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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.

und von De interpretatione, sowie die Principia arithmeticae ins Deutsche; häufiger wurdedie Consolatio im 15. Jahrhundert ins Deutsche übersetzt, so 1401 durch de Kastei (cf. Pez,Anecdota p. XXIII) und Conrad Humerii im Berol. 481 s. XV (aus Köln).

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts scheint die Uebersetzung in deutschen Versen ge-macht zu sein, von der A. Bömer, Ztschr. f. deutsch. Altert. 50, 149158 die Fragmenteveröffentlichte. Eine vlämische Uebersetzung ist von Arend de Keyser in Genf (Hain 3409)gedruckt. Häufig auch sind die französischen Uebertragungen: am Ende vom 13. Jahrh.von Jean de Meun, ca. 1336 von Renaud de Louhans 1 ) und früher der von diesem genannteJean de Sy, vor 1422 vielleicht von Charles d'Orleans, s. XV von Regnier de St. Trudon.Die älteste italienische Uebersetzung scheint Brunettus Latinus (vor 1294) verfertigt zuhaben, ihm folgte 1332 Albertus della Piagentina; spätere erschienen erst im 16. Jahrh. 2 ) InsSpanische wurde das Werk von Antonius Ginebreda s. XV übertragen, und Maximus Planudes(s. XIV) schrieb eine griechische Uebersetzung 3 ) der Consolatio wie der Schrift De differentiistopicis, während Manuel Calecas das Werk De trinitate ins Griechische übertrug. Einesolche große Anzahl von Uebersetzungen im Mittelalter hat kein anderes Werk des Alter-tums erfahren, die Consolatio tritt in dieser Beziehung allein mit einigen biblischen Büchernin Wettstreit. Auch hieraus läßt sich ihre hohe Bedeutung für die mittelalterliche Literaturund für die Wissenschaft ermessen.

Aber auch in der Anzahl und der Bedeutung ihrer erklärenden Werke steht die Con-solatio neben den biblischen Büchern und höchstens noch Donat einzig da. Eine ganzaußerordentliche Menge von Fleiß hat man darauf verwendet, das Werk der allgemeinenKenntnis näher zu bringen, wenn man hierbei auch nach echt mittelalterlicher Weise esdurchaus nicht für unangebracht hielt, seinen oder seine Vorgänger auszuschreiben. Zuerstscheint sich Lupus wissenschaftlich mit der Consolatio befaßt zu haben, nach seinen Dik-taten wurde ein Kommentar über die Metra aufgezeichnet (Valentian. 288 s. XI und Am-plon. F 35 s. XIV, Sangall. 826 s. XV). 4 ) Johannes Scottus schrieb eine Vita Boetii mit derhs.Inscription Joannis Scoti verba, s. Peiper p. XXX. 5 ) Johannes scheint auch einen Kom-mentar geschrieben zu haben, desgleichen Remigius, von beiden sind allerdings bisher nurTeile entdeckt worden. (Trevir. 1093 s. XI f. 105 b.) Merkwürdig ist, daß Hss. aus dieserZeit noch ganz zu fehlen scheinen, die älteste Ueberlieferung wird durch Turon. 803 unddurch die Fragmente im Bern. 455 s. IX dargestellt, kaum noch ins 9. Jahrh. gehörenAurelian. 270, Bonn. 175 und Bern. 179. Gegen Ende des 9. Jahrh. schrieb der Bischof As-serius Erklärungen zur Consolatio, mit ihnen stehen wohl in Zusammenhang die Erklärungen,die an die Wallerstein-Maihingerhs. des Boethius s. X (von Froumund geschrieben) an-gebunden sind, und die Randscholien im Monac. 19452 s.XXL 6 ) Zum Beginne des 10. Jahrh.schrieb Bovo IL von Korvei einen vortrefflichen Kommentar- zu Cons. III metr. IX, erhaltenim Vatic. 3363 und in einer Hs. des Britischen Museums. Obgleich nun gerade die bestenund auch sonst zahlreiche Hss. aus s.X stammen (Monac. 18765.14324. Bonn. 175. Bern. 179.Einsidl. 302. Vindob. 271. Paris 6639. 7181. 8039. Vatic. 3363), so scheint gerade zu dieserZeit die erklärende Tätigkeit geruht zu haben, freilich müssen erst Hss. wie Monac. 14836s. XI f. 10b-16a und 14758 s. XII f. 97f. und Gothan. 103 + 104 s. XIXII näher auf dieUrsprungszeit ihrer Kommentare untersucht werden. Schon am Anfang von s. XI ') stehtAdalbold von Utrecht, der Cons. III metr. IX erklärte. Ist die Angabe des Amplonius vonRatinck.richtig, 8 ) so schrieb Hugo von St. Victor einen Traktat über Metrik und behandeltehierin vorzugsweise die Metra von Martianus und Boethius. Zu gleicher Zeit D ) aber ver-faßte Guillaume de Conches seinen berühmten Kommentar zur Consolatio, der aber dasSchicksal hatte, daß er durch ein aus ihm fast abgeschriebenes Werk wieder verdrängtwurde. 10 ) Im 13. Jahrh. kommentierten die Consolatio Robert von Lincoln und Ptolemäus de

') Im Paris fonds franc. 70723-3. Teiledes 5. Buches im Bern. A95 N. 10a. NachVers 714718 beendet 31. Mai 1336.

2 ) Ueber die Uebersetzungen vgl. ed. P e i -per p. LILV.

a ) Diese ist wohl gemeint im Verzeichnisder Bibliothek von SixtusIV um 1471 (Müntzet Fabre, La bibl. du Vatican au XV 1 sieclep. 237) Interpretationes de latino in graecwm:Boetius de consolatione et Cato.

4 ) AndereHss. s. bei Peiper p.XXIIII.

5 ) Siehe E. K. Rand, Johannes Scottus:S. 11 f.

6 ) Siehe G. Schepss, Arch. f. d. Stud. d.neu. Sprachen u. Lit. 94, 149160.

') Die wichtigste Hs. aus dem 11. Jahrh.

ist Laurent, plut. XIV, 15.

8 ) Schum, Die amplonian. Hss. S. 789,1:821,23 = cod.Amplon.Q5s.XIIIin.f. 182.

9 ) Daß die Schrift auch für Fabelstoffeausgezogen wurde, erweist E. Voigt (Ztschr.f. deutsch. Altert. 23, 305) an einem Beispielbei Odo von Ciringtonia (Cons. phil. II, 17).

10 ) Proben von Glossen, Scholien und ge-schlossenen Kommentaren gibt Schepss, Hs.-Studien zu Boethius de consolatione philoso-phiae, Würzburg 1881. An einer Stelleergeben die Scholien eine Textverbesserung(p. 15, 129 eeOIC), s. Engelbrecht,Wiener SB. 144, III, 8; dort S. 915 Nach-weis von Interlinearglossen, die in den Textgekommen sind.