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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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172 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Dichters mit Fürsten, Großen und Bischöfen, an deren Erneuerung undPflege ihm viel liegen mußte. Daher floß seine poetische Ader jetzt umso reichlicher. So verfaßte er in Hinsicht auf einen von Byzanz geschenktenTeil des hl. Kreuzes seine nachmals so berühmt gewordenen Hymnen undandere Kreuzgedichte und schrieb für liadegunde die schönen Gedichte anAmalafrid und Artachis; 1 ) er dichtete für eine Menge Verstorbener Grab-schriften, unter' denen die menschlich schöne auf Vilithuta so hervorragt.Ein anderes tief empfundenes Gedicht verfaßte er auf den Tod der unglück-lichen Gelesuintha, die er auf ihrem Brautzuge bei Poitiers (568) nichtlange vorher gesehen hatte. Unausgesetzt aber sandte er poetische Briefean den hohen Klerus des Frankenreiches 2 ) und mit keinem dieser Bischöfewar er enger verbunden als mit Gregor von Tours (seit 573), der ihn so-wohl ersuchte, seine Gedichte zu sammeln, als auch bat, nicht nur Sul-picius Severus' Schriften über den hl. Martin poetisch zu gestalten, 3 )sondern auch seine eignen vier Bücher De virtutibus S. Martini in Verseumzugießen. Der Verkehr zwischen beiden Männern bezüglich des hl. Martinscheint sehr rege gewesen zu sein, denn Fortunat hat dem Gregor ver-schiedene mündliche Mitteilungen über den Heiligen gemacht, die derBischof von Tours jedenfalls wahrheitsgetreu wiedergab. 4 ) Später sehenwir den Dichter wieder öfters in Verkehr mit der königlichen Familie.So trug er 580 auf der Synode von Brinnaco ein Lobgedicht auf Chil-perich und Fredegunde vor, und als damals die beiden Söhne des Königs-paares starben, widmete er den Eltern ein ausführliches Trostgedicht, denVerstorbenen aber Grabschriften, und zum nächsten Osterfest bat er dieEltern in einem weiteren Gedicht, sich der Lebensfreude wieder hinzugeben.Der Tod Eadegundens im Jahre 587 kurz vorher oder nachher mußauch Agnes gestorben sein scheint dem Dichter mehr Gelegenheit zumReisen gegeben zu haben. So finden wir ihn 588 am austrasischen Hofauf einer Moselreise begriffen, die er sehr hübsch besingt. Später ge-schriebene Gedichte lassen sich aber nur noch wenige fest datieren; dasletzte ist im Jahre 591 geschrieben und besingt die Bischofsweihe desPlato, der damals in Poitiers erhoben wurde. Und mit dieser Stadt ver-binden den Fortunat auch die letzten, allerdings nur mittelbaren Nach-richten, die wir über sein Leben haben. Nämlich nach dem Tode Piatosist er in Poitiers Bischof geworden, wie von verschiedenen Seiten bezeugtwird. Gedichte aus dieser spätesten Zeit seines Lebens haben sich nichtmehr erhalten und bald nach 600 wird Fortunat gestorben sein. Als Paulusdiaconus zwischen 782 und 786 an das Grab in Poitiers kam, wurde ervom Abte Aper gebeten, eine Grabschrift auf den Dichter zu verfassen,da eine solche fehlte.

Zeugnisse über sein Leben. Der volle Name in den Hss., s. Leos Ausg. S. 7app. crit. Zur Heimat: Vita Mart. 4, 665 qua mea Tarvisiis resh/et; 668 et am/cos Duplave-

') Die Ansicht von Ch. Nisard (Le poete I 11, 25. 26.Fortunat, Paris 1890), daß beide Gedichte von i 3 ) Die poetische Vorrede ist allerdings

Radegunde verfaßt seien, ist abzuweisen, s.W. Lippert, Ztschr. f. thür. Gesch. u. Altert.N. F. 7, 16 ff.

2 ) Auf Reisen spielt er an 3, 26. 3. 28, 3.

an Agnes und Radegunde gerichtet, aber daswirkliche Verhältnis ist kaum zweifelhaft.

4 ) Lib. I de virtutibus S. Martini c. 1315(ed. Krusch p. 597).