Druckschrift 
1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
Entstehung
Seite
133
Einzelbild herunterladen
 

Der Liber glossarum. JQQ

hundert die hierauf bezügliche Notiz tilgen und setzten statt dessen einGedicht ein, dessen Wortlaut man ungefähr so deuten konnte, daßBerthar der Verfasser des Werkes sei. Das hat nämlich Leo von MonteCassino in seiner Chronik 1, 33 (MG. SS. 7, 602) angenommen, da er schreibtcuius et Anticemenon de plurimis tarn veteris quam novi testamenti questionibushie habetur. So wurde Berthar zum Verfasser eines Werkes gestempelt,das nach Julians Biographen Felix (ed. Miraeus, Bibl. eccl. p. 101) Itemlibrüm de contrariis quod graece ävTixeijuevcov voluit titulo adnotari und nachSamson von Cordova (Apologeticus 2, 27, 5 ed. Florez Espana sagrada 11, 512)Julianus in Antichimenon unstreitig auf Julian zurückgeht. Vgl. hierzuL.Traube PL. 3, 391 f. Wichtig ist endlich, daß die Grammatik Julians imLiber glossarum benutzt wurde, so daß die Entstehungszeit dieses für diespäteren Glossare so wichtigen Werkes unbedingt nach 690 anzusetzen ist,wie G. Goetz (Leipz. Abhdl. phil.hist. Kl. 13, 287 der Liber glossarum S. 77)bemerkt hat.

Ausgabe: Migne 96,453808. Garns, Die Kirchengeschichte von Spanien 2,2, 176 iF.Ebertl, 604 f. Ersch und Grüber II, 28, 258 f. (Külb). Wetzer-Welte, Kirchen-lexikon 6,1986 f. (SchrOdl).

13. Der Liber glossarum.

Die Glossenwerke gehören zwar nicht zur eigentlichen Literatur. Dasie aber großenteils auf Exzerpten aus den Autoren bestehen und sichdaher wichtige literarische Fragen an sie knüpfen, so sind sie hier kurzzu berühren. Die Glossensammlungen, die zu betrachten sind, unterscheidensich von früheren Werken dadurch, daß sie in gewisser Weise Enzyklopädiendarstellen, in die nicht nur antikes, sondern vornehmlich auch christlichesWissen in breiterer Weise Eingang fand, so daß sich in ihnen Cassiodorsenzyklopädisches Ideal fast verwirklichte. Ein solches Werk bietet der

Liber glossarum, dessen Zusammensetzung und Geschichte vonG. Goetz sorgfältig festgestellt wurde. 1 ) Nach ihm ist das Werk in Spanienum 750 entstanden. Sein Hauptbestandteil sind Exzerpte aus kirchlichenSchriftstellern, nämlich vor allem aus den Etymologien Isidors und ausdessen Buch über die Natur der Dinge, sowie aus den Kirchenvätern, zudenen sich Hilarius, Eucherius, Fulgentius und Junilius gesellen. Aus derweltlichen Literatur die Synonyma Ciceronis, Sammlungen von differentiae,darunter die Isidors, der Physiologus, Vergilglossen, Exzerpte aus Eutropund Orosius, Placidusglossen und Julian von Toledo; von Glossaren all-gemeiner Art sind sicher nur die Glossae abstrusa benutzt. 2 ) Daß derVerfasser des Liber glossarum Ansileubus geheißen habe, wie man frühermeist glaubte, ist nicht zu erweisen.

Das Werk hat für die späteren Zeiten eine große Bedeutung gehabt,da eine ganze Anzahl von Wörterbüchern aus dieser umfänglichen Arbeitihren Stoff geschöpft hat. Es wurde häufig abgeschrieben und man ver-anstaltete Auszüge daraus, die wieder mit andern Bestandteilen verbunden

') Besonders in Leipz. Abhdl. phil.hist. I 2 ) Ueber die Quellen im einzelnen vgl.

Kl. 13 (1893) 213-288. I Goetz a. a. O. S. 256282.