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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Ubro rotarum, und Isidors Werk heißt tatsächlich oft in den Hss. Überrotarum (s. zu Isidor und Aufschrift von St. Wandrille s. IX bei Becker 7.63eiusdem rotarum ad Sisebutum regem). Dagegen zeigt sich in Sisebuts er-haltenen Briefen (MG. Ep. 3, 662—690), die besonders an Bischöfe gerichtetsind, nichts von wissenschaftlichem Sinn, wohl aber tritt die geistlichePhrase stark hervor und im ersten (p. 662 n. 2) fällt die romanische Färbungdes Latein auf, sowie der spanische Betacismus (obis = ovis etc.); in demBriefe an Teudila, den der König zur Mönchwerdung beglückwünscht, istein kleines Gedicht angehängt, dessen Vs. 1 Drac. laud. dei 1, 130 in derFassung des Eugenius ist (Auct. ant. 14, 29).
Das Gedicht besteht aus 61 ziemlich gut gebauten Hexametern undist erst von G. Goetz (Ind. schol. hib. Jen. 1887/1888 p. V—VIII) durch Be-nutzung des Escuria). R II 18 in seiner ursprünglichen Gestalt veröffent-licht worden; die früheren Ausgaben (Anth. lat. 483; Baehrens PLM. 5, 357)stützten sich besonders auf die schon interpolierten Hss. Bamberg. H.I. IV, 15s. VIII und Colon. 83 II s.VIII. Es handelt über Sonnen- und Mondfinster-nisse. Sisebut vermutet, daß Isidor Gedichte verfasse, während er selbstmit den Sorgen und Geschäften der Regierung überhäuft sei, und eherwerde der träge Elephant den Adler oder die Schildkröte den flüchtigenHund überholen, als er ein Gedicht über den taufließenden Mond verfertigenkönnen. Mit Abscheu wendet er sich dann von den abergläubischen Vor-stellungen des Volkes und gibt Isidor auf seine Fragen Bescheid.
Das Gedicht wurde frühzeitig verbreitet, Aldhelm (op. ed. Giles p.232, 5) zitiert Vs.2;der Grammatiker Clemens Scottus führt zwei Verse (11 f.) unter dem richtigen Namen desDichters an, s. L.Müller, Rhein. Mus. 22, 87, und im Glossar des Vatic. 1469 s. X heißt esülud in prologo sesebuti ad ysidorum unter Anführung von Vs. 59; diese Worte sehen soaus, als ob das erhaltene Gedicht nur ein Prolog sein solle, und möglich ist es, daß wirnur einen Teil des Ganzen besitzen. Ueber Hss. und Ausgaben s. oben.
Von Sisebut hat sich außer fünf Briefen auch ein Leben des Bischofs
Desiderius von Vienne erhalten, wie der verlorne Cod. Ovetensis angab
(a Sisebuto rege composita). Daß diese Angabe echt ist, wies Krusch
(SS. rer. Merov. 3,622 f.) aus der Gleichheit des Stils mit dem Briefe an
Cäsarius (Ep. 3, 665) und an Adaloaldus (Ep. 3,671) nach.
Der alte Ovetensis wird dem Bischof Pelayo (1097 konsekriert) zugeschrieben, s. Morales,Espaiia sagrada 38,368; von ihm existieren nur einige späte Abschriften, z. B. Matrit. F 58s. XVII, Tolet.27. 24 und Escurial. blll 14 s. XVI. Ausgaben: Espana sagr. 7, 337—346;Migne 80, 377. SS. rer. Merov. 3, 630—637. Eine Stelle in dem Werke erinnert, wie derneueste Herausg. notiert (c. 13 p. 634, 14), an einen Vergilvers, so daß hieraus die Be-kanntschaft Sisebuts mit der altern Poesie hervorgeht, wie auch einige Stellen in demGedichte dartun.
24. Rhythmen im Anschluß an Isidor.
Im Anschluß an Isidors Synonyma, in denen der gleiche Gedankehäufig dreimal oder viermal mit verwandten Wörtern ausgedrückt ist, hatein unbekannter Autor, vielleicht ein Spanier, 1 ) zwei rhythmische Gedichte
') Denn in der Form vergleichen sichmit ihnen manche Gedichte aus der spani-schen Anthologie im Paris. 8093 s. VIII f. 15bis 16 und 24. Außerdem ist es möglich, daß
das Gedicht des Verecundus in der Exhor-tatio wie im Lamentum benutzt wird, s. Ma-nitius, Gesch. d. christl. lat. Poesie S. 417n. 1. 3 und S. 419 und n. 3.