162 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
nach dem Inhalte aber proklitisch ist. Das geistliche Lob läßt den Dichterin dem Hymnus überhaupt nicht zur Erwähnung persönlicher Umständekommen (nur mit Ausnahme von (N) 14, 1 f.), um so reichlicher quillt derRuhm und Preis des Heiligen. Die Verse innerhalb der Strophen habensämtlich Assonanz, die sich zuweilen zu zweisilbigem Reim erhöht, s. StropheC. D. H. N. Griechische Worte finden sich im Anfang von A: Audite pantesta erga. Ein Abecedarius mit gebrochenen Versen ist der Hymnus auf denCamelacus N. 10 Hymnum sancti Camelaci in zwölf trochäischen Fünfzehn-silbern, die aber geteilt sind und so einen Abecedarius bilden (statt YZstehen PIC). Aus Achtsilbern besteht N. 11, eine Collecta von der Sekundebis zur Matutin. Dagegen weisen die Versicuü familiae Benchuir Sieben-silber mit trochäischem Schluß auf, die in zehn Strophen zu je vier Versengestellt sind und überschlagenden, zweisilbigen Reim besitzen (s. W.Meyera. a. 0. S. 96f.); zudem aber gehen alle Verse auf a aus. Wir finden hieralso eine ähnliche Erscheinung wie in Augustins Gedicht gegen die Donatistenund in Commodians Instruktionen, zugleich aber kräftig hörbaren Reim.Der Inhalt bezieht sich auf Lobeserhebungen gegenüber dem Kloster undseiner Regel. 1 ) Inhaltlich wichtig ist das letzte Stück Memoria abbatumnostrorum, das ein kurzes Abtsverzeichnis in Versen enthält und vonComgall bis Cronanus reicht. Das Gedicht ist sehr regelmäßig gebaut,indem von seinen aus Achtsilbern bestehenden sechs Strophen die ersteund letzte je acht, die übrigen je sechs Verse besitzen und 1 und 6 auf «,2—5 auf um und us reimen. Es werden im ganzen fünfzehn Äbte genannt,deren Namen allerdings nur mit schmückenden Beiwörtern aufgezählt werden,von Cronanus heißt es 5, 3 Christo nunc sedet supremus Hymnos canens quin-decimus, Zoen ut carpat Cronanus, Conservet eum dominus. Hieraus ergibtsich, daß dieser Rhythmus zur Lebenszeit Cronans gedichtet worden ist, 2 )und die Hs. fällt also nicht sehr viel später als die Niederschrift desRhythmus. Außerdem enthält die Sammlung einige Antiphonen und Gebete.
Ausgaben: Muratori, Anecdota ex Ambros. bibl. codicibus 4,127—159; F. E. Warren,The Antiphonary of Bangor, London 1893—1895. — Vgl. Ebert 1, 621 f. Manitius, Gesch.d. Christi, lat. Poesie S. 482 ff.
19. Arator.
Arator stammt wahrscheinlich aus Ligurien. Sein Vater hatte wohldie öffentliche Laufbahn ergriffen und sich als Redner wie durch Kennt-nisse in der Literatur ausgezeichnet. Vielleicht war er später nach Mailandgezogen, denn nach seinem frühzeitigen Tode nahm sich der MailänderBischof Laurentius des Knaben an. Er sandte ihn in die Schule desDeuterius und außerdem gewann der Knabe an dem Mailänder PriesterEnnodius einen väterlichen Freund und Lehrer. Mit dessen Erhebung aufden Bischofsstuhl zu Pavia (513) hängt vielleicht die Übersiedelung Aratorsnach Ravenna, dem Sitze der ostgotischen Herrschaft, zusammen. Arator
') Uebersetzt ist das Stück bei Greith, Hs. (besonders bezüglich der Namen) gab A.Gesch. d altirischen Kirche S. 249 f. Peyron a. a. O. S. 225 f.
-) Verbesserungen zum Texte aus der