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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

festes chronologisches Gerippe durch Einflechtung zahlreicher Aktenstückezu geben. Nirgends hat ein Historiker in dem Beginn des Mittelalterseinen so sicheren Grund für seine Darstellung gehabt wie Beda, und dieserUmstand hat seinem Werke Dauer verliehen, so daß es auch heute nochdie feste Unterlage für die ältere Geschichte Englands bildet. Denn esist doch nicht allein die Kirchengeschichte seines Vaterlandes, die Bedabehandelte, auch die politische Geschichte greift bedingend in seine Dar-stellung hinein, und wir haben in dem Werke einen ungleich sichereren Bodenals in der von Volksüberlieferung und Sage so reichlich durchsetzten Franken-geschichte Gregors von Tours. Hierzu kommt aber noch ein wichtigesMoment, das Bedas Überlegenheit über Gregor bedingt. Wie nämlich schonin seiner 725 abgeschlossenen Chronik die Jahre seit Christi Geburt nebendie Jahre der Welt getreten sind, so setzt Beda auch hier allen bedeuten-deren Ereignissen das betreffende Inkarnationsjahr zur Seite. Das scheintan sich ein unbedeutender Umstand zu sein, aber man muß sich vergegen-wärtigen, daß diese beiden Werke Bedas die ersten Geschichtswerke über-haupt sind, in denen diese Berechnung auftritt, ohne die wir uns überhauptkeine Erscheinung in der Historiographie mehr denken können. Erst durchdiese konsequente Einführung der Jahre Christi wie auch durch Bedas Oster-tafel in seiner Chronik sie reicht von 532 bis 1063 wurde es möglich,daß eben zu jener Zeit und zwar wohl auch auf englischem Boden eineneue, wenn auch anfänglich äußerst magere Art der Geschichtschreibungentstand, die später eine sehr große Bedeutung erhalten sollte, die Annalen.Bedas Werk ist aber noch aus einem andern Grunde vorbildlich geworden.Es ist nämlich der erste Versuch einer zusammenhängenden Geschichts-darstellung, die mit der Eroberung des Landes durch die Römer anhebtund also die Geschicke des Landes bis zur äußersten erreichbaren zeit-lichen Grenze erzählt. Natürlich können die früheren Zeiten nur im Flugebehandelt werden," da die ausführlichen Quellen fehlen, und so wird derlange Zeitraum von Caesar bis auf Gregor I. in den zweiundzwanzig erstenKapiteln von Buch 1 behandelt, während auf die Zeit von 596731 dasganze übrige Werk fällt.

Eine kurze Übersicht über das Land nach Plinius, Orosius, Solinus(und Gildas) leitet das Werk ein. Die ältesten Zeiten werden nach Orosius l )dargestellt, einzelnes nach Eutropius, Prosper, dem Liber Pontificalis undFortunatus gegeben. Dann tritt Gildas als Hauptcmelle ein bis zu denZeiten des Kaisers Mauricius, daneben die (Constantini) Vita S. Gei'maniAutisiodorensis in c. 1721. Erst mit 1, 23 beginnt die ausführliche Dar-stellung, da hier die Christianisierung Englands einsetzt. Damit tretendie heimischen Quellen Bedas in ihr Recht, über die er in seinem Briefean König Ceolwulf handelt (s. oben), um diesem und allen, die das Werkkennen lernen werden, jeden Zweifel an der Wahrhaftigkeit des Berichtszu benehmen. 2 ) Außerdem aber benutzt Beda mehrere Lebensbeschreibungen,

*) Da Caesar nicht benutzt wird, so er-scheint es ausgeschlossen, daß Beda ihn ge-kannt hat.

') p. 6, 1 PL Ut autem in his quae scripsivel tibi vel ceteris auclitoribus sive lectoril»txJmius historiae occasionem dubitandi subtra-