Druckschrift 
1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
Seite
178
Einzelbild herunterladen
 

178 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

sehr erweitern lassen. 1 ) Doch erhellt jetzt schon, daß Fortunat nichtwenige der früheren Dichter genau kannte und für seine eignen Versereichlich benutzt hat. Ein wirkliches Zitat gibt er allerdings nur ausHoraz 5, 6 p. 113, 27 venit in meutern letargico dictum Flacci Pindarici (ArsP. 9. 10); den Paulinus von Perigueux, den er sehr stark benutzt hat(Zeitschr. f. österr. Gymn. 37, 253 f.), erwähnt er außer an obiger Stelle nurVita Mart. 2, 469 Versibus intonuit Paxdinus deinde beatus.

Vita Martini. Sie ist verfaßt zwischen 573 und 576, denn das Vor-wort p. 293 richtet sich an Gregorius papa und 4, 637 heißt es von Parisquam modo Germanus regit (gest. 28. Mai 576). Zu den Nachrichten obenkommt Paulus hist. Lang. 2, 13 p. 95 Hie beati Martini vitam quattuor inlibris heroico versu contexuit. Fortunat sagt selbst p. 293, 18, daß er dasWerk verfaßt habe in hoc ter bimenstri spatio . . . inter frivulas oecupationes.Das Epos ist der Radegunde und Agnes gewidmet, wie ein kurzes Gedichtin Distichen besagt, das vorangestellt ist. Der Dichter vergleicht sich hiermit dem unerfahrenen Schiffer, der sich aufs hohe Meer gewagt habe undnun für seinen Leichtsinn die Strafe empfange; 2 ) er erfülle mit demGedicht ein Gelübde, aber er habe sich zuviel zugetraut und müsse ohnedie Fürbitten der Radegunde und Agnes Schiffbruch erleiden. Das Eposgibt sich als eine gewandte Umdichtung der Schriften des Sulpicius Severusüber den heiligen Martin und besitzt nur am Anfang und Schluß Partienvon persönlichem Gepräge. Im Eingang nämlich nennt Fortunat eine An-zahl Vorgänger im christlichen Epos (s. oben) und geht dann kurz aufseine eigne, für einen solchen Stoff zu geringe Vorbildung ein. Buch 1führt die Erzählung bis Sulp. V. Mart. 18, 3, Buch 2 bis zum Schluß diesesWerkchens, Buch 3 beginnt mit Dial. 2, 1 und schließt mit 13, Buch 4 er-zählt nach Dial. 3, 1 bis 17. Von 4, 629 an verwendet Fortunat in ge-schickter Weise die Anrede des Sulpicius an sein Buch 3, 17, 2ff., indemer das Epos seine Reise von Ravenna nach Tours in umgekehrter Rich-tung machen läßt, wie schon oben erwähnt ist. Neben Sulpicius ist aberunausgesetzt das Epos des Paulinus über den heiligen Martin benutzt worden.was um so näher lag, als ja auch dieses nur eine poetische Paraphraseder Schriften des Sulpicius war. Allerdings schließt die sachliche AnlehnungFortunats mit dem Ende des fünften Buches von Paulin, da dieser ja imsechsten Buche eine andere Quelle verwertet hat. Im allgemeinen liestsich das Werk Fortunats ganz gut, es begegnen allerdings erhebliche Über-treibungen und die Wunder des Heiligen werden wennmöglich noch wunder-barer ausgemalt. Doch ist das Gedicht ein nicht unverächtliches Zeugnisder Dichtung des 6. Jahrhundei'ts.

Portleben, Handschriften usw. Die Dichtungen Fortunats haben auf die späterenJahrhunderte großen Einfluß ausgeübt. Schon Gregor von Tours führt De glor. mart. 41

') Ich bemerke hier: 1,19,4 = Avian. 4,4. [ guio torrens ist der Prolog der Lex Salica

2, 9, 58 = Dist.Cat. 1, 27, 2 (2, 2, 8 Dist. Cat. und die Vita Eligii auet. Audoeno 1, 14 (tor-

1,26,2). 8, 7,7 = Erweiterungsvers zu Anthol. ' rens ptdeher et inelytus) zu vergleichen,

lat. 257, 2; benutzt ist Anth. 257, 2 in 4, 11, | 2 ) Die Stelle ist nach Dracont. rapt. Hei.

10. 8, 9, 3 Paulini Nol. C. 15, 1. Spur. 1, 159 ' 384393 gearbeitet; Vs. 388 aus diesem Ge-

das Schlangenverzeichnis aus Lucan. 9, 707; ' dicht wird auch C. 11, 25, 23 benutzt,vgl. 8, 3, 195. Mit 4, 17, 7 und Spur. 1, 7 Ein-