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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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112 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

den Brief). Kritisches bei 0. Roßbach, Bresl. Philol. Abb. 2, 3, 88ff. Eine Nachahmungder kleinen Schrift verfaßte im 12. Jahrh. Bernhard von Clairvaux, die sich z. B. 1347in Prüfening fand (Zbl. f. Biblw. 20, 107 N. 134 Item Berrihardus de formula honeste vite inuno volumine); gedruckt in S. Bernhardi . . . op. ed. Mabillon (1719) 2,811813.

De ira. Das Werkclien ist an Bischof Vitimir von Auria gerichtet.Widmung: Domino ac b. . . . Vitimiro episcopo Martinns episcopus. Dumsimul positi duclum mutuo callationis alloquio frueremur, illud inter ceteratuae a me diligentiae Caritas elicuit ut de passibilitate irae vel qiialitatiseins effectibus brevi tibi aliqua libello digererem. Parui protinus libenspaucisque haec tuo studio de fugienda ira, saltem si id non eveniat delenienda, disserui. Quidam de sapientibus iram dixerunt brevemesse insaniam etc. Schon in diesen Worten ist Sen. de ira 1, 1, 1 f. be-nutzt, was B. Bickel nicht notiert, der S. 535-543 erweist, daß der ganzeTraktat aus diesem Werke Senecas geflossen ist und daß die Worte in«e. 2 Quemcumque tyrannus est in der Lücke bei Seneca nach 1, 2, 3gestanden haben. So wird Senecas umfängliche Schrift durch MartinsExzerpte an einer Stelle ergänzt.

Die Ueberliefening des Werkchens ist sehr spärlich, in alten Katalogen scheint esnirgends genannt zu werden, und als Hs. kenne ich nur Paris. 16590 s. XV mit dem Briefan Vitimir. 1 ) Ausgabe: Migne, Patrol. lat. 72, 41 ff. Ebert 1,580.

Die zwei Schriften De paupertate und der Liber de moribus,beide ohne weitere Aufschrift und Widmung in den Hss. dem Seneca zu-geschrieben, sind vielleicht ebenfalls Exzerpte Martins aus Schriften Senecas.Sie erscheinen in alten Katalogen zuerst im 13. und 14. Jahrhundert, undzwar bei Richard von Fournival 1250 in der Biblionomia tab. VII, 81 Liberde moribus. Liber de paupertate, und in der Sorbonne N. LH, 5 Senecade paupertate . . . liber de moribus ab eodem. 2 ) Das Schriftchen Depaupertate besteht lediglich aus größeren und kleineren Auszügen vonSenecabriefen, wie Haase in seiner Ausgabe (3, 458461) nachwies, vgl.Haureau, Not. et Extr. 33,1, 210213. Anders scheint aber die Sachebeim Liber de moribus zu stehen, der 145 Sprüche in Senecas Art bietet.Haase (3 p. XX) wies nämlich nach, daß N. 35 schon in den Akten desKonzils von Tours 567 (II can. 14, bei Mansi, Concil. nova et ampl. coli. 9,795)angeführt wird. Außerdem aber zeigte Haureau (Not. et Extr. de quelq.mscr. 2, 178 ff., vgl. Not. et Extr. 33, 1, 227233), daß in einem von ihmherausgegebenen Fragment, das viele Pariser Hss. besitzen, Sprüche desPythagoras mit Zusätzen des Porphyrius enthalten sind, und daß am Endedes Fragments eine Stelle des Pseudoseneca ad Paulum (Seneca Paulo)zitiert wird; auch N. 143 (Diabolus aliquando se gloriabatur) schließt SenecasAutorschaft aus. Aber Haureau (S. 181 ff.) läßt auch Martin nicht alsVerfasser gelten, sondern meint (S. 183 f.), daß der Verfasser im 4. Jahr-hundert lebte und zu diesen Sprüchen seine eigne Übersetzung des c. 41der Vita Pythagorae des Porphyrius benutzte, da die meisten dort ent-haltenen Sprüche in das Werk übergegangen sind und von einer Übersetzung

') Die Schlufinotiz zu dieser Hs. bei j S. 46. Erweitert ist der Titel in Fiesole

Hauröau, Not. et Extraits 33, 1,233 ist s. XV (Bandini 3, 533 Nr.92) De paupertate

demnach nicht richtig. i et felicitate liber I.

-) Vgl. Manitius, Rhein. Mus. 47 Erg. |