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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
wendet wird. Hingegen bietet Paris. 2773 nach J. Klein, Rhein. Mus. 31, 467an der Stelle dieser beiden Tristichen zwei Interpolationen, die auchvon Omont a. a. 0. S. 435 f. fälschlich abgedruckt sind. 1 ) Die Merkmaleder einzelnen Buchstaben sind nicht nur literarischen Quellen, sondern auchdem Gebrauche der Gegenwart entnommen, und daher stützen sich dieNachweisungen im Kommentar nicht selten auf die Bibel und auf Isidor,da hier das christliche Element zum Ausdruck kommt. So gewinnt manals Abfassungszeit die Mitte des 7. Jahrhunderts, d. h. eine Zeit, in der dieIren sich unter den nördlichen Völkern fast noch allein im Besitze vongriechischen und hebräischen Kenntnissen befanden, wie andere Dokumenteder irischen Literatur beweisen. Die Metrik und Prosodie weist nicht seltenVerstöße gegen den guten Gebrauch auf (s. Müller, Rhein. Mus. 22, 360. 362),obwohl der Dichter in seinem Kommentar zu D Vs. 10 p. 437 (prepositioseptima pars est in ordine octo partium orationis) und auch sonst im Gedichtwie in der Erklärung Kenntnis der alten Grammatiker erweist. — Viel-leicht ist das Gedicht, das wohl in der Schule benutzt wurde, von Aldhelmgekannt worden (Vs. 2 voce pelasga — Adh. aen. heptast. 5, 6 p. 258 Giles).
26. Berner Rätsel.
Unter dem Titel Questiones enigmatum rethoricae artis und ähnlichwird eine Sammlung von 62 (63) Rätseln überliefert, die aus je sechsrhythmischen Hexametern bestehen. Die Aufschrift — in der ältestenHs. fehlt sie — ist kaum die ursprüngliche, denn eine Hs. s. XI lehrt, daßdas Zweitälteste Dokument 8 ) des Werkes eine andere Aufschrift trug.Nämlich Berol. Meerm. 167 (V. Rose, Die lat. Hss. der Kgl. Bibl. zu Berlin1, 377) hat Enigmata in dei nomine Tallii und hiermit stimmt der Titelaus Reichenau 821 (B. 6, 332) et metrum Marci Catonis et aenigmata TülliiVielleicht ist diese Versteckaufschrift die ursprüngliche gewesen und dieandere daraus entstanden. Möglicherweise meint auch schon Aldhelm mitseinen Worten (p. 229 Giles) Sed et Aristoteles -philosophorum acerrimus per-plexa nihilominus aenigmata prosae locutionis facundia fultus argumentativdiese Rätsel, denn mit prosa bezeichnet man in der Zeit rhythmische Ge-dichte (vgl. De synodo Ticinensi 90 bei Waitz, SS. rer. Langob. p. 191 Scripsiper prosa ut oratiunculairi).*) Aus dem Reichenauer Titel ergibt sich auchdie von W.Meyer (Abhdl. d. bayer. Akad. 17,414) für das Original vonAV postulierte Nachbarschaft von Isidor, denn jene Hs. wird eröffnet mitrotarum i ) Über (= Isid. de nat. rerum).
Die Ueberlieferung besteht aus folgenden Hss.: Bern. 611 s.VIII f.73—78 (nicht voll-ständig); Lips. civ. I. 4. 74 s. X f. 15; Admunt. 277 s. XII f. 1—7; Vindob. 67 f. 168—170 (ingleicher Anordnung wie Admunt.); Vindob. 2285 s. XIV Berol. Meerm. 167 s. XI; 5 ) Paris.
') An erster Stelle das um fünf Verse er-weiterte Gedicht Anth. lat. 632 und an zweiterein Gedicht von acht Versen, das im Anfangvon Isid. Et. 1, 4, 12 abhängig ist.
2 ) Natürlich kann aber dieHs. von Reichen-au älter gewesen sein als Bern. 611.
3 ) Wahrscheinlicher ist allerdings, daßdie sog. Aen. Aristotelis aus Hieronymus ge-meint sind.
4 ) So nach Beckers Konjektur.
5 ) Mit Rätseln des Symphosius vermischt,wie im Paris. 5596.