54
Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Ildefons von Toledo für das gemeinsame Grab von Leander, Isidor und Florentina das Epitaphgedichtet (gedruckt ib. 82, 50 C). Jedenfalls ist das Gedicht alt, denn es steht schon in derspanischen Anthologie im Paris. 8093 s.VIII f. 24 (danach de Rossi, Inscr. Christ. Rom. II,1, 296; die Ueberlieferung hier ist gegen den andern Druck sehr barbarisch, scheint abervorzuziehen zu sein). Daselbst f. 24 (Rossi II, 1, 292) eine Confessio b. Ysidori in 34 Hexa-metern, gleichfalls barbarisch und, wie das vorige, in rhythmischen Versen. Ueber Legenden,die sich an Isidor und seine Angehörigen angeknüpft haben, s. Protest. Realenzykl. 3 9, 448 f.
Schriften. Über die hervorragende Bedeutung Isidors war sich die Mit-welt schon klar; besonders wird sie von seinem Freund Braulio von Saragossahervorgehoben, der von ihm rühmt (Dzialowski, Isidor und Ildefons alsLiterarhistoriker S. 141) vir in omni locutionis genere formatus quem denspost tot defectus Hispaniae novissimis temporibus suscitans ad restaurandaantiquorum monumenta, ne rusticitate veter asceremus, quasi quandam apposuitdestinam, ferner (Dzialowski, Isidor und Ildefons etc. S. 140) In quo quiddamsibi antiquitas vindicavit, immo nostrum tempus antiquitatis in eo scientiamimaginavit, vir in omni locutionis genere formatus ut imperito doctoque secun-dum qualitatem sermonis existeret aptus, congrua vero opportunitate loci, in-comparabili eloquentia clarus. Und Ildefons (vir. ill. 9, Dzialowski a. a. 0.S. 140) sagt von ihm: vir decore simul et ingenio pollens, nam tantae iucun-ditatis affluentem coplam in eloquendo promeruit, ut ubertas admiranda dicendiex eo in stuporem verteret audientes, ex quo audita qui bis audisset, non nisirepetita saepius commendaret. Braulio und Ildefons haben beide auch eineZusammenstellung der Werke Isidors verfaßt; Braulio hängte die seinigeIsidors Schrift de viris illustribus an, 1 ) und Ildefons gab in seiner gleich-namigen Schrift c. 9 die Übersicht. Da Braulio mit Isidor in Briefwechselstand und auch das letzte und größte Werk seines Freundes nach dessenTode in Bücher teilte, so ist seine Zusammenstellung vorzuziehen, auchist sie bedeutend reichhaltiger als die von Ildefons (s. Dzialowski a. a. O.S. 142 f.). Aber auch sie ist nicht vollständig, außer den von DzialowskiS. 143 genannten Werken scheint das bei Sigebert. Gembl. de Script, eccl. 55(A. Miraeus, Bibl. eccl. 139) genannte ad Orosium librum de significationibusnominum zu fehlen, doch ist dies Buch wohl mit den Allegoriae quaedams. scripturae gleichzusetzen. 2 ) Die Werke Isidors seien hier nach der beiBraulio gegebenen Reihenfolge aufgeführt, da sie höchst wahrscheinlich diechronologische ist.
De natura rerum. Das Werk ist mit einem Briefe dem König Sisebut(612—620) gewidmet, der mit Isidor naturwissenschaftliche Korrespondenzunterhielt, die von des letzteren Seite vielleicht schon mehrfach in poetischerForm gehalten war; denn darauf könnten Sisebuts Worte im Eingangseines an Isidor gerichteten Gedichts über Mond- und Sonnenfinsternissedeuten Tu forte in lucis lentus vaga carmina gignis Argutosque inter laticeset musica fabra Pierio liquidum perfundis nectare mentem. Dies Gedichtaber scheint eine Gegenwidmung für Isidors De natura rerum zu sein,denn der alte Colon. 83 IIa. 798 hat die Aufschrift incipit epistola sisebutoregis gotorum missa ad isidorum de libro rotarum, wie das Werk De nat.
! ) Dzialowski a. a. 0. S. 141 De virisillustribus librum unum cui nos isla subiun-ximus.
2 ) So heißt es auch in Lorsch s. IX(Becker, Catal. 37, 334) eiusdem de signi-ficatione nominum ad Orosium.