48 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
cuius titulus est de forma mundi, 1 ) quem vobis item relinquimus relegendum';1217 ,nam et Varro [in] libro quem de astrologia conscrijpsit stellam comme-morat ab stando dictum'; 1218 ,Ptolemaeus apudCh'aecos praecipuus habetur,qui de hac re duos Codices edidit, quorum unicm minorem alterum maioremvocavit astronomum. Is etiam et canones quibus cursics astrorum inveniantur.instituit.' 2 )
Aus der räumlichen Ausdehnung, die Cassiodor den einzelnen artesgewidmet hat, erkennt man ohne weiteres ihre so verschiedene Wert-schätzung bei den Römern, denn die für die praktische Betätigung im Staats-leben wichtigen artes der Rhetorik und Dialektik nehmen weitaus dengrößten Raum ein, während die übrigen fast davor verschwinden. Abertrotzdem ist das kleine Werk wichtig genug, es läßt erkennen, welchenUmfang die Bibliothek von Vivarium 3 ) gehabt hat und warum der Haupt-teil gerade der hier genannten Literatur in den Klöstern abgeschriebenwurde und erhalten blieb. Denn auf das Abschreiben legte Cassiodor dengrößten Wert unter den künftigen Arbeiten seiner Mönche; er sagt Inst,div. 30, 1144 M. ,Ego tarnen fateor votum meum, quod inter vos quaecunqiiepossunt corporeo labore compleri, antiquariorum mihi studia, si tarnen veraciterscribant, non immerito forsan plus placere'. Freilich müsse das in sach-gemäßer Weise geschehen ,ne tanto bono mutatis litteris scriptores verba vitiosapermisceant aut ineruditus emendator nesciat errata corrigere orthographosantiquos legant'. Zu diesem Zweck schrieb er selbst ein kleines WerkDe orthographia (s. unten). So hat Cassiodor durch Beispiel und Ermahnungbesonders dazu beigetragen, daß wenigstens zunächst in den KlösternItaliens ein ziemlich breiter Strom antiker Literatur und Wissenschaft aufdie künftigen Zeiten des Mittelalters hinabfließen konnte.
Ueber liefe ring. Die Institutiones wurden zusammen oder einzeln abgeschrieben,der zweite Teil erscheint nicht selten als De artibus et disciplinis oder De Septem artibusu. dgl. 4 ) Haupthss.: Bamberg. H. I. IV. 15 s.VIII mit der Subskription: 5 ) Cassiodori SenatorisInstitutionum Divinarum Et Humanarum Herum Libri Duo Explicuerunt Feliciter. CodexArchetypus Ad Cuius Exemplaria Sunt Reliqui Corrigeudi. Wirceb. f. 5 a s. VIII — IX (undSangerm. 782 s. X) enthält nur die Inst. saec. (letzterer auch De grammatica). Außerdemsind Hss. der kürzeren Form Sangall. 855 s. IX und Carol. Aug. CCXLI s. X. Die erweiterte,wohl auch noch dem 6. Jahrh. angehörende Form steht in Bern. 212 und 234 s. X, Sangall. 199s. X, Carol. Aug. CVI s. X. Ausgaben: Migne 70, 1105—1120. 6 ) Inst. div. c. 17 ed. Mommsen.Auct. ant. 11. 39—41. Inst. saec. c. 1 (De gramm.) ed. Keil, Gramm. Lat. 7, 210—216; c. 2 (Derhet.) ed. Halm, Rhet. lat. min. 495—500, ef. p. XII.
Der Abschnitt De grammatica beginnt im Bamberg.: ,Grammatica a litteris' und endet,deputatum esse cognoscit' (M. 70, 1153 Z. 5 v. u.). In den meisten Hss. und danach bei Garetund Migne findet sich ein längerer Anhang de nominibus und de verbis, der aus MartianusCapella lib. 3 stammt und mit Cassiodor nichts zu tun hat, s. Keil, Gramm, lat. 7, 140ff.Anfiel dem gehört das von Garet und danach bei Migne 70, 1219 ff. abgedruckte Conimen-
] ) Das Werk ist kaum mit De motu I C. de Septem artibus; Michelsberg s. XIIterrarum identisch. ! (B. 80, 164) hat gar C. de detractoribus sa-
crarum scripturarum. Im Valentian. 164 s. IXf. 1 — 67 steht C. de artibus et disciplinis saecu-larium studiorum.
5 ) Siehe Fr. H a a s e, Gregor. Turon. ep.lib. de cursu stellarum (Vratisl. 1853) p. 5.
6 ) Die Ausgabe, abgedruckt nach Garet,ist durchaus irreführend, da sie alle Erweite-
Den Schluß des Abschnitts De astro-nomia gab zuerst heraus A. Mai, Class.auct. 3. 350.
3 ) Siehe die sehr dankenswerte Zusammen-stellung bei Franz a. a. O. S. 80—92.
4 ) So in Constanz s. IX (Becker 15,317)C. de VII liberalibus artibus [Sangall. 199 s.Xhat C. de VII artibus mit zehn vorausgehen- j rungen aufweistden Hexametern]; S. Bert in s. XII (B.77, 65)