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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Versus cuiusdam Scotti de alfabeto.

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Das Gedicht von 69 Hexametern besteht aus 23 Tristichen, 1 ) derenjedes ein Rätsel über einen Buchstaben des Alphabets darstellt. Der In-halt der Eätsel gibt meist die grammatische Bedeutung des Buchstabens, zu-weilen seinen paläographischen Wert und häufig seinen besonderen Gebrauchin der antiken und in der christlichen Welt; außerdem bietet er zuweileneinen Ausblick auf das griechische und hebräische Alphabet. Dieser letztereUmstand stimmt zu den Worten versus caiusdam Scoti, die sich als Über-schrift finden; so würde man zu einem Iren als Verfasser kommen. Vorallem wichtig aber ist, daß sich im Carnot. 55 hinter dem Gedicht einKommentar gefunden hat, der allerdings leider nur bis R reicht (heraus-gegeben von Omont, Bibl. de l'ec. des eh. 42,436440). Diese Erklärungbietet nämlich für manche Kennzeichen, die im Gedicht angegeben sind,den sicheren Fingerzeig, da der Stil des Gedichts so gedrungen ist, daßviele Stellen dunkel bleiben. Die Sicherheit, mit der diese Erklärungenvorgetragen werden nirgends ein fertur, ut ferunt usw. läßt daraufschließen, daß der Dichter selbst den Kommentar geschrieben hat. Aller-dings fehlt die Erklärung zu 19. 35 f. 42. 44 f., aber die Vorlage der Hs.konnte ja schon unvollständig sein. Das Gedicht selbst läßt eine nähereZeitbestimmung nicht zu, wohl aber der Kommentar, denn hier heißt eszu Vs. 20 (p. 438) si vero duplex GG scribitur siynificat Gregorium papam.Die Verbindung der Iren mit Papst Gregor I. durch Columban ist bekannt,und man kann daher wohl nur an diesen denken, zumal Vs. 30 (p. 439) er-klärt wird et Kartago est Metropolis Affricae, was doch nur vor oder baldnach der Einnahme durch die Araber gesagt werden konnte. Man ge-winnt somit als wahrscheinliche Abfassungszeit die erste Hälfte des 7. Jahr-hunderts 2 ) und die Buchstabenrätsel des Angelsachsen Eusebius würdendann eine Nachahmung unseres Gedichts zu bedeuten haben, wie ich auch(Gesch. d. christl. lat. Poesie 504 n. 2) angedeutet habe, daß Eusebius sichan das Gedicht anzulehnen scheint. Das Verständnis des Gedichts ist durchdie Auffindung des Kommentars in manchen Beziehungen erst möglich ge-worden, wie die Erklärungsversuche von L. Müller (Rhein. Mus. 20,368374)erweisen. Dieser machte S. 374 auch darauf aufmerksam, daß im Leid.Y und Z fehlen, ohne an eine Lücke zu denken. Doch ist letzteres un-richtig und bei einem Gedicht des 7. Jahrhunderts auch unmöglich, dabeide Buchstaben längst eingebürgert waren und Y sogar mit einer mystisch-allegorischen Erklärung 3 ) bedacht worden war. So gibt denn auch Brusell.die wirkliche Fortsetzung mit den zwei letzten Buchstaben (BaehrensVs. 6469), wo bei Y der auch sonst benutzte 4 ) Isidor (Et. 1, 3,4) ver-

') Jedenfalls in Anlehnung an die Rätseldes Symphosius, bei welchem aber, wie inder Berner Sammlung, Rätsel über Buchstabenfehlen. Vs. 6 könnte aus Symphos. 143 stam-men; über andre Anlehnungen vgl. M a n iti us,CSesch. d. christl. lat. Poesie S. 484 n. 2.

2 ) Bücheier,Rhein.Mus.36,340scheintdas Gedicht mehr in die Zeit des Eusebiusrücken zu wollen, was mit dem Kommentaraber nicht gut stimmt. Zu Vs. 8 bietet der

Kommentar p. 437 K litteram quae grece di-citur Kappet, apud Latinos vero cappa estquedam vestis quam clerici induere solent ma-xime pro phwia. Das Wort ist vor Isidor(Et. 19, 31, 3) nicht nachweisbar.

8 ) Vgl.Pers. 3,56f. Auson. 12,13,9 (Pei-per). Lud. sept. sap. 12, 6 (= Anth. lat. 632).Isid. Et. 1, 3, 4.

4 ) So gehen die Merkmale von T Vs.55ff.auf Et. 1, 3, 6 zurück.