122 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
giliiis tarnen Maro in suis clicit epistoJis. Die Zahl der Epitomae war XV,wie Virgil sagt p.121, 7 ego ipse in epitomis ter quinis numero und wiedie Aufschrift in P (oriuntur aepithomae XV, s. Huemer p. V) hat. 1 ) Un-richtig ist es, daß Huemer (Wiener SB. 99, 516 und n. 2) die Stelle überdie fünfzehn Briefe ad Fabianum p. 107, 5f. auf die Epitomae bezogen hat.Wenn nämlich eine Widmung der Epitomae erfolgt ist, so kann sie sichnicht auf eine, sondern nur auf eine Mehrheit von Personen bezogen haben,wie der Schluß des Werkes ergibt p. 92, 22 haec vobis, o sociales atqvediscentes, legum pat-ernarum libris .. . excerpta insinuasse sufficiat; vgl. p. 82.21a Donato, meo discente vestro municipe, liesterno rogatum anno. Vielleichtwar also die Widmung des Werkes an die Schüler des Verfassers gerichtet.Das Werk umfaßte fünfzehn Kapitel, ist aber nicht vollständig erhalten(Stangl p. 8—14), nämlich es sind nur zwölf ganz oder großenteils über-liefert und zwar I — XI und eines der folgenden; aus dem Epiloge aber p. 92,22—25 ist zu folgern, daß das letzte überlieferte Kapitel das Werk abschloßund XII — XIV verloren gegangen sind (Stangl p. 14). Die Aufschriften 2 ) sind:De sapientia, de littera, de syllabis, de metrorum compositione, de nomine, depronom,ine, de verbi qualitate, de accklentibus verbi sex aliis, de reliquis partibusorationis, de scinderatione fonorum, de cognationibus etimologiae aliquorumnominum (?)... de catalogo grammaticorum; vgl. M.Hertz, Ind. schol. aest.Wratisl. 1888 S. 6 f. und Stangl Virgiliana S. 8 ff. 58. Daß der Text lückenhafterhalten ist, beweisen zuweilen die Exzerpte karolingischer Grammatiker;auch der Schluß sieht lückenhaft aus, da sich nämlich p. 92, 22 —25 (haec-sufficiat) in keiner Weise an den vorausgehenden Bericht anzuschließen vermag.Sind die Kapitelaufschriften an sich und in ihrer Reihenfolge schonsonderbar genug, so ist der Leser über ihren Inhalt noch mehr erstaunt.Denn man darf hier keineswegs an eine mehr oder weniger treue Wieder-gabe der alten grammatischen Tradition denken, sondern man wird in einunbekanntes Reich grammatischer Wissenschaft versetzt, in welchem demLeser fast Hören und Sehen vergeht. Wohl erscheinen eine ganze ReiheDonate, auch ein Honoratus, und von sonstigen Schriftstellern werden zitiertCato und Catonius, Terrentius, Cicero, 3 ) Horatius, Propertius, Quintilian,Homer und drei Lucane (je einer in Arabien, Indien und Afrika), außerdemwahrscheinlich noch ein vierter, von welchem sehr viel angeführt wird.Aber das sind alles aus alter Zeit hergeholte Pseudonyme und gelten, fallsdie Träger dieser Namen wirklich gelebt haben, den Zeitgenossen Virgils;diese werden durch Namen wie Balapsidus, Aemerius, Siva, Sabatinus.Mitterius, Fassica, Iscenus, Falanges und Bregandus Lugenicus deutlicherbezeichnet, und man sieht, daß man sich hier in einer Gesellschaft befindet,die aus Römern und Germanen gemischt ist. Diese Gesellschaft — obman sie in Toulouse zu suchen hat, steht gar nicht fest — besteht wohlmeist aus Zeitgenossen Virgils, denn fast alle Arbeiten der einzelnen Mit-glieder gehen, wie Virgils Werk selbst, auf ganz ähnliche Ziele: Man
') Daß A die Zahl XVI gibt, ist nur Schreib-
fehler (Stangl, Virgiliana S. 8).
' 2 ) Nach dem Ambian. 426. Den Beweis fürihre Richtigkeit gegenüber den Benennungen ; ceronem.Huemers gab Stangl, Virgiliana 8—14.
Sprichwörtlich von ihm Ep. 1 p. 116,
16 ut in proverbium veniret aput omnes philo-sophiae auctores: non ler/it qui non legit Ci-