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1 (1911) Von Justinian bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts : mit Index
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Boethius.

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II. Philosophische Schriften.

Hätte Boethius sein oben schon erwähntes philosophisches Programmausführen können, so hätte schon das frühe Mittelalter eine ausreichendeKenntnis aristotelischer und platonischer Werke erhalten und der Gangder mittelalterlichen Wissenschaft wäre wenigstens seit der karolingischenZeit in etwas höhere Bahnen gelangt. Aus diesem Grunde ist der früh-zeitige Tod des Boethius sicher zu beklagen. Boethius selbst gibt imKommentar zur Isag. Porphyrii ed. prima 1 c. 5 (p. 12, 18 ff.) eine kurzeÜbersicht über die logischen Schriften des Aristoteles; er scheint sich aberin der Reihenfolge seiner Bearbeitungen nicht an die dort gegebenen Direk-tiven gehalten zu haben. Und da die zeitliche Anordnung seiner Schriftennicht feststeht, so mögen sie hier im allgemeinen in der von S. Brandt,Phil. 62, 141 ff. gegebenen Gruppenfolge aufgeführt werden.

1. Commenta in isagogen Porphyrii. Die von Victorinus über-setzte Isagoge des Porphyrius zu den Kategorien des Aristoteles kommen-tierte Boethius in einem zwei Bücher fassenden Dialog, den er als zwischenihm und seinem Freund Fabius 1 ) wohl in einem Landhaus an der ViaAurelia 2 ) zur Nachtzeit gehalten ausgibt. Zugrunde gelegt wird die Über-setzung von Victorinus, an welche Fabius die von Boethius zu beantworten-den Fragen anknüpft. 3 ) Viel ausführlicher ist der zweite Kommentar zurIsagoge, den Boethius seiner eigenen Übersetzung des Werkes hinzugefügthat. Er umfaßt fünf Bücher und sieht von der dialogischen Form ab.

Die Ueberlieferung geht sowohl in alten Katalogen wie in den Hss. nicht überdas 10. Jahrh. hinaus. Genannt werden beide Kommentare oder einer in Aufschriften s. Xin Fleury, Egmond, S. Emmeram und bei Otto III., s. XI in Chartres, Puy, Gorze, Köln, Toul.Besonders scheint man sich in Auxerre mit dem Werke befaßt zu haben, denn höchst wahr-scheinlich schrieb Heiric einen Kommentar, der sich im Paris. 12949 erhielt, s. E. K. Rand,Johannes Scottus S. 83 f., und später verfaßte Wilhelm von Auxerre (12. Jahrh.?) einen Auszugaus dem Werke, der im Amplon. 0 5 f. 126 b s. XII vorliegt; diese Hs. wird schon 1412im Katalog des Amplonius genannt: (Schum, Die amplon. Hss. S. 794,17) Commenta Wilhelm iAltisiodorensis extraeta oriqinaliter a eommentario Boetü super ysagogas Porphirü. Hss.für beide: Monac. 6403 s. X. Colon. 187 s. XI. Paris. 12958 s. X; 11129 s.Xl; für I: Colon.189 s. X XL Sangall. 831 s. X. Abrinc. 22"9 s. X; für II: Einsidl. 338 s. X. Paris. 13955 s. X.Monac. 14516 s. X. Vat. Reg. 1332 s. X. Ausgaben: ed. Basil. p. 1111. Migne 64, 1158.rec. S. Brandt, Vind. et Lips. 1906 (= Corp. SS. eccl. lat. XXXXVIII). Angeführt wird Dial. 1in einem Briefe des Burenard von Worms an Alpert, MG. SS. 4, 701.

2. In categorias Aristotelis. Vorrede ; . . . hos quoque comm&ntario,

in praedicamenta perscribens medioeris stili seriem persecidus . . . nee angere

lectorem brevitate volui nee dilatatione conflindere'. Das Werk ist in vier

Büchern im Jahre 510 geschrieben und zwar wie das vorhergehende, so

daß kleineren Abschnitten der Übersetzung des kommentierten Werkes

die Erklärungen folgen.

Erwähnt wird das Werk s. IX 4 ) in Konstanz, s. X in S. Emmeram und in Pleury.Hss.: Monac. 6374 s. IX. 6403 s. X. Notker von St. Gallen verfaßte gegen Ende des 10. Jahrh.eine deutsche TJebersetzung, wie er an Bischof Hugo von Sitten schreibt, s. Grimm, Kl.

den Dialog zur Nachtzeit gehalten sein läßt.

3 ) Auf das Petronzitat p. 132, 3 machtJessen, Philol. 33, 191 aufmerksam.

4 ) Unter dem Titel Johannis Scoti verbafindet sich im Sangall. 274 s. IX p. 4 einigesüber die Kategorien und deren lateinischeund griechische Benennungen.

') Danach heißt es in einer alten Auf-schrift in St. Am and s.XII (Delisle 2,453)169 Isagogae Porphirü cum prineipio commen-torum Boetü ad Fabium in easdem.

2 ) So nach der Vermutung von Brandtin seiner Ausgabe p.VIII; daselbst wird an-sprechend vermutet, daß Boethius nach Gellius