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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

noch in Metrik von Forfcunat wesentlich ab, ihre Sprache zeigt sogarBerührungspunkte mit dessen sonstigen Gedichten; die meisten sind imjambischen Dimeter geschrieben. Und Gr. M. Dreves hat kürzlich nach-zuweisen gesucht, daß Spur. 1 (Marienlob), 7 (Weihnachtslied) und 8 (Marien-lied) echt fortunatisch sind, nur daß der Dichter an Spur. 1 nicht die letzteHand hat anlegen können (Hymnolog. Studien zu Ven. Fortunatus undßabanus Maurus, München 1908, S. 154). Doch ist K. Strecker, Zeitschr.f. dtsch. Altert. Anzeiger 33, 4451 dieser Ansicht nicht beigetreten.Nur streifen können wir hier die Prosa Fortunats, da sie nicht in denBereich unsrer Darstellung gehört. In verhältnismäßig einfachem Stilschrieb Fortunat einige Heiligenleben, die Vita Albini auf Veranlassung desBischofs Domitian (f wohl vor 572), die Vita und Virtutes Hilarii gewidmetdem Bischof Pascentius von Poitiers noch vor 573, die Vita Marcelli, ver-anlaßt durch den 576 gestorbenen Bischof Germanus von Paris, die VitaGermani (f 576) und die Vita Radegundis (f 587), jedenfalls nicht langenach beider Tode, außerdem die Vita Paterni Abrincensis und die VitaMedardi Suessionensis;*) vgl. W. Meyer S. 23; herausgegeben von Br. Krusch,Auct. ant. 4, 2. In die Gedichtsammlung sind mehrere Briefe und unterdiesen zwei theologische kurze Abhandlungen aufgenommen worden, dieletzteren jedenfalls ohne den Willen Fortunats, denn sie stehen mit seinerDichtung in keinerlei Zusammenhang. Nämlich bei den Prosastücken derfrüheren Bücher ist zu bemerken, daß 5, 1 ein literarischer Brief ist undin 5, 6 (auch 5) die Prosa nur das Gedicht einführen soll; hingegen stellen3, 1. 2 (an Eufronius von Tours) und 4 (an Felix von Nantes) gewöhnlicheBriefe dar. Aber 10, 1 ist eine weitschweifige Auslegung des Paternoster,während 11, 1 eine Auslegung des Glaubensbekenntnisses 2 ) bietet. Beidesgehört natürlich nicht in die Umgebung, wenn sich auch an 10, 1 nochdrei weitere Prosabriefe (2 an Salutaris, 3 und 4 ohne die vielleicht ab-sichtlich unterdrückten Namen und Titel) anschließen. Diese Briefprosavon Fortunat ist der Sitte der Zeit gemäß ungemein geschraubt und ge-künstelt in ihrem Stil und unnatürlich und gesucht in ihrem Wortschatz;Beispiel: 5, 1, 6 (p. 102, 19) Quid loquar de perihodis epichirematibus enthy-memis syllogismisque perplexis? quo laborat quadrus Maro, quo rotundusCicero.*) quod apud Mos est profundum, hie profluum, quod illic difficiüimum,hie in prompt u: comperi paucis punetis, quoniam quo volueris colae pampinosaediffundis propagines, quod vero libuerit acuti commaüs falce sueeidis, ut cautivinitoris studio moderante nee in hoc luxurians germinet-umbra fastidium etilluc tensa placeat propago cum fruetu.

Endlich ist noch zu erwähnen, daß man früher die Stücke Vita Mart. 4, 372386.404425 sowie Carm. 1, 16 (und das Dittochaeon des Prudentius) einem Dichter Amoenusbeilegte. Daß dieser aus der Literaturgeschichte zu streichen ist, wies ich nach Ztschr. f.d. österr. Gymu. 37, 401 f.

Die Hypothese von Nisard (Rev. hist. 37, 4857), daß die Gedichte Carm. 8, 4 undApp. 1 und 3 von Radegunde verfaßt seien, ist abgewiesen worden von W. Lippert, Ztschr.

') Die übrigen ihm beigelegten Heiligen-leben sind von unsicherer Verfasserschaft.Gregor von Tours spricht In glor. conf. 44(p. 775, 26 ff.) von einer Vita Severiani, dieaber verloren ist.

2 ) Ist nur ein Exzerpt aus Rufin (Migne21, 335).

3 ) Man beachte die trochäischen Rhyth-men.