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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Glück wünscht. Am Anfang steht ein Gebet, das sich später großer Beliebt-heit erfreut hat (s. ed. Vollmer p. 232 app. crit.). Es folgen dann kurzeStücke von gleichfalls ernstem Inhalt (c. 2—8), die von einigen Kirchen-inschriften für Saragossa abgelöst werden. In dem einen der folgendenGedichte über die Beschwerden des Alters (c. 14) hat Eugenius, wie schonin c. 9, das Metrum variiert. In die Epitaphien c. 16—28 hat sich einabecedarischer Hymnus In pacem (c. 20) verirrt; c. 27 f. beziehen sich aufEugenius' Vater Nicolaus und c. 28 f. sind unter dem Namen von Eugenius'Bruder Euanthius gedichtet. Es folgen c. 30—34 kleine Stücke über natür-liche Dinge und c. 37—64 bringen wissenschaftliche Stoffe in die Formkurzer Schul gedichte; c. 39 f. wird Gulfila als Erfinder des gotischen Alpha-bets genannt und c. 41—64 sind meist dem Stoffe nach aus Isidors Ety-mologiae genommen. Auf einige Inschriften (65—69, auch 77—79) folgtein Gedicht mit Tmesis nach Lucilius, c. 71—76 behandeln Miscellanstoffe.Sentenzen, Sprichwörter u. dgl. werden c. 80—96 in Verse gebracht, undnach drei poetischen Briefen schließt die Sammlung mit einem drastischenGedicht über die Unbilden der Sommerhitze. Hierzu kommt noch einekleinere Sammlung von wohl meist unechten Stücken, 1 ) von denen eineAnzahl (c. 1—19) Hexastichen über christliche Tugenden darstellen, währendc. 29—47 aussehen wie Schulübungen, zu denen das Thema gestellt war.Der Inhalt dieser Gedichte ist nicht bedeutend: zieht man die üblicheRhetorik ab, so bleibt nicht viel übrig. Manche sind allerdings lebendiggeschrieben, besonders die Klagen über Alter und Krankheit. Aber siesind doch alle in dieser literarisch, besonders dichterisch so armen Zeitwichtige Zeugnisse für den Fortbetrieb lateinischer Dichtung auf heidnisch-christlicher Grundlage und sie haben zugleich für die Folgezeit eine gewisseBedeutung, da sich nämlich an sie im 8. und 9. Jahrhundert nicht wenigpoetische Literatur anknüpft. Aus der heidnischen Literatur lehnt sichEugenius namentlich an Vergil und Persius an, während er von den christ-lichen Vorgängern die Spanier Juvencus, Prudentius (und Sisebut), dieGallier Ausonius, Fortunat und Prosper und den Italiener Paulin von Nolakennt und benutzt; vielfältig wird Isidor verwendet, aus dessen Etymologiener in c. 39. 42—52 und 59—64 kleine Stücke in Verse umsetzt; s. ed. Vollmerp. 231—282 die Anmerkungen; ManitiusB,hein.Mus.44,549f., Wiener SB. 112,626 f. Bezüglich der Form verwendet Eugenius meist Distichen oder Hexa-meter, doch fehlt auch der jambische Senar und Dimeter nicht, desgleichender trochäische Dimeter. Außerdem wird der volkstümliche trochäischeTetrameter verwendet. Auch künstlichere Maße wie die sapphische Stropheund das ionische System fehlen nicht, s. Vollmer p. 443. 2 ) Doch wird diesemetrische Gewandtheit durch reichliche Verstöße gegen die Prosodie ent-stellt, vgl. 6, 11 ebrie; besonders willkürlich ist die Quantität der Eigen-namen, s. Vollmer p. 443. Proben: 5, 6 omnia mala propinquant et bonapraetervolant (troch. Tetrameter), 6, 8 et gressus poplite mutans et visio fallax.
') Gegen die Echtheit spricht vielleichtdie schlechte Prosodie, die Regelmäßigkeit derForm c. 1—19 und daß kein Vers von Iulianangeführt wird; cf. ed. Vollmer p. XL VI f.
2 ) Hierzu kommt die Epanalepsis, dieAkrostichis und die in c. 70 durchgeführteTmesis. Die selteneren Maße führt Iulian vonToledo in seiner Grammatik aus Eugenius an.