116 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
nämlich 1, 4 für die fabelhafte Geschichte über den Koloß, 1 ) 10 für dieAethiopen, 18 für die Längbärte, 22 für die bärtigen Weiber und 26 fürdie Fabel von den Menschen, die sich von rohem Fleisch und Honig nähren.Die zweite Abteilung des ersten Buches behandelt eine Reihe von mytho-logischen Fabelwesen meist im Anschluß an Stellen aus Vergil, dessenspätere Scholien aber auch zu Rate gezogen werden; außerdem wird RufinsÜbersetzung der Clementinen benutzt, häufiger aber ein mythologischesHandbuch, mit dessen Text der Autor ebenso frei verfährt, wie er es mitseinen anderen Quellen getan hat. Das zweite Buch berichtet über Tier-ungebeuer und Fabelwesen und zwar besonders an der Hand von Vergilund seinem Erklärer Servius, sowie Isidor; je einmal werden Curtius,Marcellinus Comes und der Physiologus benutzt. Reichlich aber wird hieraußerdem der Brief Alexanders an Aristoteles ausgebeutet, der gegen denEingang hin auch als Quelle angeführt wird. Endlich erwähnt der Autorauch ein griechisches Gemälde, nach dem er eine ausführliche und wunder-bare Schilderung gibt. Das dritte Buch erweitert und führt den Schlangen-katalog Lucans und Isidors beträchtlich aus, wobei Vergil und AlexandersBrief sowie auch Isidor wieder sehr ausgiebig benutzt werden, und mehr-fach Irrtümer wegen nicht verstandener Quellen unterlaufen. Aber auchhier dürfte manches auf ein mythologisches Handbuch zurückgehen, dessenVerwertung schon in den zwei ersten Büchern erfolgte. Den Schluß bildetdas Geständnis, daß die Quellen keine weiteren Berichte von Wichtigkeitund Interesse enthalten hätten.
Die Disposition innerhalb der drei Bücher erscheint wahllos und zu-fällig. Die Benutzung von Isidor Et. 11, 3 außerdem 8, 3 und 1, 39 sowievon 12, 4 steht fest, trotz Haupt p. 220; Isidor schreibt nämlich, wie aus11, 3 (= Augustin civ. dei 16, 8) feststeht, seine Quellen meist wörtlichohne Zutaten aus, während der Verfasser unsrer Schrift willkürliche Er-weiterungen anbringt (vgl. 1, 16 p. 228). Wenn es nun 3, 18 p. 250 heißtVipera autem eo quod vi pariat ita nuncupatur, und Isidor 12, 4, 10 sagtVipera dicta quod vi pariat, so ist das Verhältnis ohne weiteres klar: Diewichtigen Worte bei Isidor sind sämtlich abgeschrieben, dicta wurde zudem ungrammatischen ita nuncupatur erweitert. Und so ist es fast überall.Der Brief Alexanders an Aristoteles wird erwähnt 2, 3 p. 238, 11Alexander Macedo innumerabiles alba nigro et rubicando varioque colore sein India vidisse ad Aristotelem philosophum descripsit, er begegnet in sehrvielen mittelalterlichen Katalogen, 2 ) s. IX in Murbach (Straßb. Philvers.272.5)und St. Gallen (B. 23, 19), s. X bei Friedrich von Salzburg (B. 34, 13), s.XIin Toul (B. 68, 244), viel häufiger in späteren. Aus Vergilscholien stammtder Bericht über die Gorgonen 1, 38 p. 232, 10 ff.; außerdem meint Hauptp. 219, daß 3, 17 p. 250, 12 quem Octavianus grammaticus feminini generiscolubram nominavit auf ein solches Scholion zurückgehe, was mir nicht
') Haupt p.224 app. crit. meint, daß dieErzählung auf Suet. Ner. 31 zurückgeht. Ichglaube, daß eine sagenhafte Weiterbildung
2 ) Wichtig ist, daß er in Monte Cassinos. XV (Bibl. Casio. 1. LXXXVII) genannt wirdYstoria Alexandri regis, wie sich aus den
über den Leviathan oder eine solche über Og beigefügten Eingangsworten Memor tut ergibt,von Basan das unmittelbare Vorbild war.