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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Venantius Fortunatus. ^77

ist bedeutend, er greift nebenbei auch zu volkstümlichen Ausdrücken, wieer auch gern in den Formen Volkstümliches bietet; gelegentlich verschmähter auch nicht ein keltisches Wort anzubringen (1, 9, 9f.; 7, 8, 64). J ) Sofinden sich auch in seiner Sprache gallische Provinzialismen und es würdewahrscheinlich davon bedeutend mehr zu verzeichnen sein, wenn nicht dieausschließlich erst aus karolingischer Zeit stammenden Hss. das meisteverwischt und Sprache wie Orthographie 2 ) geglättet hätten; denn es istkaum möglich, daß man so im Ausgang des 6. Jahrhunderts in Gallienschrieb, wie die Hss. überliefern. Sehr beliebt ist bei Fortunat das Wort-spiel, 3 ) ferner die asyndetische Häufung von Worten, aber zu einer stehendenForm ist bei ihm die Alliteration geworden, die er manchmal in störenderWeise verwendet; vgl. hierzu den Index I von Leo, Manitius, Gesch. d. christl.lat. Poesie S. 469 f., Meyer S. 4, Teuffei § 491, 10. Daß Fortunat Griechischgekonnt habe, wird durch nichts erwiesen; 4 ) die Stellen, an denen er vongriechischer Literatur spricht, sind lediglich Aufzählungen von Namen(8,1, 3 f.; ausgedehnter 7, 12, 2527. daselbst Vs. 11 f. Aiax in clipeo murusAchaeuswohl nachOvid). Und so wird auch dieAxifforderunganFlavus7,18,18aut magis Ärgolico fange canora sopho (besonders im Verein mit Vs. 16 und 17)mehr eine gelehrte Anspielung sein; solche finden sich besonders in demBrief an Felix von Nantes (3, 4 p. 52, 13. 23f. 53, 4 (vgl. Mart. Oap. 1, 17p. 8, 25) 16). 5 ) Viel wichtiger ist die Frage nach den Kenntnissen Fortunatsin der lateinischen Literatur. Sie sind ziemlich ausgedehnte und erstreckensich besonders auf die heidnischen und christlichen Dichter. 6 ) Die ersterennennt er zuweilen mit großer Verehrung, von den christlichen bietet erVita Mart. 1, 1425 einen chronologisch nicht genauen Katalog; er nenntJuvencus, Sedulius, Orientius, Prudentius, Paulinus (vonPerigueux), 7 ) Aratorund Alcimus (Avitus); ein zweiter Katalog und zwar von christlichenProsaikern (mit Einschluß des Sedulius) steht 8, 1, 5460. Benutzung desHoraz wies nach M. Hertz, Anal, ad hist. Horat. 5, 22 f., des Vergil, Ovidund Horaz A.Schneider, Lesefrüchte aus Ven. Fort. S.1623; eine größereZusammenstellung aus den heidnischen und christlichen Dichtern gab ichMon. Germ. Hist. Auct. antiq. 4, 2, 132 ff., Nachträge Zeitschr. f. d. österr.Gymn. 37, 241 und Wiener SB. 117, 12, 6 n.l, ferner Rhein. Mus. 1891S. 493. Einiges weitere aus Horaz und Vergil gab Elss a. a. 0. S. 74. Dochsind in diesen Untersuchungen erst die Anfänge gemacht, sie dürften sich

') 7, 18, 19 fordert er den Flavus aufjbarbara fraxineis pingatur rhuna tabellls'.Siehe H. Elss a. a. 0. S. 16.

' 2 ) Die wirkliche Orthographie vielleichtfür App. 34 in MGH. Epist. Merow. et Karol.aevi 1, 128 N. 14 aus Vat. Pal. 869 s. IX.

s ) Vgl. A. Schneider, Lesefrüchte ausVenantius Fortunatus. Innsbruck 1882, S. 10 f.

4 ) Denn die Erwähnung von vier griechi-schen Worten in dem Briefe an Gregor vorder Vita Martini (ed. Leo p. 293, 3) deutetnur auf eine Reminiszenz aus der Schule.Siehe auch H. Elss a. a. 0. S. 15.

6 ) Vgl. hiermit besonders 5, 1, 7 (p. 102,29 f. (nam Plato Aristoteles Chrys/ppus vel

Pittacus cum mihi vix opinione noti sint.

6 ) 3,18, 13 f. zeiht er den Bischof Berte-chramnus des Plagiats aus der früheren Poesie.

7 ) Möglich ist, daß er Paulin von Nolamit dem obigen verwechselt, wie auch Gregorvon Tours Lib. 1 de virt. S. Mart. c. 2 (p. 586,28. 587,1 f.) und In glor. conf. 108 (p. 818,8 f.)getan hat. Dieselbe Verwechslung findet sichim 9. Jahrh. im Katalog von Murbach und im12. Jahrh. in dem von Cluni (vgl. Manitius,Philol. a. alt. Biblkat. S. 128 f.). Genannt wirdsein Werk außerdem nur noch in Lorsch, Bob-bio und St. Gallen; so waren Hss. im Mittel-alter selten wie heute (s. ed. P e t s c h e n i gp. 2-8).

Handbuch der klass. Altertumswissenschaft. IX, 2.