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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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76 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

gewiesen. Das Werk trägt eigentlich seinen Titel mit Unrecht, denn miteiner Darstellung über römische Orthographie, wie sie noch Cassiodor ge-geben, hat es nichts zu tun. Es ist vielmehr ein alphabetisch abernicht innerhalb der einzelnen Buchstaben geordnetes Glossar, welchesam Anfang mit der Bedeutung der alleingestellten Buchstaben beginntund schon hier außerordentlich lückenhaft ist. Die einzelnen Worte desGlossars erhalten ihre Bedeutung oder ihre Etymologie oder ihre Flexionzur Seite, zuweilen werden auch orthographische Dinge und zwar meisteinseitig und willkürlich behandelt. Da Charisius von Beda stark benutztworden ist, so werden auch viel griechische Worte erwähnt. Beda wollteaber hier nicht Vorschriften für das ältere Latein geben, sondern schriebfür seine Zeit und trägt daher der sprachlichen Verwilderung Eechnung.So gibt er eine Menge Proben aus der Bibel, aus Augustin und Gregorius,auch aus Ambrosius und Hieronymus fehlen sie nicht ganz. Beispiel:(Keil GL. 7, 267, 28) Cur adverbium saejrius indicativum verbum trahit;Gregorius ,discutiendum est, cur quadam die factum aliquid coram dominodicitur'. Viele dieser Belehrungen gehören einer sehr unteren Stufe an,wie p. 277, 32 Linien aedium est, limes regionum, oder 278, 2 Ligat quisrineulo, legat testamento. Man sieht hieraus deutlich, daß das Latein schul-gemäß erlernt werden sollte, und ich glaube annehmen zu dürfen, daß dasWerk von seinem Verfasser bei Schulvorträgen zugrunde gelegt unddiktiert worden ist. Außer Charisius werden von Beda verwertet Exzerpteaus diesem Grammatiker, die denen aus Bobbio ähnlich waren, ferner Dio-medes, sehr stark Caper und Agroecius, vielleicht Dositheus und endlichein Glossar, s. Keil GL. 7, 223 f. Hinzukommt ausgiebige Benutzung desVirgilius Maro, s. ed. Huemer p. 38. 40 und Stangl, Virgiliana S. 34. 39, 45.47. 67.

Das Werk wird in alten Katalogen nur ganz selten genannt, und demgemäß gibt esnur wenig Hss. Ich kenne nur Beichenau 821 (Becker 6, 339 = 33, 65) und s. X (B. 33,95),Lorsch s. IX (B.37, 279 = 38,23), Glastonbury 1247 (Joh. Glaston. ed. Hearne 11,438), vonHss. außer den von Keil benutzten Sangall. 249 s. VIII, Paris. 7530 s. VIII, Montepess. 306s. IX, Leid. bibl. publ. 122 (hierzu das Fragment im Paris. 4841 und die von Giles, Bedaeopera 6 p.II genannten Mus. Brit. Harlei. 3826 und 3969) nur noch Monac. 14387 s.IX.Kritische Ausgabe: Keil, GL. 7,261294, vgl. p. 222 ff. Da Alchvine das Werk fürseine Orthographie reichlich benutzt hat, so wurde diese in manchen Hss. als diejenigeBedas bezeichnet. 1 )

__ Ungewiß ist, ob Beda noch andere grammatische Schriften verfaßt hat, es werden ihmsolche in alten Aufschriften und in den Hss. mehrfach beigelegt, so s. XII in Anchin (B. 77, 54)Bede liber de grammatica, in Lyre (Cat. gen. des d6p. (8") 2, 383) 135 Bede liber de regulisartis grammatice, in Corbie (B. 136, 269) grammatica Bede und in Passau s. XIII (Serapeum25, 246) artem grammatice Bede presbiteri. Da aber solche Werke früher nicht genanntwerden, und Beda Hist. eccl. 5.24 auch darüber schweigt, so ist kaum mit den früherenHerausgebern an der Echtheit festzuhalten (s. Migne 90, 613 ff. die Cunabula grammaticaeartis Donati und ib. 90, 631 ff. De octo partibus orationis).

Mathematisch-naturwissenschaftliche Schriften. Der be-quemeren Übersicht fassen wir diese hier zusammen, obwohl sie zeitlichnicht zu vereinigen sind.

] ) So im Turic. 178 s. IX; Beda Sacerdos i 7.295 ff. im appar. crit. Alchvines Schriftin der Ausgabe von Putsche. Ueber die Be- I ist gleichfalls alphabetisch geordnet und stelltnutzung von seiten Alchvines s. Keil, GL. | meist nur ein Exzerpt aus Beda dar.