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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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124 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

nominum non bipertita est ut quidam rentur als offene Polemik gegen Asper(GL. 5, 549, 25) auffaßt. Um so größer ist die Zahl der noch unbekannten,von Virgil benutzten Quellen, falls man dem Autor trauen darf. Darnachhat es den Anschein, als ob im 6.7. Jahrhundert in Gallien eine großeund reiche Literatur existiert hätte, welche bis auf die von Virgil gegebenenZitate spurlos untergegangen wäre. 1 ) Aber es wäre doch dann in hohemGrade auffällig, wenn aus dieser großen Masse von Schriftstellern allerArt auch nicht ein einziger außer bei Virgil genannt würde. Und das isttatsächlich der Fall, keiner dieser Autoren hat sich erhalten und keiner(außer Horaz) wird in dem allerdings spärlichen Schrifttum des 7. und8. Jahrhunderts angeführt. Mehr fällt aber vielleicht ins Gewicht, daß auchdie irischen Grammatiker des 9. Jahrhunderts wie Cruindmelus, Malsachanusund Clemens wohl den Virgil kennen und reichlich ausplündern, aberniemals Kenntnis seiner zahlreichen Gewährsmänner zeigen. Und dasgleiche ist der Fall bei den bisher bekannten angelsächsischen Grammatikerndes 7.9. Jahrhunderts, die auch den Virgil benutzen, aber von der beiihm erwähnten Literatur nichts wissen. Dadurch wird diese in hohemGrade verdächtig und es ist mir sehr zweifelhaft, ob die mehr als fünfzig 3 )von Virgil genannten Schriftsteller jemals existiert haben. Bedenklich er-scheint auch, daß ein Horatius p. 30. 16 als Korrespondent Virgils erscheint,während er bald darauf p. 38,13 f. unter den veteres angeführt wird (vgl. 68,13).So sucht Virgil auch den Anschein zu erwecken, als sei er wie seineliterarische Umgebung im Griechischen und Hebräischen wohl bewandertgewesen, vgl. p. 21, 21 f.; 133, 15f.; 146, 13. 92, 7ff., was doch fast aus-geschlossen erscheint. Auffällig oft werden von Virgil angebliche astronomischeSchriftsteller zitiert, so Gergesus p. 15, 15 Gergesusque in commentarüssuis quos de sole luna astr'is et praecipue caeli arcu Septem vienti voluminibusedidit; ferner Sagillius p. 17, 2 Sagillius g er manu s . . . ille quidem in libellode mare et luna scripto; Virgilius Assianus p. 91, 4 et in computatione lunaeet mensuum sagacissimus; Quintilianus p. 127, 1 sicut in Quiutiliano legi, quierat computarius dierwm et mensuum et lunae et solis. Ich glaube, daß wires hier mit einer schulmäßigen Akademie 3 ) zu tun haben, deren MitgliederBeiträge aus verschiedenen Wissensgebieten lieferten; die Beiträge wurdenvorgelesen und vielleicht diskutiert. 4 ) Von der Menge Beisitzer ist dannVirgil ausersehen worden, die betreffenden Autorennamen durch ein gramma-tisches Werk für die Ewigkeit aufzubewahren, indem er Exzerpte aus den

SohnMaximianusVirgilsZeitgenosseist(p.l73, geben scheint, das lateinisch ist. Hierher ge-23 Glent/us quoque ille nostri Maximiani pa- hören auch das Werk des Terrentius De com-

ter), so gehört Asper in die Zeit Virgils.Auf einen Anklang an Agroecius macht S t a n g 1p. 39 aufmerksam.

') Z.B.die LXXcolumina de ratione metrides Virgilius Troianus p. 88, 13 ff., oder dieX libri super nomine des Aeneas p. 26, 5, dasWerk des Cornilius de verbo p. 135, 13 f., dasopus V voluminum de statu regali des Vir-gilius Assianus (p. 146,1114), das von 6a-

puto syllabarum p. 12, 12, sowie desselbenVerfassers Dispiositiones grammäticäe in an-geblich mindestens vier Büchern p. 126,12 f.

2 ) In dieser Zahl sind die in den achtEpistolae genannten Autoren inbegriffen.

3 ) Aehnlich wie einst die Duodecim sa-pientes, deren Gedichte in der Anthologie ge-druckt sind.

4 ) Dieser Modus würde nämlich zu den

lirius aus dem Griechischen ins Lateinische l Worten p. 12, 12 De computo autem syllaba-übersetzt worden sein soll, trotzdem Virgil l rum quia Terrentius plenissime disputamt gutp. 146, 1519 ein Zitat aus dem Original zu ; passen; vgl. auch 150,14 ff.