Cassiodorus Senator.
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so daß für die früheste Geschichte der Goten die über die Skythen bekanntenNachrichten einfach verwendet wurden. Als Hauptquelle benutzte Cassiodorden gotischen Geschichtschreiber Ablavius, 1 ) der wahrscheinlich am HofeTheoderichs nicht lange vor Cassiodor ein Werk über die gotische Ur-geschichte aus den Liedern und Sagen seines Volkes, sowie aus den Nach-richten des Priscus zusammengestellt hatte. Außerdem benutzte Cassiodorden griechischen Geschichtschreiber Dexippus 2 ) (Jord. c. 22 p. 27 ,Dexippohistorico referente). Vielfach wurde auch Priscus 3 ) benutzt, von welchemCassiodor (oder schon Ablavius?) größere Stücke in wörtlicher Übersetzungentnahm, wie sich aus Jordanis ergibt (z. B. c. 34 p. 40, 35 p. 42, 42 p. 50und 49 p. 57 f.). Daß das Werk von ziemlichem Umfange gewesen ist,beweist die Zahl von zwölf Büchern. Aber gerade das scheint ihm beider Nachwelt geschadet zu haben, es wurde von dem kurzen Auszugedes Jordanis verdrängt und hat in der späteren Literatur keine Spur hinter-lassen. Seit dem 8.—9. Jahrhundert ist es jedenfalls verschollen, denn eswird in keinem der zahlreichen Bibliothekskataloge des Mittelalters an-geführt. Die Zeit seiner Entstehung liegt höchst wahrscheinlich zwischen526 und 533.
Institutiones. Noch bevor das Ostgotenreich völlig zerstört war, zogsich Cassiodor von der Welt völlig zurück und lebte nun unausgesetztArbeiten von hohem Wert für die Zukunft. In seinem Kloster Vivariumin Bruttien wollte er nämlich die Mönche an fortgesetzte geistige Arbeitgewöhnen und schrieb zu diesem Zweck 4 ) zwei kleine, aber inhaltreicheWerke über den Unterricht in der heiligen und in der weltlichen Literatur.Er unterscheidet sich hierin auffällig genug von seinem berühmten Zeit-genossen Benedikt von Nursia, der im 48. Kapitel seiner Mönchsregel 5 )vorschrieb ,et ideo certis temporis occupari debent fratres in labore manuum,certis Herum horis in lectione divina', sowie daß den Mönchen während derQuadragesima alle, Bücher des Klosters nacheinander zum Lesen in dieHand zu geben seien (p. 49, 28). Vergleicht man mit diesen Vorschriftendie Werke Cassiodors, so wird man kaum noch zugestehen können, daßCassiodor in Vivarium die Benediktinerregel einführte, 6 ) denn Studien imSinne der Überlieferung der Wissenschaften kann man aus der lectioBenedikts unmöglich herauslesen. Die Empfehlung solcher Studien aber
') Var. 10,22p.312 ,Ablavivestri liistoricamonimenta recolite'. Jord. c. 4 p. 6 H. ,quod etAblavius descriptor Gothorum r/cutis egreginsverissima attestatur historia'; 14 p. 19, Ablaviusenim historicus refert'; 23 p. 27 ,Ablavio hi-storico referente'. Genannt wird ,Blavius degestis Gottorum' in einem Briefe um 1200 andas Kloster Tegernsee (Becker 111, 1), obaus der Lektüre des Jordanis? — Jord. ed.Mommsen p. XXXVII.
2 ) Siehe Schirren a. a. O. S. 36.
3 ) Von seiner iarooia ßv^avnxt] y.ai y.arä'.Ittij/mv sind nur Fragmente erhalten, s. H.Sybel, De fontibus libri Jornandis etc. p. 25,wo überhaupt die Quellen (auch Tacitus, Li-vius, Trogus, Mela, Ptolemaeus, Strabo u. a.)zu vergleichen sind. Für Get. 9 (des Jordanis)
kann Cassiodor zur Geschichte des Telephus,die mit Dictys2,4f. wohl übereinstimmt, aberdoch kleine Abweichungen zeigt, den griechi-schen Dictys benutzt haben, s. MommsenHerrn. 10, 383 f.
4 ) Die Inst. saec. lect. sind zwischen 546und 555 geschrieben, s. Traube, Testgesch.d. Regula Benedicti S. 100.
5 ) ed. Wölfflin p.48.
6 ) Siehe hierüber A. Franz, M. AureliusCassiodorius Senator S. 29—34. — S. 42 ,DasVerdienst, zuerst die Pflege der Wissen-schaften in den Bereich der Aufgaben desklösterlichen Lebens aufgenommen zu haben,kann man mit vollem Rechte für Cassio-dorius in Anspruch nehmen'.