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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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198 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

später im Jahre 689 in Rom aufhielt, soll er für den kurz zuvor dortgestorbenen angelsächsischen König Caedwealha die noch erhaltene Grab-schrift gedichtet haben, die Beda und Paulus Diaconus für würdig befanden,sie in ihre Geschichtswerke aufzunehmen.

Zeugnisse. Ueber das Leben des Erzbischofs Benedictes Crispus vgl. Muratori,Anecd. 1, 229 und Acta SS. Mart. 2, 84; daselbst p. 84 C nach dem Missale Mediol. zum11. März Benedicti episcopi et confessoria. Ueber seinen Streit mit dem Bistum Pavia s.Paul. diac. hist. Langob. 6, 29 p. 225 (Waitz). Die Ueberschrift des das Gedicht einleitendenBriefes (Collectio Salernitana . . . di S. de Renzi 1, 73) Crispi mediolmiensis dictconi ad mau-rum mantuensem praepositum in medicinae libellum praefatio, ob so in den Hss.? (vgl. Mai,Auct. class. 5, 391). Der Brief an Maurus bei Mai p. 391, Renzi p. 73 und MG. Ep. 3, 698N. 7. Hier heifit es Quia te, fili carissime Mawe, pene ab ipsis cwnabulis educcwi et septi-formis facundiae liberalitate ditcwi (Crispus hatte ihn also in den artes liberales unterrichtet),unum tibi deest, auod adhuc in annis virentibus constitutum ingratum semper habere voluisti,hoc est ffratae peritiam medicinae per omnia parvipendens . . . nunc autem quia valitudi-mim (!) variarum saepius in te dominatnr enormitas, cogis ipsam eandem artium amplificanperitiam . . . Exigis ergo a me ut te ruriculam faciam, herbarum medicinalium virtute»edoceam (also nach dem Titel über medicinalis des Serenus) ... Ergo qtiod probatissimmn habeo,succincta supputationeperstrinxi. Ueber das Epitaph des Caedwealha s. Iohannes de Deis,Successores S. Barnabae p. 23b Benedictus eins epitaphium composuit, vgl. Gregorovius,Gesch. der Stadt Rom im Mittelalter 3 2, 180. Beda hist. eccl. 5, 7, Paul. diac. hist. Langob. 6,15.

Das medizinische Gedicht. Eine eigentliche Aufschrift fehlt, viel-leicht war sie nach dem Katalog von Urbino vor 1482 (Giorn. stör. d.arch. Tose. 7, 142) N. 482 Crispi Mediolanensis medicinalis über. Die Sub-skription in dem einen der Vaticani (s. Mai p. 402, Renzi p. 87) ergibtden Titel nicht, es heißt dort Crispi Mediolanensis diaconi ad MaurumMantuensem praepositum carmen explicit. Sed profecto Crispus iste nequepoeta est nee versificator bonus, quippe qui non ex lege metrorum sed adsuarum auriuni sonum versus composuit idest rhijihmum tantum. Telog scripsitPetrus Cenninus Florentiae MCCCCLXV1II XIII Kai. Novembris. DerVindob. gibt noch einen Nachvers (Renzi p. 87) Nos docet liaec Crispusmedicali munere plenvs. Das Gedicht richtet sich stark nach seinen Quellen;daß die Medicina Plinii und Q. Serenus vielfach benutzt werden, 1 ) hatRenzi in den Noten zu seiner Ausgabe (nach Ullrich) erwiesen. Allerdingsverkürzt Crispus ungemein, was er auch im Widmungsbriefe aussprichtet breviloquio in praesenti opusculo studens .. . ne si plura primitus in Osten-dendo retexero. pluralitas fastidium faciat, fastidium desiderium tollat ... utplurima quae restant ardentius atque diligentius assequaris. Aus den 62 Kapitelnund 1107 Versen des Serenus sind 26 Kapitel mit 241 Versen geworden.Neben seinen Quellen, zu denen der durch die Langobarden erhaltenelateinische Dioscorides hinzukommt (Choulant S.226. Handbuch d. Geschichted. Medizin, begr. von Th. Puschmann, 1, 630), hat Crispus wohl auch nochMittel aus der volkstümlichen Praxis angeführt. Daß ein solches Werkkein dichterisches genannt werden kann, darin hat der Abschreiber Petrusrecht, aber seine weitere Kritik ist nicht ganz berechtigt. ProsodischeFehler 2 ) laufen allerdings in Mehrzahl unter, aber doch nicht in Überzahl,und die meisten werden ohnehin durch die häufigen griechischen Namen,

') Sie werden auch genannt, 107 Pliniusid memorat quem seimus vera locutum und208 Hunc . . . pelli Asseruit Quintus veraratione Serenus; s. Choulant, Handb. d.Bücherkunde f. d. alt. Medizin 2 S. 226.

2 ) Der metrische Verstoß in Vs. 238 wird

1 durch Verbindung von spine ruccas (?) ge-hoben werden müssen. Die poetischen Li-zenzen der späteren Zeit begegnen natürlich.Die genuine Orthographie ist durch die spätenHss. wohl vielfach verwischt.