70 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
in christlichen Dichtern mit dem hiesigen deckt, so ist seine Verfasserschaftin hohem Grade wahrscheinlich.
Das Gedicht schildert den Inhalt einer Bibliothek in sechzehn oderneunzehn kürzeren oder längeren Abteilungen unter Nennung der einzelnenSchriftsteller und mit Hervorhebung ihrer Vorzüge wenigstens bei denchristlichen Autoren. Die heidnischen Autoren werden entweder summarischbehandelt oder es werden in aller Kürze nur ihre Namen genannt. Dieeinzelnen Stücke dienten als wirkliche Aufschriften und waren zum Teilunter die Bilder der betreffenden Autoren gesetzt, wie aus 15. 2 Hospraesens pictos signat imago viros hervorgeht. Als Ersatz für die Bilderwurden in den Abschriften des Gedichts die Autorennamen ihren Stückenan die Seite gestellt. Am Schluß stehen einige Stücke, die sich auf einenGewürz- und Spezereischrank, sowie auf das Schreibzimmer beziehen, dasletzte ist eine Buchinschrift für das Hohelied Salomonis und gehört keines-falls hierher, wie auch Pascal, Letterat. lat. medievale S. 47 die vorher-gehenden Stücke von dem Gedicht ausschließt. Handschriften s. oben.Ausgabe: ed. Arcvalo 7, 179—183. Vgl. Manitius, Gesch. d. christl. lat. Poesie414 ff. Das Gedicht wird durch Paulus Albarus im 9. Jahrhundert in dessenVersen auf die Bibliothek Leovegilds sorgsam nachgeahmt.
Die spanische Anthologie im Paris. 8093 s. VIII enthält f. 24 eineConfessio beatiYsidori in vierunddreißig Hexametern, ein ziemlich eintönigesGedicht von sehr schlechter Prosodie (Vs. 26 Ausgang: placidi maris),dessen Verfasser den Tod sehnsüchtig herbeiwünscht; Ausgabe: de Rossi,Inscr. christ. urb, Romae II, 1, 292 mit Verbesserungen des Herausgebers.Sicher aber gehören die Exhoratio penitendi und das Lamentum poenitentiaeIsidor nicht an, wie W.Meyer (Münchner SB. 17, 2, 431 ff.) nachwies, sondernsie sind einem Nachahmer Isidors beizulegen.
Gesamtausgaben: per fratr.Jac. du Breul. Paris 1601. Cöln 1617. rec.Paust. Arevalo,Rom 1797—1803; Abdruck bei Migne 81—84. Vgl. Teuffel-Schwabe §496. Ebert I,588—602. Pauly 4,274.
4. Beda.
Beda, der bedeutendste Gelehrte des früheren Mittelalters, ist geborenauf dem Gebiete des späteren northumbrischen Klosters Wearmouth, undzwar im Jahre 672 oder 673. Dies Kloster wurde erst 674 durch BiscopBenedict begründet, der unweit von dieser Stiftung im Jahre 681 oder 682eine zweite zu Jarrow (Ecgfer^es mynster) anlegte und die Abtswürdeüber beide Klöster führte. Die wohl anfänglich beabsichtigte Einheit beiderStiftungen wurde dadurch verändert, daß Benedict bei seinen häufigenReisen an den Hof und übers Meer in Wearmouth den Eosterwine und inJarrow den Ceolfrid als Abt einsetzte. Im Alter von sieben Jahren wurdeBeda dem Kloster Wearmouth übergeben, er vertauschte aber diesenAufenthalt bald mit Jarrow; zwölf Jahre später wurde er Diakon und imAlter von dreißig Jahren erhielt er die Weihe zum Presbyter. In demDoppelkloster blieb Beda seine ganze Lebenszeit und da sein Drang nachWissen schon in der Jugend reiche Nahrung erhalten hatte, so konnte ersich in der Klosterstille lernend und lehrend ungestört zu dem einzig-