168 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
20. Corippus.
Flavius Cresconius Corippus war Lehrer in einer kleinen Stadt Afrikas,vielleicht in der Nähe Karthagos, und scheint dort begütert gewesen zusein. In seine Mannesjahre fiel der Krieg der Oströmer gegen das Vandalen-reich und die Herrschaft des Maurenkönigs Antalas sowie die Empörungdes Stutza. Es kam dann zu der großen Maurenempörung, mit derenNiederwerfung Justinian den Mag. mil. per. Afr. Johannes beauftragte, diedieser in den Jahren 546—548 auch glücklich durchführte. An diesenWirren in seinem Vaterlande scheint Corippus regen Anteil genommen zuhaben, denn er schrieb über diese Kriege und besonders über die glänzendenTaten des Johannes ein Epos in acht Büchern kurz nach den Ereignissen549 oder 550. Er gewann dadurch die Gunst des Siegers wie des PraefectusPraet. Athanasius. und diese scheinen ihn. nachdem er sein Werk öffent-lich zu Karthago vorgetragen, an den Hof empfohlen zu haben. Denn inder letzten Zeit Justinians und beim Regierungsanfang des Justinus Minorbefand sich der Dichter im Besitz eines Hofamtes zu Konstantinopel, wasfür ihn um so wichtiger war, als ihm während eines neuen Maurenkriegessein heimisches Besitztum abhanden gekommen zu sein scheint. Um diesemÜbelstande abzuhelfen, schrieb er in den ersten Jahren der Regierung desKaisers Justinus Minor ein Lobgedicht auf diesen. Die ersten drei Bücher,welche die ersten acht Tage von Justins Regierung seit seiner Thron-besteigung (14. November 565) behandeln, scheint der Dichter in denersten hierauf folgenden Monaten geschrieben zu haben, herausgegebenaber wurden sie nicht vor Ende 566, da Iust. I, 60 f. nicht früher ge-schrieben werden konnte. Mit dem Werke verband Corippus ein kurzesGedicht an den Quaestor sacri palatii Anastasius; er legt diesem seinEpos und besonders die Bitte an den Kaiser um Unterstützung ansHerz. Das vierte nicht vollständig erhaltene oder unfertig gebliebeneBuch ist wahrscheinlich nicht viel später entstanden. Da der Dichtersich an früheren Stellen als Greis bezeichnet, so ist er vielleicht über derVollendung gestorben, ehe noch der große Ansturm der Langobarden aufdas Römerreich begann.
Zeugnisse etc. Der volle Name nur im verlorenen Budensis (Cuspinianus, De Cae-saribus et Imperatoribus p. 216 (1540) ,Fl. Cresconius Corippus'): Cresconius hieß er im Ca-sinensis, s. Manitius, Philologisches aus alten Bibliothekskatalogen S. 146; Corippus Afri-canus gramaticus steht in der Aufschrift zu Buch 1 und 3 zu In laud. Iustini im Matritensis,s. Partsch p. 117. 137; Petschenig S. 164. 191. Sein Besitz wird angezeigt in Laud. Iust.praef. 43 Kudatns proprüs et plurimu vulnera passus ad medicnm veni. Ausführliche Dar-stellung der kriegerischen Ereignisse bei Partsch p. V — XXXVIII. Die frühere Identifizie-rung mit Cresconius Africanus episcopus (Concordia canonnm a Cresconio Africano episcopodigesta) ist von Partsch p. XLIlIf. endgültig abgewiesen worden. Die Zeit der lohannisergibt sich aus der Praefatio des Werkes und aus 1, 9—13. Lob des Athanasius loh. 4,232 ff. 7, 199 ff. Der Vortrag der lohannis ergibt sich aus loh. praef. 26 und 39, das Hof-amt aus Anast. 47 f. und Iust. 4, 142—190, wo aber die nähere Bezeichnung in der n^tcbVs. 172 durch Mommsen konstatierten Lücke stand. Das Lebensalter des Dichters zurZeit des Epos auf Justinus in Anast. 48 und Iust. praef. 37. Sein Mißgeschick Iust. praef.41.43. Die Empfehlung des Werkes an Anastasius in Anast. 44 f. Zeitbestimmung für diedrei ersten Bücher nach Foggini und Partsch fp. XL VI). Iust. 1,60 f. bezieht sich aufdie Hinrichtung des Aetherius und Abdius, die nach Theophanes (ed. Classen) 1, 373 imzweiten Jahre Justins erfolgte. Zum Greisenalter des Dichters Anast. 48 fessae misereresenectae und Iust. praef. 37 sen/'o dexiram, pie, porrige fesso.