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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
und seine Ars unvollständig überliefert wird, so ist es sehr leicht möglich,daß wir hier das aus dem Zusammenhang gerissene Widmungsgedicht seinerArs vor uns haben, das hier mit einem anderen Bonifazexzerpt erscheint.
Metrik. Daß Bonifaz zu Nhutscelle Metrik lehrte, ergibt sich durchdie Aussage Luis ep. 98 p. 385, 11 Hanc itaque nuper metrice artis peritiämdomini nostri omnium generalis' meique specialis presulis venerandi Bonifacüsub magisterio didiceram und geht wohl auch aus der Grabschrift DomberchtsVs. 11 (PL.l, 20) Grammaticae studio metrorum legibus aptus in Verbindungmit Vs. 23ff. hervor. Es scheint, daß sich einige kurze Abschnitte seinermetrischen Diktate erhalten haben, denn im Vat. Pal. 1753 s. IX f. 114ab(die Schrift steht auch im Guelferbyt. Weissenburg. 86) finden sich dieÜberschriften Incipiunt caesurae versuum sancti 1 ) Bonifacü, De metris undQuare poetae, aufweiche f. 114ab und 116a kurze Traktate folgen, heraus-gegeben nach dem Guelf. von Heusinger, Mallius Theodorus p. 86, danachvon Gaisford, Script, lat. rei metr. p. 577 —585 und (zum Teil) aus demPalatinus von A. Wilmanns, Rhein. Mus. 23, 403. Wilmanns hat hierzunachgewiesen, daß der Eingang über die Akzente aus Isid. Et. 1, 26, 21—27und der Abschnitt De metris aus Et. 1,27,2f. und die f. 116a stehendeErklärung der Wörter poeta, carmen, versus etc. ebenfalls aus Isidor 2 )stammt; die kurzen Worte über die Cäsuren können aus Diomedes (Keil 1,497 f.,vgl. Iuliani ars ed. Rom. p. 49, 219 und Aldhelm ed. Giles p. 246 f.) genommensein, der von Bonifaz auch in der Grammatik benutzt wird. Man könnteaber auch an Aldhelms metrisches Werk als Vorlage denken. Soviel läßtsich aus den erhaltenen Resten erkennen, daß diese Diktate durchaus aufälteren Quellen fußen, und das von Wilmanns S.404 gerügte Mißverständnisgibt ein Bild von der Unsicherheit und Unselbständigkeit des Lehrers.
Gedichte. Die Rätsel haben im Mus. Brit. Kings libr. 15BXLX s. XIdie Aufschrift Inc. aenigmata Bonefatii episcopi quae misit sorori suae, andereHss. geben keine Aufschrift, nur Einsidl. 302 hat Inc. de virtutibus, ähnlichwie Sigebert de Script, eccl. 121 (p. 148 Mir.) Bonifacius episcopus scripsitmetrico stilo de virtutibus et vitiis. 3 ) Ursprünglich können beide Aufschriftenvereint gewesen sein, denn das Gedicht von 388 Versen besteht aus zwanzigRätseln über die Tugenden und Laster. Wie anderwärts ist Bonifaz auchhier von Aldhelm abhängig, und es ist anzunehmen, daß er dessen Werkeins Frankenreich mitgenommen hatte. Denn in jener Überschrift heißt esepiscopi und Vs. 323 heißt es von der Ignorantia: Ob quod semper amavitnie Germanica tellus, Rustica gens hominum Sclaforum et Scgthia dura. Da-nach kann das Gedicht erst nach 722 geschrieben sein und es ist sehrwohl möglich, daß die soror, der es gewidmet ist, Lioba war (s. Bock,Freib. Diözesanarchiv 3, 232; Hahn S. 136. Dümmler PL.l, lf.). Jedenfallsist Bonifaz durch Aldhelms Rätsel zu den seinigen angeregt worden undder Abschnitt De octo princ. vitiis von Aldhelms Gedicht De laudibus
*) Diese Bezeichnung würde dann ersteinem Abschreiber zuzurechnen sein.
2 ) Diese Stücke sind aus Et. 8, 7 undbesonders aus 1,28 genommen. Vielleicht hatBonifaz die sog. Ars Isidori benutzt.
3 ) Es ist danach anzunehmen, daß Sige-bert einer dem Einsidl. ähnlichen Ueberlief'e-rung folgt; der Anon. Mellicensis und dieanderen Literaturgeschichten schweigen.