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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Fortleben, Handschriften. Auf dem Werk De virginitate beruht Aldhelms Ruhmbei Mit- und Nachwelt, es wurde daher ziemlich häufig abgeschrieben und besonders dasGedicht in der Poesie der kaiolingisehen Periode stark benutzt (vgl. hierzu die Noten inden Poetae lat. aevi Carol. 14). TJeber die vielfache Nennung in alten Katalogens. Manitius, Phil. a. alt. Biblkat. S. 149 ff. (Nachtrag: Das Werk war in CanterburySt. Augustin sechsmal vorhanden); noch im 14. und 15. Jahrh. wird das Buch oft genannt.Hss.: Guelferbyt. 400 s. X. Oxon. Bodl. 97. Cambr. Corp. Chri. Coli. 326; das Gedicht allein:Goth. I, 75 s. VIII (angelsächsisch). Sangall. 242 >) und 263 s. X. Petrop. XIV F. 1 s. VIII.Turic. Ms. C. 59/274 s. IX. Vindob. 969 s. X. Vatic. reg. 329 s. X und 598 s. IX-X.

4. Rhythmisches, Briefe. Sicher hat sich Aldhelm auch mit rhyth-mischen Gedichten befaßt, denn Lul schreibt an Dealwin (Ep. 3, 338, 24)obsecro ut mihi Aldhelmi episcopi aüqua opuscula seu prosarum seit metrorummit rithmicorum dirigere digneris. Erhalten hat sich aber höchstens einsolches Gedicht, 2 ) das von recht unbedeutendem Inhalt ist. Es enthältnämlich stark aufgetragenes Lob auf einen hohen Herrn (König Aethilwaldvon Mercia?), mit dem Aldhelm in literarischem Verkehr stand. Der Dichterpreist des Fürsten Körper und Geist und empfiehlt ihn dem Schutze Gottes.Aus Vindob. 751 s. IX hrsg. MG. Ep. 3, 246 f. Aber auch dieses Gedichtwird von H. Bradley (Engl. hist. reviev 15, 291) dem Aldhelm abgesprochenund dem Aethilwald beigelegt, was allerdings nach der Überlieferung glaub-licher erscheint. Die Form dieser Rhythmen, von denen sich bei A. einwenn auch kurzes, doch sicheres Beispiel 3 ) zeigt, ist der jambische Aeht-silber, der vielleicht durch die Iren zu den Angelsachsen kam und beidiesen sehr viel zur Verwendung gekommen ist, nämlich bei Aethilwald.Bonifatius, Lul und einem unbekannten Dichter. Die Versbetonung geschiehtnach dem Wortakzent und die angelsächsischen Achtsilber sind so ein-gerichtet, daß je zwei ein Ganzes bilden, stark miteinander reimen undaußerdem noch kräftige Alliteration zeigen. 4 )

Von Aldhelms wohl sehr ausgebreitetem Briefwechsel hat sich nureinzelnes erhalten, so ein Brief an Bischof Haeddi, der über seine Studiensich verbreitet, ein weiterer an seinen Lehrer Hadrian. Ferner ein Briefan den Prinzen Eahfrid, 5 ) in dem Aldhelm dem jungen Mann die Pflichtendes Lehramts vor Augen führt, der soeben sechs Jahre auf der Insel Hyirischen Unterricht genossen hatte. In diesem Schreiben prunkt Aldhelmmehr als sonst mit griechischen Wörtern und er wendet gern alliterierendeVerbindungen an; den Beschluß macht ein kleiner Cento aus einem beiVirgilius Maro erwähnten Dichter 6 ) und aus Aldhelms eignem großen

: ) Das Schreibergedicht dieser Hs., dasvon Ehwald a. a. 0. S. 5 n. 3 abgedrucktwird, lehnt sich an die poetische Vorredevon Fortunats Vita Martini an; beide Ge-dichte verwenden Vers 1 dasselbe Bild mitdenselben Worten. Althochd. Glossen imSangall. 242 und 263, Wircib. th. f. 21, Guelf.Heimst. 365. Brem. b. 52, Monac. 23486 undim Vindob. 969 bezeugen die Wichtigkeit desWerkes für den Kontinent.

2 ) Traube, Karol. Dichtungen S. 130 f.hat es auf A. bezogen, was freilich erst durcheinige Textänderungen möglich gewesen ist.Nach Bradley ist der Adressat in den nichtmehr zu emendierenden Worten Vers 3 Have

hova altissime zu suchen (Offa?).

3 ) De virgin. c. 7 (p. 7, 8) ut non incon-venienter tarmine rythmico diciqueat: Christuspassus patibulo atque lati latibulo Virginemvirgo virgini commendabat tutamiiii.

4 ) Vgl. W.Meyer, SB. d. bayr. Ak. 1882,93 95

<) Der Brief fällt zwischen 668 und 690,s. H. Zimmer, Ztschr. f. d. Alt. 32, 202.

6 ) Die Stelle verbessert Traube, Herrn.24, 648. Im dritten Verse dieses Centos ver-mutet Traube (ib. 649) den vielleicht spä-testen Nachklang der Sage des ikarischenBockes (Maafi, Herrn. 18, 339 und Annal.Eratosth. p. 113).