142
Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
den heiligen Petrus aufzusuchen. 1 ) Nach vielen Gefahren langen sie inRom an. Dort stirbt einer von ihnen plötzlich, die beiden andern kehrenins Vaterland zurück und nehmen eine Menge von heiligen Büchern mit.Außerdem bringen sie viele kostbare Gewänder aus Seide 2 ) und Reliquienund kleine Bilder der Maria in die Heimat, die an der Brust aufgebundenwerden. Das Gedicht enthält nicht wenig griechische und sonstige seltene 3 )Wörter.
Sehr nahe verwandt mit diesem und wahrscheinlich auch von Aethil-wald ist das dem vorigen in der einzigen (?) Handschrift voranstehendeGedicht (Vindob. 751 s. IX f. 40; MG. Ep. 3, 240), das, wie Bradley (Engl,hist. rev. 15, 291) richtig erkannt hat, nicht an Aldhelm, sondern an einenHelmgisl gerichtet ist (Vs. 1 Lector casses catholicae atque obses athletice).Der Dichter erzählt hier, daß er in Cornwallis bei einem Freunde gewesensei und ihm versprochen habe, ein Gedicht über die Rückreise zu schicken.Er erzählt in anscheinend scherzhaftem Tone, daß sich bei der Rückkehrein furchtbarer Sturm erhoben habe und der Regen unaufhörlich zur Erdegeströmt sei. Alle Gestirne verfinsterten sich, nur Blitze erhellten die Nacht. 4 )Die ganze Natur geriet in Aufruhr und der Wind peitschte das Meer zuhohen Wogen. Beim ersten Morgengrauen geriet das Haus, 5 ) in das mansich gerettet, ins Wanken und stürzte auch alsbald ein, nachdem mandaraus geflohen war und sich in eine nahe Kirche gerettet hatte. DerGeburtstag des heiligen Paulus schützte vor weiterem Unglück. Am Schlußdankt der Dichter der Dreieinigkeit für seine Errettung. Das Gedicht istin verständlicherer, weil einfacherer Sprache geschrieben, als sie sonst beiAethilwald entgegentritt, und es ist daher möglich, dafä L. Traube (Karol.Dichtungen S. 130) recht behält, der es einem unbekannten Hymnista bei-legt; die gesuchten Ausdrücke und auch die griechischen Wörter fallen hierfast ganz weg, aber die Alliteration tritt stark hervor. — Ob auch ein fünftesGedicht dem Aethilwald zuzuschreiben ist, wie Bradley will, dürfte sehrzweifelhaft sein. Es ist ein Gebet von dreiundzwanzig Achtsilberpaaren undenthält die Bitte, Gott möge Krieg und Kampf fernhalten und Christi Feindezur ewigen Finsternis verdammen (MG. Ep. 3, 245 N. IV).
15. Bonifatius. Lul.
Es kann hier der Kürze wegen nur auf die wichtigsten Umstände imLeben des bedeutenden Mannes eingegangen werden und es sei in dieserBeziehung auf die vortreffliche Darstellung von Hauck 6 ) verwiesen, wo die
1 ) Von ähnlichen Romreisen berichtetBeda (ed. Giles 4, 364. 366. 368. 376) vonCeolfrid, der von seiner Reise ähnliche Gegen-stände mitbrachte.
2 ) Im Anschluß hieran wird Vs. 62—82das Leben der Seidenraupe (teilweise nachPlin. 11, 76 f.) und die Gewinnung der Seidebeschrieben.
3 ) Wie 72 araneamuscanea (Plin. 29,131).42 couterinus. 63 genimen. 74 filamen. 81 bla-vens. Archaismen 3 vorsibus. 25 vortices.
*) Astronomische Kenntnisse verratenVs. 32—45. Der Ursprung des Blitzes Vs. 49ist nach Isid. de nat. rer. 30 quod ex collisioneatque attritu nubium fulgtira generentur ge-geben.
6 ) An Aldhelms aen. tetrast. 14, 3 er-innert Vs. 86 En genestarum aprica frondo-■sarum velamina.
°) Kirchengeschichte Deutschlands 3 1,448—594.