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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Ordo generis Cassiodoriorum. Ich schließe hier wegen des lite-rarischen Interesses eine jedenfalls auch ursprünglich nicht ausgedehnteSchrift an, die nach Useners 1 ) lichtvoller Erklärung S. 5—10 ein Brief anRufius Petronius Nicomachus Cethegus, den berühmten Staatsmann desOstgotenreiches war. Von ihr hat sich im Caroliruh. Aug. CVI s. X f. 53 bein kleiner Auszug gerettet, von welchem auch ein Stück in Boethius-kommentare in Sangall. 845 s. X, Einsidl. 179 s. XI und Metensis 377 s. XIübergegangen ist. 2 ) Anfang des Exzerpts (p.3) ,Excerpta ex libello CassiodoriSenatoris monachi servi dei ex patricio ex consule ordinario quaestore etmagistro officiorum quem scripsit ad Rufium Petronium Nicomachum ex cov-side ordinario patricium et magistrum officiorum. ordo generis Cassiodoriorum:qui scriptores extiterint ex eorum progenie vel ex civibus eruditis.' Das Frag-ment 3 ) behandelt in aller Kürze, aber nicht ohne deutliche Spuren desExzerpts. Symmachus, Boethius und Cassiodor selbst, von welchem es nur 4 )die Gotengeschichte anführt. Das Hauptgewicht in der kleinen Schrift lagwohl (Usener S. 10) in der Hervorhebung der namhafteren Schriftsteller,welche zu der Familie in weiteren Kreisen gehört hatten.
Weniger kommen für uns in Betracht die eigentlich theologischenWerke Cassiodors, da sie zu wenig Selbständigkeit verraten und sich inihrem Wortreichtum eng an die hier überlieferte Form anschließen. Diewichtigste Schrift sind die außerordentlich lang ausgedehnten Commentapsalterii, 5 ) wie sie vom Autor selbst (Keil, GL. 7, 143) genannt werden.Sie beruhen hauptsächlich auf Augustins Psalmenerklärung und empfahlensich der späteren Zeit ungemein durch ihren Hang zur typologischen Deutungund zur Zahlensymbolik, 6 ) die überhaupt bei Cassiodor eine große Rollespielt. Dagegen sind seine Complexiones in epistolas et acta apostolorumet apocalypsin nicht weiter bekannt geworden. 7 ) Verloren sind seine SchriftenExpositio epistolae quae scribitur ad Romanos, vnde Pelagianae haereseospravitates amovi und der Liber titulorum quem de divina scriptura collectum*)memorialem volui nuncupari. Ein Kommentar zum Hohenliede, der ihmbeigelegt wird, gehört ihm nicht an. 9 )
Einen sehr unbedeutenden Anteil hat Cassiodor endlich an zwei ge-schichtlichen Werken, zu denen er fast nur seinen berühmten Namen hergab.
Die Historia tripartita 10 ) leitet er mit den Worten ein: (M.69, 879),Haec igitur historia ecclesiastica, quae cunctis Christianis valde necessariacomprobatur, a tribus auctoribus Graecis mirabiliter constat esse conscripta,uno scilicet Theodoreto venerabili episcopo et duobus disertissimis viris; quos
a ) Festschr. z. Begrüß, d. 32. Vers, deut-scher Phil, u. Schulm. zu Wiesbaden 1877 (Anec-doton Holderi von H. Usener).
2 ) Schepss, NA. 11,125.
3 ) Rekonstruktion des wirklichen Titelss. Usener S. 9.
4 ) Nach Useners wahrscheinlicher Ver-besserung (S. 4, 25 adn. er.).
6 ) Wichtige Hss. Paris 12239 s.VIII, cf.Delisle, Le cab. des mscr. Planches XVII, 1.Sangall. 202—202 s. IX.
6 ) Siehe Ebert 1, 506. Bardenhewer
S. 591. ■— Im allgemeinen s. Franz a. a. 0.S. 93—101. Ueber Abkürzungen, die er ver-wendete, ib. S. 96.
7 ) Siehe Franz S. 101 ff. Erste Ausgabenach der einzigen(Veroneser) Hs. von Maffei,Floient. 1721.
8 ) Migne70, 1055-1105.
9 ) Er gehört dem Justus von Urgel; cf.Monac. 18666 s. XII f. 1—66.
10 ) Ausführlich hierüber handelt FranzS. 104-120.