Arator. 157
^standen haben, denn ein Lehrer Johannes an der Fuldaer Klosterschule stellt es in einemGedicht den Werken Vergils gegenüber und stellt es diesen sogar voran wegen seineschristlichen Inhalts (PL. 1, 392).') Dies Lobgedicht auf Arator stammt wohl noch aus karo-liugischer Zeit und steht im Cod. Mus. Brit. Addit. 11034 s. IX—X (auch Cantabrig. Gg. 5,35 f. 127 s.Xl) und ist auch hrsg. von Endlicher. Catal. cod. phil. bibl.Vindob. 284. Wandal-bert von Prüm stellt Arator neben Iuvencus (PL. 2. 575, 23), Verse werden daraus angeführtin den Exempla diversorum auctorum und von Micon (PL. 3. 781), sowie in der SyllogeLauresham. 65 (de Rossi, Inscr. christ. urb. Romae 2. 1, 110). Der Verfasser der Vita Leude-garii nennt das Werk Prol. 11 (PL. 3, 5). Bertharius von Montecassino führt 43 Verse deseisten Buches im Sermo de S. Mathia an (PL. 3. 390 n. 15). Auch die karolingischen Gram-matiker zitieren Verse aus dem Gedicht, S.Wiener SB. 112, 623 n. 1 und Hagen Anecd.Helv. 265 adn. Vor allem aber tritt Arators Bedeutung klar hervor aus der sehr häufigenErwähnung in alten Katalogen seit dem 8. Jahrh.. s. Manitius, Rhein. Mus. 47 Erg. 141—144,wo sein Werk (mit meinen späteren Ergänzungen) in 79 Bibliotheken genannt wird; invielen dieser Verzeichnisse wird das Werk öfter erwähnt (Cluni sieben, Canterbury St. Augustinsieben usw.). Auffällig tritt bei diesen Erwähnungen Italien zurück, noch mehr Spanien.Eine zusammenhängende Erklärung zu Arator muß spätestens im 12. Jahrh. geschriebenworden sein, denn es finden sich damals mehrfach Glossen erwähnt, was natürlich nichtausschließt, daß die Erklärung älter ist. Höchst wahrscheinlich ist diese in Frankreichgeschrieben worden, da sie dort am meisten verbreitet ist. Einen Fingerzeig gibt das Ver-zeichnis von Limoges s. XII (Delisle, Le cab. 2. 498 ff), wo es N. 294 heißt Focas superAratorem. Ist die Aufschrift richtig und nicht Focas. super Aratorem zu lesen, so kannes sich hier nicht um den Grammatiker handeln, der schon von Priscian zitiert wird, sondernman müßte an einen späteren Phocas denken. Vielleicht aber ist der Name Pbocas mitRemigius verwechselt, denn nach E. K. Rand, Johannes Scottus S. 97 stehen im Trevir.1093 s. XI Glossen zu Arator, die auf Remigius zurückgehen könnten. Außerdem wirddie Erklärung angeführt s. XII in Cluni (Delisle 2, 459 ff.) 320 et glossae libri Arratorls,in St. Amand (ib. 2, 449 ff.) 119 Glossae super Aratorem, in Marseille (Melanges bist. 1, 662)156 et glosule super Aratorem, 1247 in Glastonbury (Joh. Glaston. ed Hearne 2, 442) GlosaeAratoris; vielleicht ist auch hierher zu rechnen Toul s. XI (B. 68, 182) Arator cum quibus-dam glossis, es ist aber keineswegs sicher, daß diese glosae zu Arator gehörten. Es istdanach anzunehmen, daß das Werk nicht allzufrüh für den Unterricht benutzt wordenist, denn auch aus Hraban de instit. cleric. 3, 18 (Migne 107, 396) geht eine solcheBenutzung nicht unbedingt hervor. Sie wird erst für s. XII durch die Accessus ad poetasim Monac. 19474 und 19475 und durch Konrad von Hirschau im Dial. sup. auct. p. 46—48erwiesen, wozu die Berichte des Trierer Domscholasticus Winricus (Jahrbuch der Alter-tumsfreunde im Rheinlande 50, 236) Vs. 109 sowie etwas später des Eberhardus Aleman-nicus im Laborintus 3, 58 f. (s. Gottlieb, üeber mittelalt. Bibliotheken S. 445), des Hugo vonTrimberg im Registrum mult. auct. 2, 380. 417—436 (ed. Huemer, Wiener SB. 116, 170 ff.)und der Gesta abbat. Horti S. Mariae 17 (MG. SS. 23, 583) kommen. Außerdem seien ge-nannt als Leser oder Benutzer Arators Theodulf (Carm. CXLV, 13), Ermenrich (ed. Dümmlerp. 10 und 21), Hrabanus de rer. nat. 4, 1 und 17, 7, Heriger in Gesta episc. Leod. 3, der Ver-fasser des Liber de unitate ecclesiae 2, 22 und der Vita Godefridi com. Capenberg. 12 (MG.SS. 12, 528), sowie Roger Baco im Compend. stud. phil. (ed. Brewer p. 457), Roger de Ho-veden Chron. 1. 4 (ed. Stubbs p. 227) und der Verfasser der Bataille de VII ars (Rutebeufed. Jubinal 2, 427). Man sieht aus alledem, daß Arator das Mittelalter hindurch in hohemAnsehen blieb und lange für den Unterricht benutzt wurde. Von den Bibliotheken aber, indenen Arator vorhanden war, gehörten, neben den Büchersammlungen der Bistümer, beiweitem die meisten zu den Benediktinerklöstern; in den Stiftungen der Zisterzienser, Prämon-stratenser und der Bettelorden fehlt der Dichter fast ganz, wie ja diese überhaupt die klas-sische und poetische Literatur nur ganz sporadisch aufweisen; bemerkenswert in dieser Be-ziehung ist der Vergleich der vier im J. 1347 aufgenommenen Verzeichnisse von Regens-burger Klöstern, hrsg. von Manitius, Zentralbl. f. Biblw. 20, 5—15. 89—100. So habe ichauch in den großen päpstlichen Sammlungen s. XIV — XV Arator nur an einer Stelle ent-decken können, nämlich bei Sixtus IV. (Müntz et Fabre, La bibl. du Vatican etc. 225). —Hss.: Paris. 9347 und 18555 s. IX, 17905 s. X. Aurelian. 295 s. X, 80 s. X—XI. Catalaun.fonds anc. 8 s. XL Gratianopol. 859 s. XII. Dresd. A 199 und A 205 s. X. Vindob. 243 s. XI,275 s. XII und XL; Vat. Reg. 300 s. X—XI. Einsidl. 302 s. X. Sangall. 336 s. XL Mit alt-hochd. Glossen im Trevir. 1464, Francof. 139, Vadian. 336, Monac. 19451 und Vat. Pal. 1716s. X — XI (Schätzung der Hss. erst in der neuen Ausgabe zu erwarten). Hauptausgabe:J.H. Arntzen, Zutphan. 1769; Abdruck bei Migne 68, 63. ed. A. Huebner, Nissae 1853. —G. Leimbach, Theol. Studien u. Kritiken 46, 225—270. Ebert 1, 514. Manitius, Gesch. d.christl. lat. Poesie 366—376. L. M. Hartmann, Geschichte Italiens im Mittelalter 1, 191 f.
') Vs. 11 Nos ad Aratoris nertamus corde, Tlialiam.