, 85 und 87 II, 22 (daselbst Vs. 34 verbessert). Reim ist ver-hältnismäßig selten, Assonanz findet sich öfter. — Manitius S. 397f. Wattenbach 1,179.
3. Versus deMediolano civitate. Im Veron. capit. XO s.IXf.25—27wird ein abeeedarischer Rhythmus von 24 dreizeiligen Strophen mit derÜberschrift Versum de Mediolano civitate überliefert. Er stammt aus derZeit des Königs Liutprand (712—744, vgl. Pauli hist. Lang. 6, 58 p. 186 f.)nach 18, 2 Liutprandum pium regem meritis almificum, wozu die Erwähnungdes Erzbischofs Theodor 19, 1 Totam urbem presul magnus ornavit Theodorus(721—735) stimmt, und ist nach 738 geschrieben, wenn die Bemerkungvon Gratiolus (De praecl. Mediolani aedificiis p. XV n. 4) richtig ist, daß 20,2nefandarum subdent colla expugnando gentium auf die Hilfsleistung Liut-prands an Karl Martell im Kriege gegen die Mauren zu beziehen ist (vgl.Pauli hist. Lang. 6, 54 p. 183). 1 ) Jedenfalls war der Dichter ein Klerikerin Mailand, denn er erwähnt mit Vorliebe und ausführlich Kirchliches, wie7, 1 ff. die Kirche zum heiligen Laurentius, ferner die Prärogative des Erz-bistums (9, 2 Ad auam cuncti venientes presules Ausonie Iuxta normaminstrountur sinodali canone, was unmittelbar gegen Rom gesagt zu seinscheint) und 11—12 eine Menge von Heiligen, die in Mailand ihr Grabgefunden haben (13, 1 Nulla potest reperiri urbs in ac provincia — d. h.Italien, vgl. 9, 2 — Ubi tanta requiescunt sanctorum cadavera Electorumrevelata, quanta ibi excubant, ebenfalls gegen Rom gesagt); endlich sprichter 15—16 mit Stolz von dem kirchlichen Leben in der Stadt. Vorherlobt er (3—6) die starken Pestungswerke, 2 ) ein Bauwerk der Römerzeitvor dem Tore, die Pflasterung in der Stadt und die Wasserleitung,und wenn er 8, 3 emphatisch ausruft Haec est urbium regina mater adqttepatrie, Que precipuo vocatur nomine et metropolis, Quam conlaudant universinaciones seculi, so scheint er gegen Rom den höchsten Trumpf auszuspielen. —Die Form des Gedichts sind die fünfzehnsilbigen Tetrameter und zwar mitSilbenzusatz und häufigem Hiat; vgl. W.Meyer, Münch. Sitzber. 1882, 1,84N.I, 38.
Ausgaben: Muratori, SS. rer. Italic. 2, 2, 687 (ohne Versabteilung); Gratiolus, Depraecl. Mediol. aedif. p. IX—XVII; Dümmler, Poet. lat. aevi Carol. 1, 24 f. L. Traube, Kaio-ling. Dichtungen S. 119 —122 (mit Textverbesserungen). — Manitius, Christi. lat. PoesieS. 398ff. Strecker, Neues Archiv 34, 641.
29. Theodofrid von Corbie.
Der Mönch Theudofred in Luxeuil wurde 657 von der Königin Balthildiszum Abt für das neugegründete Corbie erbeten. Im Jahre 662 befand ersich noch in dieser Stellung, doch 681 war er Bischof, vielleicht von
') Siehe hierzu Traube, KarolingischeDichtungen S. 114.
2 ) Traube, Karol. Dichtungen S. 115bringt das Gedicht überhaupt in Zusammen-hang mit einem Stadtplan von Mailand, wieer auch den späteren Rhythmus auf Veronaals Begleiter eines Veroneser Stadtplanes faßt.
Außerdem ist es nach Traube S. 115 n. 4wahrscheinlich, daß der Rhythmus auf Mai-land unter Benutzung des kosmographischenRhythmus gedichtet ist, der nach Strecker(Neues Archiv 34, 641) vor 738 von St. Gallennach Oberitalien gekommen sein muß.