68 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Werk ist in zwei Bücher geteilt, deren erstes De differentia verborum in610 Artikeln ein alphabetisches Verzeichnis von synonymen oder dochähnlich lautenden Wörtern mit Angabe der verschiedenen Bedeutung ent-hält, also eine alphabetische Synonymik. Das zweite De differentiis rerumenthält in vierzig Abschnitten Erklärungen über verschiedene Begriffe ausder Theologie oder anderen Gebieten. Die Vorrede (ed. Arevalo 5, 1) sagtDe his apud Latinos Cato primus scripsit, ad cuius exemplum ipse pancissimaspartim edidi, partim ex auctorum libris deprompsi, also angebliche Anlehnungan Cato. Das ist natürlich eine andere Synonymik gewesen, wie ja Isidorin der zweiten Vorrede zu seinen Synonyma die sogenannten SynonymaCiceronis nennt 1 ) (ed. Arevalo 6, 473). Hauptsächlich benutzt wird imersten Buche die Schrift des Agroecius de orthographia, die auch vonBeda und vielfach in der karolingischen Zeit verwendet worden ist; Isidorschreibt vieles wörtlich aus ihr ab, nennt aber seine Quelle nirgends. Des-gleichen wird Placidus, wie in den Etymologiae, ausgebeutet (99 p. 15),doch neben Agroecius erscheint der Vergilkommentar des Servius als Haupt-quelle, wie in den Etymologiae. Die große Mehrzahl der Artikel entstammtdiesen zwei Schriftstellern, die, ohne genannt zu werden, dem Isidor auchdie meisten Belege aus andern Autoren lieferten. Eine Stelle (17 p. 4) hatgroße Ähnlichkeit mit Nonius 421, 28 (ed. L.Müller 2, 2), wie schon L. Müllersah; aber sie ist doch so verschieden, daß eher die Quelle des Nonius alser selbst in Betracht käme. Doch wird man sich hüten müssen, eine großeVielheit von Quellen für die Entstehung des Werkes anzunehmen, das fürseine Zeit jedenfalls nicht unbedeutend war und gute Dienste leisten konnte.Das zweite Buch kommt hier weniger in Betracht, da es vielfach theologischeGegenstände berührt (interessant z. B. 14, 41—43 p. 85 f. Inter angelosdaemones et homines), aber es ist doch insofern wichtig, als ganze Stückedaraus unverändert in die Etymologiae übernommen wurden (17, 47—21,84 p. 87—94, wo vom Körper und den Lebensaltern des Menschen dieKede ist).
Diese Differentiae wurden in den nächsten Jahrhunderten oft benutzt und abgeschrieben,sie erscheinen in den Katalogen s. IX von Keichenau (B. 6,331), St. Gallen (B. 22, 211, s. 1461N 12 und Q 12), s. X—XI in Bobbio (B. 32, 163—165), s. XI inPomposa (B. 70,47), 2 ), s. XII inCorbie (B. 136,237); vielleicht gehören auch die Aufschriften aus Lippoldsberg s. XII (B. 88, 50)und Hamersleven s. XIII (B. 56,92) hierzu, bei denen der Name Isidors dann ausgelassenwäre. Handschriften: Vatic. 3321 s. VIII. Vat. reg. 310 s. X. Paris, nouv. acq.448 s.XI (mitde natura rerum); vgl. Arevalo, lsidoriana 56,9. 10. 19 (Migne 81, 358D. 361 C). BesteAusgabe ed. Arevalo 5, 1—114. Kritische Ausgabe der für die Geschichte des Lateinwichtigen Schrift sehr zu wünschen.
Außer diesem Werke wird noch eine zweite Sammlung Synonymadem Isidor beigelegt, die allerdings auch als Ciceronis differentiae erscheinen.Die Sammlung ist nicht alphabetisch angelegt und beginnt Inter polliceriet promittere, also nach Weise des größeren Werkes. Sie enthält 253 Ab-schnitte und gibt vielfach nur orthographische Diskrepanzen. Nur seltenwerden hier ältere Zitate angeführt, die meisten stammen aus Vergil.Manche Stücke erscheinen wie ein Exzerpt aus der größeren Sammlung,
l ) Arevalo hat allerdings den Zusatz I gemeint ist.Ciceronis nicht, s. die adn. crit. n. 3, und es ! 2 ) Hier bilden die Differentiae verborum
wäre möglich, daß das Werk des Agroecius | (mit genauem Ineipii) das zweite Buch.