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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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128 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

über das Geschlecht einer Anzahl Substantiva, verbindet aber damit Fragenüber den Gebrauch des Numerus, über Orthographie, sowie über Formenund über frühere Bedeutung der Worte. Seinen Wert erhält es lediglichdadurch, daß es auf alter Gelehrsamkeit fußt und eine ganze Reihe vonsonst nicht bekannten Zitaten hauptsächlich aus der antiken und christ-lichen Poesie anführt. Seine Hauptquelle dürften nach den Untersuchungenvon H. Keil Exzerpte aus dem bis auf wenige Reste untergegangenenWerke von Flavius Caper de verbis dubiis sein, aus welchem es eine nichtgeringe Anzahl von Anführungen gerettet hat, die in dem unter demNamen Caper erhaltenen dürftigen Auszuge fast vollständig untergegangensind. Freilich scheint bei dieser abermaligen Verdünnung des ursprünglichsicher reichhaltigen Werkes von Caper in die Zitate öfters Verwirrunggekommen zu sein, wenn man nicht annehmen will, daß diese durch einenspäteren Abschreiber gekommen ist. Außerdem scheint der Verfasser demchristlichen Charakter seiner Zeit insofern entsprochen zu haben, als erwahrscheinlich eine Menge antiker Anführungen, die er in seiner Quellevorfand, durch Zitate aus der christlichen Poesie und Prosa ersetzte, wiedenn gleich seine erste Anführung aus einem Psalm stammt.

Zeugnisse. Die spanische Herkunft wird wohl dadurch erwiesen, daß die Haupt-zahl der Anführungen außer Vergil den Spaniern Iuvencus (30) und Prudentius (45) ent-nommen wurde und daß auch Isidor (p. 582, 19, aber nicht aus Et. 17, 4, 1 f.) angezogenwird; eine ziemliche Anzahl Zitate entstammt auch den Spanien benachbarten gallischenSchriftstellern Sulpicius Severus, Sidonius, Avitus, Dynamius und Fortunatus. Das Alterder Schrift wird annähernd durch das Zitat aus Isidor und dadurch bestimmt, daß unterden Anführungen aus christlichen Dichtern Eugenius von Toledo nicht erscheint, der sonstbei seiner großen Beliebtheit gewiß angeführt worden wäre, wenn der Verfasser nach ihmgeschrieben hätte. Ueber den Inhalt s. die Angaben bei Keil, GL. 5. 569. Daselbst p. 570über die fast gleichnamige Schrift Capers (Teuffei § 343, 3. Keil, GL. 7, 107) als Quelle,wo auch über die anderen Benutzer Capers gehandelt wird. Eigentümlich ist, daß in denalten Aufschriften nur die sog. Orthographia Gapri, nirgends De verbis dubiis genanntwird; den Adressaten dieser Orthographie Capri geben die Hss. nicht, wohl aber die Auf-schrift aus Glastonbury 1247 (Rhein. Mus. 47. Erg. S. 70) Liber Capri ad jEhicherium deorthographia. Vielleicht ist dieser Eucherius mit dem Bischof von Lyon, dem Korrespon-denten des Sidonius gleichzusetzen.

Die Schrift enthält eine Menge nur hier aufbewahrter Zitate aus der

altlateinischen und der gesamten späteren Poesie und Prosa z. B. aus Varro,

Cato, Volumnius, Bibaculus, Porcina, Cornelius Severus, Papirius Fabianus. 1 )

Macer, Melissus, Petronius u. a. Von diesen ist ein weiter Abstand zu

Ausonius und Symmachus, die neben Cyprian, Lactanz und Juvencus als

die frühesten Schriftsteller aus dem Spätlatein erscheinen; die drei Zitate

aus Ausonius (p. 579, 3. 582, 27 und 589, 6) beweisen übrigens, daß unsere

Überlieferung dieses Dichters nicht vollständig ist. Aber auch Claudian

p. 589, 3 und Juvencus 578, 1 und 592, 6 lassen sich nicht unterbringen,

ebenso je zwei Stellen aus Sulpicius Severus, Sidonius 2 ) und Avitus, und

eine aus Paulin von Nola. Die Stelle p. 584, 31 scheint einem Brief des

Avitus zu entstammen, p. 591, 3 aber ist einem Gedicht entnommen.

Nicht wenig Stellen sind hinsichtlich der Autoren unrichtig, s. z.B. p.572,

11; 576, 6; 587, 1. 10; 593,18. Aus einem verlorenen Gedicht des Dynamius

1 ) Vgl. aber die Note bei Keil, GL. 5, j s.VI in Spanien bekannt waren (Martin von-591. j Bracara), habe ich Gesch. d. christl. lat. Poesie

2 ) Daß die Gedichte des Sidonius schon | S. 410 nachgewiesen. Siehe oben S. 110.