78
Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Teil zutreffen). Die Kapitel über den Tierkreis sind aus Plin. 2, 66 f. undIsid. Et. 3, 22—32 genommen. Die Worte über Bewegung und Größe derSonne und des Mondes stammen aus Isid. nat. rer. 15, 2. 16, 2. 1 und 18, 3,die Berichte über Sonnen- und Mondfinsternisse aus Plin. 2, 47. 56. 57. 49.180, über Kometen aus Isid. nat. rer. 26, 13 und Plin. 2, 90. Die Abschnitteüber die Winde c. 26 f. sind Exzerpt oder Kopie aus Isid. nat. rer. 36 f.,über Blitz und Donner aus ib. 29 (und Et. 13, 8, 2) und 30 und Plin. 2.135 f. Auch die späteren Kapitel über Niederschläge, Unwetter, Ebbe undPlut, über das Meer, den Nil und die Erde setzen sich aus Exzerpten ausIsidor und Plinius zusammen. Daß Beda aber nicht die bekannten Plinius-exzerpte aus dem astronomisch-computistischen Werke des 8. Jahrhunderts,sondern einen vollständigen Plinius benutzte, ergibt sich aus c. 47 über dieWeltkreise, die er in engstem Anschluß an Plinius 6, 212—220 gibt, undwo er sogar am Ende über den Bericht seiner Quelle noch hinausgeht.Im letzten Kapitel handelt Beda, wie auch Isidor c. 48, über die Einteilungder Erde. Diese kosmische Darstellung unterscheidet sich von der Isidorshauptsächlich dadurch, daß Beda alle breiteren Auseinandersetzungen ver-meidet und mit Ausnahme der beiden ersten Abschnitte auf die Hervor-kehrung des christlichen Standpunktes mehr oder weniger verzichtet, alsobesonders die allegorische Betrachtungsweise Isidors außer acht läßt. Sosteht auch hier im Vordergrund des Interesses das Bedürfnis der Schule.De ratione temporum. Die beiden Werke De natura rerum undDe temporibus*) erschienen dem Beda später für den Unterricht zu gering-fügig (Migne 90, 293) Quos cum fratribus quibusdam clare atque exponerecoepissem, dicebant eos brevius multo digestos esse quam vellent. maxime ilkde temporibus. Er entschloß sich daher in späterer Zeit 2 ) zu einem um-fassenderen Werke über die Zeitrechnung, das er 725 3 ) schrieb und seinemAbt Hvaetberht 4 ) widmete. Dies umfassende Lehrbuch der Zeit- und Fest-rechnung ist für Jahrhunderte die Fundgrube aller einschlägigen Kenntnissegeblieben und in dieser Beziehung haben Bedas gründliche Studien dasganze Mittelalter beeinflußt. Das Werk umfaßt einundsiebzig Abschnitteund fußt natürlich auf der früheren kleinen Schrift und deren Quellen Isidor.Macrobius und Plinius. 6 ) Vor allem aber werden die Schriften christlicherChronologen und Chronographen und deren Berechnungen verwendet, wiedes Victorius Aquitanus, des Victor Capuanus, Dionysius Exiguus und diebetreffenden Stellen bei Eusebius, Hieronymus. Josephus. So gelangt Bedazu einem umfassenden System der antiken wie der christlichen Chronologie,in welchem er auf griechische, römische, ägyptische, hebräische und angel-
') Das Werk nennt Beda De temp. rat.praef. (Migne 90, 293) et ratione temporum.In den Hss. führt es zuweilen die Bezeich-nung De temp. rat. minor.
2 ) Migne 90,293 duos quondam libel-los . . . composui.
3 ) Die Zeit ergibt sich aus c. 52 (p. 502 M.)ut puta in praesenti octava indictioneDCCXXV.
4 ) Praef. p. 296 M. edilum pro captu meo
libellum, dilectissime abba mens Hvetberte, per-currendum atque exaviinandum offero.
5 ) Cap. 31 p. 436 Quod Plinius quoqitein libro septimo non praetermisit, wo dasZitat allerdings aus 4,104 stammt. Aus der-selben Stelle p. 435 notiere ich eine Anfüh-rung aus Solinus: Sed notandum quod deThule aliter scripsit Solinus (22, 9). DieStelle ist möglicherweise erst späterer Zusatz,da sie nur aus einer Hs. notiert wird.