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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Virgilius Maro. 123

betrieb nicht das Studium der älteren, überlieferten Grammatik, sondernman berät über die abgeschmacktesten Probleme, man versucht die kühnstenWeiterbildungen der Sprache, man gefällt sich in den wunderlichsten Formenund gerät dabei häufig auf das Vulgärlatein, man klügelt die sonderbarstenGeheimsprachen aus. Eine kleine Blütenlese wird das näher erläutern.Aeneas, der Vertrauensmann Virgils, gebrauchte ibo und eam als Futuravon eo (p. 60, 14ff.). Nach Virgil haben fünfzig Verba keinen Singular,wie vocitare, manche Verba auch keinen Plural wie pugülitare, (p. 60,19ff.);das Verbum resum fehlt in dieser Person, ebenso resumus, aber rees,reest, reerant sind zulässig (62, 15 ff.). Manche Verba werden auch er-weitert, wie man für lego legero-legerebam-legessi-legesseram sagen kann;manche können verkürzt werden, wie semo für semino (sempsi, semptussum) p. 66, 116. Das Adverb tum kann lokal gebraucht, tun heißen,con kann für Mite stehen, tuncon aber bedeutet soviel als tamquam (p. 68,17). Das Wort Magister kann adverbial für docte stehen; Formen wiefortiositer, comptose und felicter sind erlaubt, und ergo kann für sepe,tarnen für inde gebraucht werden (p. 70, 116). Die Präposition con stehtfür apud, apud für per und in, circum heißt in Zusammensetzungen stetscireun (p. 74, 2275, 3). Die Wörter können in ihre Buchstaben getrenntwerden, wie spes Romanorum perit geschrieben werden kann URR-SS-PP-MM- NT- EE-OO- A- V-J-; erweiterte Verbalformen wie navigabere fürnavlgare oder probaat für probat sind zulässig (p. 77, 12f. 78, 17ff.; hierzuStangl, Virgil. S. 51), auch kann nodo für dono, gelo für lego, rhei für heri,manas für amans gesagt werden (p. 78, 3279, 4). Merkwürdig ist dieNotiz p. 22, 11 ff. über die sechzehn griechischen Zeichen (mazoron) desTierkreises, deren zehn benannt werden (man, mah, tonte, piron vel dameth,perfellea, belgalic, margaleth, lutamiron, tamimon, raphalut). Wenig Anklangdürfte es auch finden, daß Virgil vier Geschlechter kennt, indem er dasgenus commune als Geschlecht rechnet und daß er lacus, laci, 1 ) laco, ferneracus, aci, aco in der männlichen Bedeutung dekliniert und lapes, pulves,eines als männlich, lapis, pulvis, cinis als weiblich gelten läßt, p. 31, 832, 3.Als der wunderlichste Auswuchs jener gelehrten Geheimniskrämerei abererscheint die Aufstellung von zwölf Arten Latein, 2 ) die an dem WortFeuer erläutert werden. Hier werden dem Wort ignis entgegengestellt:quoquihabin (quod incoeta coqnendi habeat ditionem), ardon (quod ardeat),calax (ex calore), spiridon (ex spiramine), rusin (de rubore), fragon (ex fra-gore flammae), fumaton (de fumö), ustrax (de urendo), vitius (qui pene mortuamembra suo vigore rivifleat), siluseus (quod de silice siliat), aeneon (de Aeneadeo qui in eo habitat, sive a quo elimentis flatus fertur), p. 5, 176, 18.

Von bekannten Quellen ließ sich, abgesehen von den oben erwähntenStellen aus Isidor, bisher nur der von Virgil p. 5, 14 selbst angeführteAsper 3 ) ausfindig machen, indem Stangl p. 28 die Worte p. 26, 12 qualitas

') Diese und andere Vulgärformen be- Goetz, Ber. über d.Verh.d.sächs. Ges. d.Wiss.

rührt Huemer, Wiener SB. 99, 554f. , 48, 90 f. (1896).

2 ) Virgil deutet nach dem angeblichen 3 ) Die Stelle lautet nach cod. A quem

Werke des Virgilius Assianus de duodeeim ' Äsperlus seetdus est, vgl. Stangl, Virgiliana

latinitatibus noch eine weitere solche Ge- , p. 28. Da Glengus, wie Virgil hier berichtet,

heimsprache an, p. 88, 2191, 2. Vgl. hierzu von Asperius benutzt wurde und des Glengus