132 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
aus den drei immerhin abweichenden Hss. herzustellen ist, was durch den
alten Abdruck des Vat. in der römischen Ausgabe natürlich nicht geschehen
ist. Erst in einer Neuausgabe wird die ursprüngliche Anordnung, die durch
den Vat. schwer irritiert worden ist, und die genuine Form hervortreten. —
Die Ars selbst gibt teilweise weitläufige Erklärungen zu den beiden Artes
Donats und bedient sich dabei des Maximus Victorinus, Mallius Theodorus,
Pompeius, Audax und Isidorus. 1 ) Vielfach wird auf spanische Verhältnisse
Rücksicht genommen, 2 ) auch werden spanische Dichter wie Prudentius und
Eugenius von Toledo häufig angeführt, 3 ) desgleichen der Afrikaner Dracontius
in der Bearbeitung von Eugenius. Aber auch von den alten Dichtern finden
sich viel Stellen, einmal zeigt sich sogar selbständige Kenntnis Varros. 5 )
Die Ars hat katechetische Form, die von ihren Vorbildern Victorinus und
Audax stammt, und zwar fragt der Schüler den Lehrer; 6 ) diese Form hat
Aldhelm wenig später dem Julian entlehnt.
Nämlich schon nach zehn bis fünfzehn Iahren muf3 Julians Werk in England demAldhelm bekannt geworden sein, da er es in seiner Epistola ad Acirdum reichlich ver-wertet; 7 ) er muß ein vollständigeres Exemplar der Ars benutzt haben, als der Vaticanussie bietet (vgl. Manitius, Wiener SB. 112 S. 598 nach Aldh. ed.Giles 290, 6—8: die Exzerptevon Hagen aus Bern, lassen nicht erkennen, ob Bern, dort vollständig ist). Von späterer Be-nutzung außer mehrfachen Anklängen in der Ars des Smaragdus 8 ) ist nichts bekannt, undauch die Hss. gehen nicht über die karolingische Zeit hinaus: Vat. Pal. 1746 s. IX; Amplon.F10s.VIIi(-IX?); Bern. 207 s. IX—X; Bern. 123 s. X f. 117 a—128b (unvollständig). 9 ) Dieerste Hs. druckt ab mit allen Umstellungen F. de Lorenzana, S. Iuliani ep. Toletani arsgrammatica poetica et rhetorica etc., Romae 1797. Exzerpte aus Bern. 207 gab H. Hagen,Anecd. Helv. CCIV—CCXXXVIII. Abdruck und Vergleich vieler Stellen bei R. Hanow, DeIuliano Toletano (Jen. 1891) p. 7—42.
Vita Ildefonsi. Julian ergänzte den Schriftstellerkatalog des Ilde-fons, indem er das Leben dieses Bischofs hinzufügte. Er zeigt sich zwarüber die Schriften des Ildefons und über deren Einteilung sehr unterrichtet,weiß aber vom eigentlichen Leben seines Helden nur ganz wenig; heraus-gegeben von Miraeus, Bibl. eccl. 98 f. Daß Julian nach der Weise desEugenius und Ildefons auch Gedichte 10 ) geschrieben hat, vermerkt seinBiograph Felix (Migne 96, 449 B) c. 9 Item librum carminum diversorum inquo sunt hymtü, epitaphia atque de diversis causls epigrammata numerosa,und er fügt hinzu Item librum plurimarum epistolarum. Doch sind diesefür uns wichtigsten Werke verloren.
Die eigentlich theologischen Werke Julians bleiben hier unberührt,nur äie'Avuxec/A,sva seien erwähnt, die sich im Monac. 13581 s. IX f. 31 —105unter der Bezeichnung Quaestiones ex vetere et novo testamento finden. Ansie knüpft sich eine literarische Streitfrage. Die Mönche von Monte Cassinobesaßen nämlich ein Exemplar dieses Werkes (Casin. 187 s. IX), das AbtBertharius zu schreiben befohlen hatte; sie ließen aber später im ll.Jabi'-
) Vgl. Keil. GL. 5, 315.317, 21.318,13. | ') SieheManitius,WienerSB. 112,5971.
Hagen,AnecdLHelv.CCXXVII,5—10 M. R oger, L'enseignement etc. S. 328 n. 6
bestreitet das.
8 ) Vgl. Hagen, Anecd. Helv. CCXLVIapp. crit. 3 und 5.
9 ) Ohne Aufschrift: endet p. LXXXVI ed.Rom. mit et infinitivo mo ante pe.
10 ) Vielleicht enthält die spanische Antho-logie im Paris. 8093 s. VIII f. 15 f. und 24einiges von Julian.
(= ed. Rom. p. IC), CCXXII, 1—8 (= ed. Romp. LXVI).
3 ) Siehe Manitius, Wien. SB.112, 633 f.
4 ) Vgl. die Noten in Vollmers Ausg. Auct,ant. 14, 27 ff.
5 ) Ed. Rom. p. XXXIX = Keil. GL. 5324, 31.
6 ) Vgl. Keil, GL. 7, 320 ff.