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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Aldhelm von Malmesbury. Aethilwald. 139

abschweift. Die poetische Paraphrase war von A. gleich anfangs in Aus-sicht genommen, 1 ) wie er c. 60 p. 80, 16 ausspricht (die Stelle mag zugleichals Stilprobe dienen) sie identidem si hoc carneum animae ergastulum, ante-fatis, ut dicitur, crudescentibus cassabundvm non obierit ac dura Parcarumqities et ferreus leti somnuspalpebrarum convolatus non trieaverit, heroieishemmetrorum versibus eiusdem praecönium pudicitiae subtüiter comere Christoconoperante conabor et velut iactis iam rhetoricis fundamentis ac construetisjirosae parietibus cum tegulis trochaicis et dactilicis metrorum imbrieibus fir-missimum eulmen caelesti confisus suffragio imponam, und wie sich aus Vs. 45En promissa novo scribaMur carmina versu ergibt. Die Zusammengehörig-keit beider Teile geht auch aus Vs. 2867 ff. hervor Nunc in fine precorprosam, metrumque legentes Hoc opus ut euneti rimentur mente benigna . . .Quod geminum constat discretis forte libellis. Das Gedicht dient, wie auchdie Prosa, keinem ästhetischen Zwecke, sondern verfolgt lediglich homi-letisch-erbauliche Tendenzen. In einer interessanten Episode 13271391macht Aldhelm einen heftigen Ausfall gegen die antike Mythologie, wasin jener Zeit schon unter die Seltenheiten gehört; der alte Sagenstoff vonHerakles wird hier zum Mythus von Simson umgedeutet. 2 ) Die poetischeParaphrase, die sich eng an den Prosatext hält, aber leichter verständlichist als dieser, schließt mit Vs. 2445, doch hat A. noch eine Fortsetzunggedichtet, die in den Drucken fälschlich als eigenes Gedicht De octo princi-palibus vitiis erscheint. Daß es sich nur um eine Portsetzung handelt,geht ganz klar aus Vs. 2446 ff. und 28612867 hervor und ist von Ehwalda. a. 0. S. 47 zur Evidenz erwiesen worden. Hier führt A. aus, daß dieKeuschheit ohne den Kampf gegen die Hauptlaster nach Art des Pruden-tius in der Psychomachie nicht bestehen könne. Am Schlüsse dieserkulturhistorisch zuweilen interessanten Dichtung (vgl. Vs. 27902798 und28322848) bittet Aldhelm die Heiligen, sein Gedicht gegen böswilligeNeider und Feinde zu beschützen, und empfiehlt sich der Gnade Gottes.Daß die Kritik des Gedichts dasselbe ist bei der Prosa der Fallnoch sehr im argen liegt, hat R. Ehwald a. a. 0. S. 711 klar gezeigt undzugleich die Richtlinien für seine neue kritische Ausgabe Aldhelms gegeben.Bedeutsam sind bei A. die mannigfaltigsten sprachlichen Fragen; seinWortschatz macht Anleihen bei der in den Hisperica famina vertretenenkrausen Latinität und bei deD Glossaren, aus denen er mancherlei selteneAusdrücke holt. So hat seine Sprache manche Ähnlichkeit mit dem irischenLatein, ohne aber in dessen formale Unvollkommenheit zu geraten; gramma-tische Schulung und sichere Rechtschreibung gibt sich fast überall zu er-kennen. So fußt A. sprachlich stets auf einem gediegenen Grunde, wennauch seine Prosa wegen des ihr anhängenden Schwulstes und wegen dervielen sonderbaren Ausdrücke oft ungewöhnlich dunkel erscheint.

') Daß sie bald nach der Prosa ge- | C. 4, 86122 die biblischen Riesen mit den

schrieben ist, hatEhwald, Aldhelms Gedicht antiken Giganten gleichgestellt. Solche The-

De virginitate S. 2 f. sichergestellt, wo auch men werden später beliebt, z. B. bei Theo-

der alte Irrtum von der angeblichen Widmung i dulus und bei Eupolemius. Von der Be-

an eine Aebtissin Maxima beseitigt, wird; ' schäftigung mit der Mythologie rät A. auch

s. auch Bönhoff S. 112. seinem Schüler Wihtfrid ab in dem Briefe

*) So hatte auch schon Alcimus Avitus ed. Giles p. 337 f.