66 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Quellen abgeschrieben zu sein, außer den christlichen Dichtern Juvencus
(1, 12, 2), Prudentius (20, 33,3, vgl. 8, 11, 58), Sedulius (20, 4, 5) und Paulinus
von Nola (9, 2, 90. 91), von denen außerdem die Centonendichter Proba und
Pomponius Erwähnung finden (1, 39, 26). Wie man sieht, ist die Dichter-
auswahl nicht eben groß und sie kommt im allgemeinen mit der in den
Versus in bibliotheca x ) überein, wo nur noch Avitus erwähnt wird, wie
am Schriftstellerkatalog.
Fortleben und Handschriften. Das Werk ist bald nach seinem Erscheinen viel-fältig abgeschrieben worden, denn seine Benutzung zeigt sich sehr früh. So in der SchriftDe dubiis nominibus bei Keil, GL. 5, 582. 19, ferner bei Eugenius von Toledo, der kleineStücke daraus in Verse umsetzte (Carm. 42—66, s. ed. Vollmer, Auct. ant. 14,258—261).Auch Braulio, dem das Werk gewidmet war, benutzt es in einem Briefe an den PresbyterFructuosus (Et. 7, 6,13, bei MigneSO, 696 A), auch Julianus von Toledo zitiert das Werkin seiner Grammatik, s. Keil, GL. 5, 313 und benutzt es Prognost. 1,4 f. (Migne 96, 462) =Et. 11,2,31 f. Aldhelm verrät an einigen Stellen Kenntnis der Etymologiae, s. Manitius,Wiener SB. 112, 603, wo auch Benutzung von De natura rerum vermerkt ist. Der Anonymusde situ orbis verwendet das Werk reichlich, s. ed. Manitius p. 1.3 ff., 2 ) und Hrabans dererum naturis fußt vollständig auf ihm, s. K. Werner, Alcuin und sein JahrhundertS. 107 f. Von der karolingischen Zeit an wird der Einnuß der Etymologiae unbegrenzt, dasie sich fast in allen Bibliotheken fanden, und noch ein so später und bedeutender Schrift-steller wie Johannes Saresberiensis entzieht sich ihrem Einflüsse nicht und wünscht, daßdie Definitionen in der Schule auswendig gelernt werden. Man kann wohl behaupten, daßes kaum ein mittelalterliches Werk gibt, das den Isidor nicht benutzt, falls antike oderbiblische Realien darin einen Platz fanden. In alten Katalogen aus dem 9. Jahrh. steht dasWerk verzeichnet inReichenau 821 (B. 6, 325 und 8.25), in St. Wandrille (B. 7, 62), St. Riquier(B. 11, 67), Constanz (B. 15, 212.218), St. Gallen (B.22, 206. 207. 344 und 24, 51), Lorsch(B. 37, 328. 3 ) 329. — Die äußerst zahlreichen Hss. sind noch nicht geordnet. Es zeigen sichhäufige Interpolationen — so z. B. das Provinzenverzeichnis aus Pauli diac. hist. Lang. 2,14,s. Mommsen NA.5,84ff. und Traube, Karol. Dichtungen S. 114—, Umstellungen und sonstigeVeränderungen. Grundlage (weil fast frei von Interpolationen) wohl der Guelf. Weissen-but-g. 64 s. VII — VIII 4 ). Wichtig für die Kritik ist auch die Ueberlieferung aus Pleury, diewahrscheinlich besonders durch Weilburg. 3 s. IX (vielleicht von ihm abgeleitet Bern. 224s. X, 101 s. IX—X, 36 s. X—XI und Monac. 4541 s. X, s. R. Gropius, Das Verhältn. d. Cod.Weilburg. 3 ... zu den Bern. 101. 224. 36.291, Weilburg 1894 S. 8 f.) vertreten wird. Außerdemwichtig Sangall. 237 s. IX und Monac. 6250 s. IX, s. R. Gropius, Isid. Hisp. Etymol. XIII. 13als Handhabe z. Beurteilung von Isidorushandschriften, Weilburg 1889, S. 8 f. vertreten wird.Außerdem wichtig Sangall. 237 s. IX und Monac. 6250 s. IX, s.R. Gropius, Isid. Hisp. Etymol.XIII, 13 als Handhabe zur Beurteilung von Jsidorus-Handschriften, Weilburg 1889, S. 2 und 10.Mit Monac. 4541 nahe verwandt sind Fragmente in Freiburg s. XI (abgedruckt von SadeeS. 4—15), vgl. L. Sadee, Ueber Freiburger Fragm. einer Hs. der Etymol. des Isidorus Hisp.,Freiburg i. B. 1883, S. 26. 30 ff., wo manches zur Kritik beigetragen wird. Kritisches außerdem(aber ohne Verwertung von hs. Material) von H. Schwarz. Observationes criticae in IsidoriHisp.Origenes(sie!). Hirschbergl895. Ausgaben: ed. Arevalo(Romae 1797—1803)tom.III. IV;ed. F. W. Otto in Lindemanns Corp. gramm. lat. III, Lips. 1833 (mit Benutzung wertloserHss.). Migne 82 (Abdruck von Arevalo). Die Kapitel über Rhetorik in Buch 2 ed. Halm, Rhet.lat. min. 507—522 (mit Quellennachweis), die über Maße und Gewichte ed.F.Hultsch, SS.metrol.2, 106. 135, die gromatischen ed. Lachmann, SS. gromatici 1, 366. 371; über einzelnes anderes. oben. Zur Benutzung des Placidus s. A. Deuerling, Bll. f. bayer. Gymn. 14, 288 und H.Hagen, De Placidiglossis (Bern 1879)4.— B. Kubier, Isidorusstudien, Hermes 25, 496—526.
') Vs. 36—41, ed. Arevalo 7, 181. j Hier findet sich eine andere Bucheinteilung2 ) Daß die Lesarten des Anonymus mit i als sonst, sie wird von Kubier S. 499 unddenen der von Sadee veröffentlichten Frei- i 503 dem Braulio vindiziert. Dieselbe Ein-burger Fragmente fast übereinstimmen, be- teilung in einem zum Einbinden verwandtenmerkt J. Huemer, Philo!. Rundschau V, 464. ! Blatt s. VIII des Guelferb. Helmstad. 455 mit
3 ) Hier wie in der korrespondierenden Hs.B.38,27 in 21 Büchern. Der Vindob. 121 (s.J. Schmidt, 15. Jahresber. d. K. K. Staats-gymn. im 7. Bez., Wien 1884) s. IX hat22 Bücher, der Matrit. A 51 s. XIII sogar 24(s. Hartel, Bibl. patr. lat. hisp. 1. 320).
4 ) Vgl. B. Kubier, Hermes 25,497.—
irischen Initialen, vgl. Kubier S. 504. Da-selbst S. 505—507 die Richtigstellung von2, 10 und S. 507—518 Lesarten zum 5. Bucheaus dem Weissenburg. 64. Kubier S. 498setzt die Hs. um 700 an, sie stammt vielleichtaus Bobbio.