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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

ist es möglich, daß das Gedicht aus der Umgebung des Verecundus stammt.aber mit ihm selbst hat es nichts zu tun. Der Dichter nimmt Vs. 825den Mund etwas voll, bleibt aber bei dem Vs. 17 begonnenen Bilde, indem er das Irdische auf das Himmlische überträgt. Das Gedicht enthält406 Verse und setzt der im Eingang erzählten Weltschöpfung eine Schilderungdes Weltgerichts entgegen, die ziemlich ausführlich behandelt wird unddurch eine Episode über das Paradies (Vs. 193268) eine anziehende Ab-wechslung erhält; 1 ) besonders kräftig ist die Ausmalung der höllischenQualen, die mehrfach an die Hamartigenie des Prudentius erinnert, auchtinden sich Berührungen in dem Gedichte mit Commodian.

Hinsichtlich der Form steht das Gedicht prosodisch auf sehr tieferStufe, eine ganze Menge Verse sind rhythmisch gebildeten Hexameternähnlich. 2 ) Und hiermit kommt auch die übermäßige Anwendung desTiradenreims überein, 3 ) der sich ebenso wie bei Commodian aufdrängt.

Hss. s. oben. Ausgaben: Tertull. ed. (Dehler 2,776 ff.; ed. minor p. 1185 ff.. KritischeAusgabe: Cypriani op. ed. Hartel 3,308325. Vgl. Manitius, Gesch. d. christl. lat.Poesie S. 344-348.

17. Hisperica famina und Verwandtes.

Im südwestlichen Britannien ist wahrscheinlich in der anderen Hälftedes 6. Jahrhunderts ein Werk mäßigen Umfangs, die sog. Hisperica famina,entstanden, welches in einer Art Geheimsprache geschrieben ist, die auchin einigen andern Denkmälern dieser Zeit wiederkehrt und auf die sichder Grammatiker Virgilius Maro beruft. Die Komposition dieses Werkesweist auf Anlehnung an eine Rezension der Hermeneumata Pseudodositheana,die vom ursprünglichen Werke das erste, zweite und zwölfte Buch umfaßt.Ein hiernach gearbeitetes Schulbuch mag die Vorlage für die Hisp. faminaabgegeben haben, die aber zugleich ein nach den Regeln des MartianusCapella angefertigtes Glossar enthielt. Nämlich hier wie dort finden wirdasselbe Schema. In den Hisp. famina treffen wir zuerst eine Vorrede(c. 15), die sich über das reine ausonisch-hisperisch-italische Latein ver-breitet. Der übrige Teil des Werkes enthält eine Art Enzyklopädie, in derc. 613 der Verlauf des Tages vom Morgen bis zum Abend mit den Be-schäftigungen einiger jungen Klosterschüler vorgeführt wird (genannt lexdiei), während c. 1417 von naturgeschichtlichen Dingen gehandelt wird;die Abschnitte sind hier De coelo, de muri, de igne, de fundo, de vento.Der Rest des Werkes handelt von allerlei Dingen (genannt de plurimis),nämlich von der Kleidung, vom Ranzen, der Schreibtafel, der Holzkirche,von einem Gebet um Schutz bei herbstlicher Seefahrt und endlich voneiner Geschichte (de gesta re), in der ein Kampf mit Räubern erzählt wird.Während in der Vorrede sich vielfach Lobsprüche auf die ungemein ver-schrobene Sprache finden, in der das Werk geschrieben ist, zeigen sichauch einige Ausfälle auf das Latein der Iren (Schotten), so daß man nicht

') Vs. 214 ist aus Cyprian. in genes. 59genommen; 246249 sehr ähnlich mit [Lact.]de phoen. 1520.

2 ) Vgl. Vs. 18 f. 34. 36. 40. 58 f. 135.

144 usw.

3 ) 114 auf as, 1519 auf o, 20«-25auf is usw. (292 ff. auf astis).