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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Venantius Fortunatus. yj\

griffen wurden, salbten sie sich ihre Augen mit dem Lampenöl vom Altardes hl. Martinus in der Kirche zu St. Paulus und Johannes in Ravennaund wurden von dem Übel befreit. Später verließ Fortunat Italien imJahre 565, also kurz vor dem Langobardeneinfall, und begab sich nachGallien, wohl um dort sein Glück zu machen und das Grab des hl. Martinin Tours aufzusuchen. Auf seiner Reise, die ihn über die Alpen führte,berührte er dann den Inn, den Lech und die Donau 1 ) und nahm Aufenthaltin Mainz, wo er den Bischof Sidonius besang. In Köln widmete er demBischof Carentinus ein Lobgedicht, in Trier erlebte er den Tod des vonihm kurz vorher besungenen Bischofs Nicetius (566) und den Amtsantrittdes Nachfolgers Magnericus. Später fuhr er auf der Mosel nach Metz, woihn Bischof Vilicus zu Danke verpflichtete. Hier widmete er dem KönigSigibert im Frühjahr 566 bei seiner Hochzeit mit der Westgotin Bruni-childis ein längeres Hochzeitsgedicht, wie er auch den kurz darauf erfolgtenÜbertritt der arianischen Königin zum katholischen Glauben besang.Desgleichen feierte er die austrasischen Großen Gogo, Conda, Mummolenusund Lupus in Metz. Von dort begab er sich über Verdun (Lob des BischofsAgericus) nach Reims, wo er den Bischof Aegidius feierte, und dann viel-leicht über Soissons (Gedicht auf den hl. Medardus) in das neustrische ReichChariberts nach Paris. Hier besang er den Charibert und dichtete sogarauf den Garten von dessen Tante Ultrogotho. Zugleich aber widmete erdem Pariser Klerus unter Bischof Germanus und seiner Kirche dichterischeLobeserhebungen. Von Paris gelangte Fortunat dann endlich nach Tours,wobei er vielleicht über Sens zu Wasser reiste und hier die erste An-knüpfung mit dem Klerus der Stadt gewann, die später zu einem abseitsvon der Sammlung seiner Poesien erhaltenen Gedichte führte, das er aufeine Stiftung der Theuclechildis machte. In Tours besang er den BischofEufronius und als er von da nach Poitiers kam, lernte er dort im Früh-jahr 567 Chlotars I. Witwe Radegunde, die Tochter des letzten Thüringer-königs Berthacharius, kennen, die sich in ein Kloster zurückgezogen hatteund bald nach Fortunats Ankunft ihre Pflegetochter Agnes zur Äbtissindes Klosters weihen ließ; für diese Feier verfaßte Fortunat, der mit denbeiden Damen sehr bald befreundet wurde, ein großes Festgedicht (8, 3),das vom Dichter selbst vorgelesen wurde. 2 )

Hier in Poitiers, wo er bis zum Tode seiner beiden Freundinnenblieb (587), erwartete ihn eine Fülle von Arbeiten, da er der literarischeBerater und Beistand seiner Gönnerinnen wurde. Und hatte er in dieserBeziehung schon ein reiches Arbeitsfeld, so mußte er sich den zwei Damengar oft durch Gedichte dankbar erweisen, denn sie versahen den Fein-schmecker 3 ) und gern im Wohlleben weilenden Fortunat mit allen nurerdenklichen Dingen, die ihnen weibliche Sorgsamkeit in die Hand gab.Und hierzu kommen die bisher erwähnten vielfachen Anknüpfungen des

J ) Vgl. Carm. 1, 15, 75 f. | inde cibis. Dies ist außer Isid. Et. 20, 1, 1

2 ) Das Stück ist besonders dadurch wich- die einzige Erwähnung des Apicius aus spätertig, daß es Vs. 131 - 174 einen Heiligenkata- Zeit Im eigentlichen Mittelalter kenne ichlog enthält. nur noch die Erwähnung bei Odo von Cluni

3 ) Vgl. 7, 2, 3 Turefltms Cicero, tunonter ' in den Occupationes (ed. Swoboda) 3, 375.Apicius extas; Hinc satias verbis, pascis et |