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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Cassiodorus Senator.

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Seine Jugendbildung war jedenfalls auf möglichst zeitigen Eintritt in dasStaatsleben zugeschnitten. Infolge einer Lobrede auf Theoderich erhielter die Quästur und auch später hat er noch öfters laudatoriae auf Königeund Königinnen gehalten. 1 ) Jenes Amt verwaltete er innerhalb der Jahre 507und 511; das Konsulat erhielt er 514 und beim Tode Theoderichs (30. August526) war er Magister officiorum, welche Würde er auch unter Athalarichbehielt. Theoderich hatte in dem praktisch veranlagten und vielseitiggebildeten Manne den Mithelfer erkannt und erkoren, dessen er sich haupt-sächlich bei der von ihm bevorzugten Ausgleichspoltik zwischen Römernund Goten bedienen konnte. So befand sich Cassiodor in der nächstenNähe des Königs als dessen Geheimsekretär und als Minister für die innereVerwaltung, er war von der Ausführbarkeit von dessen Politik durchausüberzeugt und unterstützte sie in jeder Weise. Er machte sich daher amköniglichen Hofe unentbehrlich, er redigierte und schrieb die Regierungs-erlasse der Herrscher. Seine Anschauungen brachten es mit sich, daß diearianischen Gotenkönige auch in ihrer kirchlichen Politik gegen die katho-lischen Römer mild und versöhnlich auftraten, Theoderichs schöner Grund-satz jReligionem imperare non possumus quia nemo cogitur ut credat invitus'(Var. 2, 27) wurde jedenfalls von ihm geteilt. Dies enge Verhältnis zurPerson des Herrschers blieb ihm auch bei den Nachfolgern, denn die Würdedes Praefectus praetorio, die er 533 erhielt, behauptete er noch bis in dieZeiten des Vitiges. Inzwischen hatte der bedeutende Mann längst begonnen,auch auf einem anderen Gebiete tätig zu sein. Kaum war es allein dielanggewohnte Tätigkeit als Geheimschreiber der Könige, die den Cassiodorveranlaßte, sich der Literatur zuzuwenden: Das Beispiel, das Boethiusgegeben hatte, mag wohl bestimmend auf ihn eingewirkt haben. Freilichwar es eine ganz andere Art der schriftstellerischen Tätigkeit, die vonCassiodor ergriffen wurde, als die, welche der von ihm bewunderte 2 )Boethius ausgeübt hatte. Denn sein ganzes Wesen war mehr auf prak-tische Zwecke gerichtet und konnte vielleicht dem tiefer angelegtenBoethius nicht recht folgen. 3 ) Wahrscheinlich begann Cassiodor seineliterarische Laufbahn mit der kurzen Chronik, die er im Jahre 519 heraus-gab. Die Historia Gothica schrieb er zwischen 526 und 533 ; i ) nochTheoderich hatte sie ihm aufgetragen und ganz im Sinne des großen Totenwurde sie abgefaßt. Unter der Regierung des Vitiges gab er 537 dieVariae heraus, weniger um sie als Zeugnisse seines staatsmännischenWirkens, sondern als literarische Dokumente der Welt mitzuteilen; diesenzwölf Büchern hat er wohl selbst als dreizehntes den Liber de anima imJahre 540 hinzugefügt, zu dessen Abfassung er durch Freunde bestimmt

') Usener, Anecd.Holden4,22 ,et laude»Iheodorichi regis Gothontm facundissimerecitasset, ab eo quaestor est factus'. Var.praef. p. 4,27 (M.) ,Dixisti etiam ad commen-dationem universitatis frequenter reginis acregibits laudes'. Sammlung der Fragmenteseiner Reden von L. Traube. MGH. Auet.ant. 11, 465 ff.

2 ) Vgl. Anecd. Holderi 4.17 ff.

3 ) So ist es bezeichnend genug, daß vonihm im Anecd. Holderi das Werk De conso-latione philosophiae nicht erwähnt wird, wasbei dessen großer Beliebtheit und Verbreitungin späterer Zeit kaum auf Rechnung desExzerptors zu setzen ist.

J ) Siehe Mommsen praef. ad Jordan,p. XLI.