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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Luxeuil. Seinen Mönchen schrieb er eine Regel und verfaßte in Luxeuilauch ein Pönitentiale oder Bußbuch, die er beide mit den rigorosen Vor-schriften x ) ausstattete, wie sie in seiner irischen Heimat galten. Aber dergallische Klerus ließ die irische Kolonie nicht unangefochten, da sie nachheimischer Sitte das Osterfest abweichend von der durch den neunzehn-jährigen Kanon des Victorius vorgeschriebnen Zeit feierte. 2 ) Wir wissennicht, wie die Rechtfertigung an Gregor I. durch die Kurie aufgenommenwurde, jedenfalls wiederholten sich die Klagen. Aber erst zwanzig Jahrenach ihrer Ankunft (610) wurden die wenig beliebten, doch im Geruchbesonderer Heiligkeit stehenden Iren vertrieben, da sie sich bei Brunhildeund ihrem Enkel Theuderich mißliebig gemacht hatten. Man brachte sieerst nach Besancon, und als ihnen dort die Flucht geglückt war, nachNantes. Indes mit Hilfe eines Seesturms entkamen die Iren auch hier undwandten sich von da durch das Frankenreich nach Bregenz. Im Jahre 612ging aber Austrasien an Theuderich über, deswegen zog Columban insLangobardenreich, wo er von Agilulf und Theudelinde gut aufgenommenwurde und eine Schrift gegen die Arianer verfaßte. Und um die letztenReste dieser Häretiker in Italien zu vernichten, stiftete er 614 das KlosterBobbio. Dort scheint Columban, der schon in hohem Alter stand, nochliterarisch tätig gewesen zu sein, wie aus seinem Gedicht an Fedoliushervorgeht, das er im Alter von zweiundsiebzig Jahren schrieb. Und dortist er am 23. November 615 gestorben. Sein neues Kloster aber entwickeltesich bald zu einem Hauptsitz der Wissenschaften, da die irischen Mönche,von denen es nun vielfach aufgesucht wurde, ihre heimische Bildung undihren Bildungstrieb dahin mitbrachten.

Zeugnisse: Darstellung von Eug. Martin, Saint Columban, 1905; s. Rev. crit. 39N. 47. 0. Seebass, Prot. Realenzykl. 3 4, 242 ff. v. Hefele, Wetzer u. Weites Kirchenlexikon3, 677683. Zum Geburtsjahr und zur Abkunft s. Seebass, PRE. 4, 242 und besondersHauck a. a. 0. I 3 , 600 f. Ist er 543 geboren, so müßte das Gedicht an Fedolius noch imTodesjahr verfaßt sein (Vs. 163 in Ep. 3, 188 Nunc ad olympiadis ter senos venimus annos). 3 )Zur Ausbildung: Ionae vitae Columbani (geschrieben ca. 641) 1, 3 (SS. rer. Merov. 4, 68, 3)in pueritiae aetate pubiscens liberalium litterarum doctrinis et grammaticorum studüs ingeniocapaci dare coepit laborem, quem per omnem pueritiae vel aduliscentiae tempus exercens us-que ad virilem aetatem uberi intentione defixit. Bei dem Iren Sinilis lernte er die kirch-lichen Wissenschaften, Vita 1,3 p. 69, 14 Quem . . . omnium dicinarum scripturarum studüsinbuit.*) Eintritt ins Kloster (über die Zeit s. Greith, Gesch. d. aitirischen Kirche S. 269.271): Vita 1, 4 p. 69, 27 ad monasterium cuius vocabulum est Benechor petiit, in quo presulvirtutum ubertate cluebat b. Commogellus ; dort langer Aufenthalt p. 70, 8 Peractis itaque an-norum multorum in monasterio circulis coepit peregrinationem desklcrare. Zur Reise Co-lumbans s.Vita 1, 46; daselbst 6 p.72, 12 (fälschlich wird Sigibert genannt, s. adn. 3) dieAufnahme beim König gratus regis(\) et aulicis ob egregiae doctrinae copiam redditus. Stif-tung von Annegray ib. p. 73, 22, von Luxeuil 10 p. 76, 1 ff. Die Regel (Regula s. Columbanlabbatis) hrsg. von Seebass, Ztschr. f. Kirchengesch. 15, 366 und (Regula coenobialis fratrumHibernensium in zwei Rezensionen) daselbst 17, 218; das Pönitential hrsg. von Seebass

x ) Vgl. A. H a u c k, Kirchengesch. Deutsch-lands 1\ 268271. 279; über ihr schnellesEingehen s. S. 307 ff.

2 ) Vgl. Hauck a. a. O. S. 279 ff.

3 ) Abkunft aus Leinster s. Vita Columb.1, 3 (SS. rer. Merov. 4, 69, 12) Relicto ergo na-tali solo, quem Lagenorum terram incolae nun-cupant.

4 ) Hier verfaßte er vielleicht seine Psal-menerklärung, p. 69, 23 ut intra aduliscen-

tiae aetatem detentus psalmorum librum eli-mato sermone exponeret. Das Werk ist ver-loren, es fand sich s. IX in St. Gallen (Becker22, 229) Expositio sancü Columbani superomnes psalmos) und s. X XI in Bobbio (B.32,216 libros sancti Columbani in psalmos II)-Uebrigens hat Sigebert Script, eccl. 60 fürseinen Bericht über Columban die Worte derVita 1. 3 verwertet.