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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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114 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

9. Über monstrorum de diversis generibus.

Ein unbekannter Verfasser, der sich an einen Vornehmen zu wendenscheint, hat auf dessen Befehl ein Buch zusammengestellt, in dem er überallerhand Ungeheuer handelt. Der Auftraggeber hatte ihn gebeten, seineAnsicht darüber zu äußern, ob man wohl an das Vorhandensein so vielerArten von Ungeheuern glauben könne, wie sie in abgelegenen Gegendender Welt, in den Wüsten, auf den Inseln des Ozeans und in den Höhlender einsamen Gebirge existieren sollen. Die Hauptsache war freilich, daßder Verfasser schreiben sollte über abenteuerliche und unnatürliche mensch-liche Wesen, über entsetzliche Tiere und über die furchtbaren Drachen,Schlangen und Vipern. Der Autor meint nun, daß über solche Ungeheuerin manchen Schriften zu lesen sei, daß er aber diese Lügen nicht hättewiederholen mögen, wenn er nicht die Aufforderung erhalten hätte. 1 )Allerdings erscheine manches Wunderbare doch wahr, und von diesemwerde er zuerst handeln, während über seine weitere Erzählung jederdenken möge was er wolle. Und am Ende des dritten Buches heißt es,daß manches, was von den Schlangen erzählt wurde, wahr sei, manchesaber der Wahrheit unbedingt widerspreche. Da nun der in fränkischenGeschichtsquellen genannte Chlochilaich (der Hygeläc des Beowulfsliedes)erwähnt wird, so ist es sehr wahrscheinlich, daß die Schrift im Franken-reiche abgefaßt worden ist. Nach den immerhin ziemlich ausgebreitetenliterarischen Kenntnissen des Autors war dieser ein Geistlicher, der wohlvon einem Bischof die Aufforderung erhalten hatte. Allerdings verrät erunmittelbar nirgends seinen christlichen Standpunkt, 2 ) der sich nur in demhäufigen Polemisieren gegen die antike Mythologie kundgibt. Der Stil desWerkes scheint der Zeit vor dem karolingischen Humanismus anzugehören,die Ausdrucksweise ist eng an poetische Vorbilder, besonders Vergil, an-gelehnt, die namentlich in der Vorrede, aber auch sonst deutlich durch-blicken. Darnach mag das Werk, dessen Orthographie Anklänge an dieder Iren zeigt, im 7. bis 8. Jahrhundert entstanden sein. Und hierzu könntestimmen, daß das Verständnis, das der Autor dem Vergil entgegenbringt,teilweise ein recht geringes ist, wie Haupt 3 ) richtig hervorgehoben hat.Die Schrift ist besonders deswegen interessant, weil manche von ihrberichtete Tatsachen sich auf heute nicht mehr erhaltene Quellen zu stützenscheinen.

Zeugnisse. Die Worte (Haupt, Opusc. 2) 222,4 nisi me ventus tuae postulationis ...praecipitasset (vgl. p. 236, 15) ergeben die Aufforderung von Seiten eines vornehmen Mannes.Dessen Wunsch im Eingang der Schrift p. 221, 3 De occulto orbis Urrarum situ interrogastiet sitanta monstrorum essent genera eredenda, quanta in abditis mundi partibus per desertaet Oceani insulas et in ultimorum montium latebris nutrita monstrantur, et praecipue dehis tribus orbis terrae generibus respondere petebas, quae maximum formidinis terrorem

') Haupt, Opusc. 2,222 4 nisi me ventustuae postulationis a puppi praecelsa paviduminter marina praecipitasset monstra, 236, 15monstra de qnibus me ventus tuae postulationistundebat.

2 ) Denn die Worte im Pithoeanus c. 15

logiques p. 55; Haupt, Opusc. 2,227 app. crit.)ut gentiles aiunt scheinen doch späterer Ueber-arbeitung anzugehören. Christlich ist der Aus-druck p. 237, 17 lucerna verbi nach Psal. 118,105.

Opusc. 2,220 und in den Anmerkungen

(Jul. B e r g e r de Xivrey, Traditions terato- \ zu p. 249, 19 ff. und 252, 4 ff.