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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

zu dessen Lobe, in welchem die zahlreichen wunderbaren Umstände ge-bührend hervorgehoben werden, unter denen die Gründung und Besiedelungdes Klosters erfolgte, und in dem Marcus seinen Heiligen um Beistandbittet. Das Gedicht bietet die frühesten Zeugnisse für die LebensverhältnisseBenedikts.

Zeugnisse. Daß Benedikt schon tot war, als Marcus nach dem Kloster kamVs. 13 Huc ego (so statt ergo) cum scelerum depressus fasce subissem ergibt sich ausVs. 16 Oras pro Marco si, Benedicte, tuo und aus Vs. 65 f. Die wunderbaren Umständes. Vs. 3344 und 4752. Da im Gedicht die Zerstörung vom J. 581 nicht berichtet wird,so hat Marcus früher geschrieben. Er ist also Zeitgenosse des Abts Simplicius, der dieRegel Benedikts zuerst der Oeffentlichkeit übergab und zehn schlechte Verse davorstellte,s. Traube, Münch. Abh. (1898) 21, 628 f. und 688 ff. 1 ) Daher kennt auch Marcus das 593geschriebene zweite Buch der Dialoge Gregors noch nicht, das andere Wunder berichtet.Sprache und Verskunst des Gedichts sind ziemlich rein und verraten Anlehnung an guteMuster im Gegensatz zu Simplicius' Versen, s. Manitius, Gesch. d. christl. lat. PoesieS. 390. Die Ueberlieferung des Gedichts erfolgte auf doppeltem Wege. Paulus Diaconuslernte es in Monte Cassino kennen und nahm es in seine Schrift über den hl. Benedikt(hrsg. von Bethmann, Arch. d. Ges. f. alt. deutsche Geschichtskunde 10, 330 f.) vollständig auf,während er es Hist. Langob. 1,26 (p. 79 ed. Waitz) nur teilweise paraphrasierte (p. 79, 14Marci poetae . . . versus . . . quos in his libellis caoens nimiam longitudinem minime de-scripsi): i ) Aus Paulus kennt es Aimoin 3 ) und das aus der Hist. Langob. schöpfende Chron.S. Benedicti Casin. 20 (ed. Waitz, SS. rer. Langob. p. 479). Aus Paulus und dem Gedichtschöpfte Petrus Diaconus de viris ill. Casin. 3 (Muratori, SS. rer. Italicarum 6, 14) seineKenntnis, und auf dieselben Quellen geht die kurze, zum Teil unrichtige Notiz 4 ) bei Sige-bert Script, eccl. 33 (p. 136 ed. Miraeus) zurück. Andererseits hat sich das Gedicht durchCassineser Ueberlieferung selbständig erhalten, so im Vat. Reg. 1267 f. 141 b s. X XI (TraubeS. 698),°) ferner in den Casinens. 310 s. XII, 453 s. XI und Casin. Comp. A s. X. Unter demTitel Versus de oratorio qiwd Benedictus in summo monte condiderat ubi sacrificabafur pa-ganitas im Bern. A 92 N. 23 c s. X f. 4 a b. Ferner im Sessor. 49. XXI s. XIII f. 41. Ausgaben:Mabillon.ActaSS. 1,28. Muratori, Script, rer. Italic. 4, 605. Migne 80, 183. Vgl. Ma-nitius, Gesch. d. christl. lat. Poesie S. 388 ff. Traube, Anzeiger f. deutsch. Altertum 18, 211und Münch. Abh. XXI 698.

6. Gregor I., der Große.

Papst Gregor I. ist wohl bald nach 540 geboren worden. Er stammteaus einer senatorischen Familie und einer seiner Vorfahren war Papst Felix IV.(f 530) gewesen. Von seinem Vater Gordianus und seiner Mutter Silviaist nur wenig bekannt, und auch über seine Jugendbildung wird nur Spär-liches überliefert, zudem widerspricht diese Überlieferung beinahe den tat-sächlichen Verhältnissen. Jedenfalls wandte er sich der Staatslaufbahn zuund Kaiser Justin II. erhob ihn um 570 zum Stadtprätor von Rom. Langefreilich scheint er dies Amt nicht verwaltet zu haben, denn nach demTode seines Vaters gründete er aus seinem bedeutenden Vermögen sechsKlöster in der Nähe von Palermo und ein siebentes stiftete er zu Ehrendes heiligen Andreas im väterlichen Palast auf dem Hügel des Scaurus.In dieses Kloster trat er selbst als Mönch ein, doch die Stille des Mönchs-lebens war ihm nicht für lange Zeit beschieden, obwohl sich vielleicht

*) Es sind rhythmische Hexameter; dieUeberlieferung bei Traube S. 688f.

2 ) In der Schrift über Benedikt: hos ver-sus in eins laude composuit.

3 ) Aimoini Mirac. S. Bened. prol. 3 (Ma-billon, Acta SS. s. IV 2, 357).

4 ) Marcuspoeta famüiaris Benedicti Casi-

nensis vitam eius a Gregorio descriptam de-floravit heroico breviloquio et pauca superad-didit.

5 )Die von Mabillon abweichenden Les-arten, die häufig mit dem Text bei Muratori(aus Casin. 257) übereinstimmen, verraten hierund da Interpolation" (Traube).