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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

Beispiel. 1 ) Durch diese Erklärungen hat sich das Werk bei uns so in Miß-kredit gebracht, aber gerade sie galten in jener alten Zeit als der Typusder Wissenschaftlichkeit. Als ein wirkliches Zeichen der letzteren abermuß angeführt werden, daß Isidor seine Definitionen der Begriffe öftersnach griechischen Philosophen gibt, und besonders, daß er meist an denAnfang der großen Abschnitte eine Übersicht oder auch kurze Geschichteder betreffenden Literatur über den Gegenstand stellt. Überhaupt mußman doch anerkennen, daß seine Betrachtungsweise oft eine geschichtlicheist, was immerhin der Sache zum Vorteil gereicht. Eigentümlich ist dieDisposition 2 ) des Werkes, das mit den sieben freien Künsten beginnt,nach flüchtigem Überblick über die Medizin zum Recht und zur Zeit-einteilung übergeht, dann sich ausschließlich christlichen Stoffen zuwendetund über Sprachen, Völker, Reiche und Staatswesen handelt. Nach einerlängeren etymologischen Episode wird der Faden wieder aufgenommenund Isidor handelt nun über den Menschen, über die Tiere, die Welt undihre Teile, über die Erde und ihre Länder, Inseln und Berge, dann überStädte und Gebäude, über Steine und Metalle, Land- und Gartenwirtschaft,über Krieg und Spiele, über Schiffe und Baukunst, Gewänder und Schmuckund endlich über Speise und Trank, häusliche und landwirtschaftliche Ge-räte. Jedenfalls erinnert diese Einteilung an die Compendiosa doctrinades Nonius lib. 1320, mit der das Werk auch sonst Berührungspunktezeigt. Aber Benutzung des Nonius durch Isidor konnte ich bisher nichtauffinden.

In dieses Schema, das wie eine Realenzyklopädie aussieht, ist nunsehr vieles hineingepackt worden, was sich oft nur ganz äußerlich mitdem Gegenstande berührt, so daß die Etymologiae oft zu einer Fundgrubefür sprachliche und reale Dinge werden. Manches hat Isidor allein auf-bewahrt, aber das Werk hat, hiervon abgesehen, noch eine nicht geringeWichtigkeit durch die Benutzung zahlreicher, verlorener Quellen. Aller-dings sind wir hierüber noch nicht genau unterrichtet, da die meistenEinzeluntersuchungen ausstehen. Im allgemeinen weiß Isidor wie Noniusseine Hauptquellen gut zu verbergen, aber die darin genannten Autorenführt er häufig an. 3 ) So gibt er sich den Anschein, als ob er in derältesten lateinischen Literatur gut zu Hause wäre, obwohl ihm jedenfallskein alter Tragiker oder Komiker oder Satiriker oder Epiker mehr vorlag.Alle diese Zitate aus Afranius, Caecilius, Ennius, Livius Andronikus,Lucilius, Naevius, Pacuvius, Plautus, Turpilius sind erst zweiter oder dritterHand entnommen; das gleiche ist bei Cato und wohl auch bei dem häufigangeführten Varro der Fall, höchstens daß Isidor dessen grammatisches

') So gibt auch Isidor seine Erklärungengern nach Varro, z. B. VIII, 7, 3 Vates a vimentis appellatos Varro auctor est. EineBlütenlese von Etymologien gibt Arevalo,Isidoriana 49,6 (Migne 81, 322 B C).

'') Freilich ist die Anordnung im altenWeissenburg. 64, wie Kubier (Hermes 25.501 ff) mitteilt, eine wesentlich andere inLib. 110, als sie die Ausgaben bieten, und

diese älteste Anordnung scheint die richtigezu sein.

3 ) Ueber die Art der Quellenbenutzungs. H. Dressel, De Isidori originum fontibus(Aug. Taurin. 1874) p. 3 ff. und p. 6 f., und L.Sadee, Ueber Freiburger Fragmente einerHs. der Etymologiae des Isidorus Hispal.(Freiburg 1883) S. 21 ff.