52 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
anzunehmen, daß Cassiodors Anteil an dem Werke später übersehen wordenist. Auch hierbei war Cassiodor nur als Herausgeber tätig. Im 14. oder15. Jahrhundert wurde das Werk ins Französische übersetzt, s. den Kata-log des Louvre s. XIV — XV (Delisle, Le cab. 3, 155) 892 ,Josephus del'anciennete des Juifs en francois . .. Envoye en 1410 par le duc de Guienne'und Blois 1427 (de Laborde, Preuves III, 289) 6327 ,le livre de Josephusen francois'. Handschriften z. B. Monac. 4510 s. XII—XIII; 17404 s. XIII.
Ueber das Portleben Cassiodors im Mittelalter, s. Franz a. a. 0. S. 122—127. 106 n. 3.Ueber ältere Ausgaben und Uebersetzungen ib. S. 129—137. Kritische Ausgabe zu erwartenim Corp. SS. eccl.Vind. von F. Ladek und F. Perschinka. Gesamtausgabe: Migne 69. 70. —Ebert 1,498ff. Teuffel-Schwabe § 483. Hartmann bei Pauly-Wissowa 3, 1672—1675.Sandys S. 244—256. Roger S. 175-187.
3. Isidor von Sevilla.
Isidor, geboren um 570, stammte aus einer jedenfalls angesehenenromanischen Familie in Cartagena, wo sein Vater Severianus vielleichteine höhere Stellung einnahm. Doch wurde die Familie nach Sevilla ver-bannt und der Vater scheint früh gestorben zu sein, so daß der ältesteSohn Leander die Erziehung des jüngsten Bruders Isidor übernehmen mußte,die er nach einer späten Nachricht streng durchführte, so daß der Knabedie „Rute des Lehrers" oft genug fürchtete. Aber obwohl der Knabe, wiees dort heißt, im Lernen nur schwer vorwärts kam, muß er doch baldtüchtige Fortschritte gemacht haben, wozu das Beispiel seines bedeutendenBruders wohl viel beitrug. Dieser war (um 576) zum Bischof von Sevilla,der Metropole von Baetica, erhoben worden und Isidor folgte ihm in dieserWürde im Jahre 599 oder 600. Von seinem Wirken als Kirchenfürst ist,wie überhaupt von seinem späteren Leben, nicht sehr viel bekannt. Indie arianischen Streitigkeiten konnte er nicht mehr eingreifen, da sie nochin seiner Jugendzeit erloschen. In Sevilla führte er 619 den Vorsitz auf einerSynode unter Sisebut und ebenso präsidierte er der vierten Synode vonToledo 633 unter Sisenand. Daß er eine klösterliche Schulanstalt zu Sevillabegründet habe, hat man später wohl mehr aus seiner literarischen Tätig-keit und aus den Vorschriften der Synoden seiner Zeit geschlossen. Daßes ihm, dem Römer, an Vaterlandsliebe nicht gefehlt hat, beweist seinElogium Hispaniae, die Einleitung zur Gotengeschichte, das von den Zu-ständen Spaniens zur Zeit der Gotenherrschaft in begeisternden Ausdrückenspricht. Wichtiger war, daß Isidor als Bischof sich mehr den Wissen-schaften als der Kirche zugewendet zu haben scheint, denn darauf beruhtseine Bedeutung für das ganze nächste Jahrtausend. Er stand mit diesenBestrebungen nicht allein, König Sisebut selbst teilte sie und eine ganzeReihe von westgotischen Bischöfen nahm daran teil. Sicher hat CassiodorsBeispiel auch hier wohltätig eingewirkt, denn dessen Absichten, die ganzauf Belehrung ausgingen, entspricht der Charakter von Isidors Schrift-stellerei. Sie ist wie die Cassiodors die Frucht einer umfänglichen Bücher-sammlung und bedeutender Belesenheit. Allerdings wird man bei Isidorgut tun, nur einen kleinen Teil der von ihm angeführten Schriftsteller alsihm unmittelbar bekannt vorauszusetzen, da er sehr vieles zweiter oder