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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Die Vita Cudbercti. 1 ) Das Leben des heiligen Cudberct, Bischofsvon Lindisfarne, hat Beda in Versen und in Prosa beschrieben. Das Ge-dicht ist nicht, wie bisher angenommen wurde. 2 ) vor dem Tode KönigAldfrids von Northumbrien (also vor 705) verfaßt, sondern während derRegierung von dessen unmündigem Nachfolger und Sohn Osred. DennBeda erwähnt c. 22, 55 (= Vs. 543, Migne 94, 587) erst den Tod Ecgfridsjspricht dann 56 von der Nachfolge von dessen Bruder (Aldfrid) und kommtVs. 61 (Huius nunc Tyrio venerabile pignus in ostro Iure clatas patrio sceptriiam tractat habenas. Utque novus Iosia fideque animoque magis quam Annismctturus, nostram regit inchgtus orbem) mit ganz klaren Worten auf Aldfridssehr jungen Sohn zu sprechen, der von Beda hist. eccl. 5, 18 (p. 320 PI.)als puer octo circiter annorum, regnavit annis XI eingeführt wird. So ist dasGedicht zwischen 705 und 716 verfaßt, über die Widmung an den PresbyterJohannes s. oben. In dem Brief an ihn heißt es (Migne 94, 575) Stireautem debes quod nequaquam omnia gesta illius exponere potui . . . Si verovita comes fuerit . . . spero nie in alio opere nonnulla ex his quae praeter-miseram memoriae redditurum. Dies Versprechen hat Beda einige Jahrespäter mit seiner Prosadarstellung eingelöst. Das Gedicht 3 ) ist ein Heiligen-roman, der sich auf der älteren Vita Cuthberti (Acta SS. Mart. 3, 117124)aufbaute 4 ) und jedenfalls daneben auch mündliche Tradition aus Lindis-farne benutzte, wie das Beda auch für die betreffenden Abschnitte in derHist. eccl. tat. Und dieselben Quellen standen ihm später für die Prosa-bearbeitung zu Gebote. Das Epos zählt 976 Verse und stellt bis c. 36 diewunderbaren Handlungen dar, die der Heilige in seinem Leben verrichtete,die nächsten Abschnitte sind seinem Tode gewidmet, und der Rest bis c. 47fällt auf Wunder, die sich am Grabe zutrugen. Ein kurzes Gebet beschließtdas Werk, in dem die eigentlich biographischen Züge ganz zurücktreten,so daß es als Geschichtsquelle nur sehr bedingten Wert hat. Etwas höhersteht es hinsichtlich der poetischen Sprache, die ebenso wie die Aldhelmsdurch poetische Vorbilder stark beeinflußt wird (Manitius, Wiener SB. 112,616625), aber mehr Gewandtheit und Klarheit besitzt; vor allem haschtBeda nicht wie Aldhelm nach seltenen und ungebräuchlichen Worten undder Bau seiner Hexameter verrät mehr Abwechselung.

Handschriften: Sangall. 263 s. X p. 163. Monac. 19451 s. XI f. 157212. Es fehltan einer kritischen Ausgabe; erst dann kann über Prosodie und Metrik, besonders im Ver-hältnis zu Aldhelms Verskunst, ein Urteil gefällt werden. Gedruckt bei Migne 94, 575.

Die prosaische Vita enthält in ihrer Spitze einen Brief an BischofEadfrid von Lindisfarne und an die Brüder des Klosters. Beda berichtethier, daß er das noch auf den Wachstafeln befindliche Werk 5 ) dem Pres-byter Herefrid mehrfach vorgelesen und dann zur Begutachtung nach

') Das Gedicht heißt wahrscheinlichLiberde virtutibus S. Cudbercti.

2 ) Siehe Plummer 1, CXLVI.

3 ) Es ward im Jahre 764 vom Abt Cud-berct von Wearmouth und Jarrow mit derProsa an Lul gesendet, s. MG. Epist. 3,406,11N. 116.

4 ) Sie ist auch in der Kirchengeschichtebenutzt, s. ed. Plummer 1, 7 ,quae de . . .

Cudbercto vel in hoc volumine vel in libtllogestorum ipsius conscripsi, partim ex eis quaede illo prius a fratribus ecclesiae Lindisfar-nensis scripta repperi, adsumsi . . . partimvero ea quae certissima fidelium virorum ad-testatione per me ipse cognoscere potui, sol-lerter adiccre curavi.

5 ) Migne 94, 733 digesto opusculo seiadhuc retento in schedulis.